02.08.2019

Assistierter Suizid: „Mischt Euch mit Argumenten in die Debatte ein“

Theologe Michael Schröder warb darum, dass Christen sich in die Debatte einbringen

Michael Schröder

Am Donnerstag haben sich Christen im thüringischen Bad Blankenburg bei der 124. Allianzkonferenz zu aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft informiert. Der Theologe Michael Schröder warb darum, dass Christen sich in die Debatte um assistierten Suizid einbringen.

Der Theologe Michael Schröder hat im Rahmen der 124. Allianzkonferenz in Bad Blankenburg dafür geworben, dass Christen sich mit wichtigen Argumenten in die Debatte um den assistierten Suizid einbringen. In der Debatte gehe es um den eigenen Umgang mit Tod und Sterben. „Beide Begriffe liegen nah beieinander. Es handelt sich aber um unterschiedliche Dinge, die wir differenziert betrachten müssen“, erklärte Schröder.

In vielen europäischen Ländern gebe es seit einigen Jahren Bestrebungen, den ärztlich assistierten Suizid zu legalisieren. Deutschland habe, im Gegensatz zur Schweiz und den Niederlanden, die restriktivsten Regeln zur Sterbehilfe. In Deutschland sei die Debatte durch die Zeit des Nationalsozialismus sehr belastet.

Befürworter der aktiven Sterbehilfe berichteten von Menschen, die unvorstellbare Schmerzen litten. Die Menschen hätten Sehnsucht, endlich sterben zu können. Mitleid und Barmherzigkeit seien hier die Motive, den Betroffenen zu helfen.

Gegner des assistierten Suizids betonten hingen, dass es sich um eine Form der Euthanasie handle. Oft gehe es in der Debatte darum, Krankheiten auszumerzen und zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben zu unterscheiden. „Viele wollen hier den Anfängen wehren“, sagte Schröder.

Schröder ermutigte Christen dazu, ihre Argumente in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. „Es gibt keine schnellen Antworten. Der Tod gehört zum Leben. Das ist heute vielen nicht bewusst.“ Lange Zeit habe die christliche Überzeugung vorgeherrscht, dass der schnelle auch der „böse“ Tod sei. „Der christliche Glaube hat den Tod ins Leben geholt, um sich mit ihm auseinanderzusetzen. Das muss passieren - aber nicht verklärend.“ Die Legalisierung des assistierten Suizids sei aber der falsche Weg.

Das menschliche Leben sei von Gott verliehen: „Jeder Mensch ist zum Ebenbild Gottes geschaffen“, sagte Schröder und weiter: „Trotzdem bleiben Restfragen.“ Kennzeichen der evangelischen Ethik sei es, anhand des Evangeliums zu einer konkreten persönlichen Lösung und Entscheidung zu kommen. „Dessen sind wir nicht enthoben. Jeder benötigt eine Grundposition, die sich auch in schwierigen Situationen bewähren kann. Macht es zum Thema und nehmt den Tod mit ins Leben hinein.“

Michael Schröder ist seit 1989 Pastor im Bund der FeG. Zunächst war er einige Jahre in einer Gründungsarbeit tätig. Bis 2017 war er Dozent und zeitweise Rektor an der Theologischen Hochschule Ewersbach. Seit 2017 ist er Bereichsleiter der Stiftung „ProVita“ und zudem Pastor der FeG Dautphetal-Dautphe.