14.07.2004
Die Kleine Kanzel: (De-)Mut zur Ehrlichkeit
„Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ 1. Korinther 15, 10a<br />
Die Kleine Kanzel: (De-)Mut zur Ehrlichkeit
„Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ 1. Korinther 15, 10a
Herbert Reber - Inspektor des Thüringer Gemeinschaftsbundes und Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz - äußert sich im idea-Pressedienst zur Frage von Ehrlichkeit und Wahrheit auch im Blick auf Zahlen. Wir übernehmen gerne diesen Beitrag.
"Da behaupten doch manche, auch unter den Frommen gäbe es die Versuchung, Verhältnisse und Zahlen nach oben zu schönen. Gibt es das? Was könnte Menschen dazu bewegen – Menschen, die doch sonst peinlich auf Wahrheit und Recht achten? Färbt die Selbstdarstellungs- und Wettbewerbsgesellschaft auf uns ab? Jeder übertrumpft ja den anderen: „schneller, weiter, höher, erfolgreicher“. Sind es vielleicht auch die christlichen Blätter mit ihrer Berichterstattung – über die am meisten wachsenden und größten Supergemeinden, über die meistbesuchten Pfingst- oder sonstigen Treffen ... ? Ist es ein tief geistlicher Grund? Ich wünsche mir von Herzen, daß Gottes Wort wirkt und Gottes Segen spürbar ist. Da möchte ich gar nicht so gern wahrhaben, daß das bei mir jetzt nicht so zu greifen ist. Könnte man nicht alles – „zu Gottes Ehre“ – ein wenig aufbessern? Kann man dieser gesellschaftlichen und „frommen“ Ansteckungsgefahr etwas entgegenhalten?
Die Bibel redet nicht permanent nur davon, daß es mit den Zahlen stets aufwärts gehen müßte und immer die Erfolge da seien. Ablehnung und Abfall sind erwähnt. Jesus konnte in Nazareth nicht viel tun. Unterm Kreuz Jesu fehlten die einst jubelnden Massen. Jesus fragte auf seinem Weg: „Wollt ihr auch weggehen?“ Und auch bei Paulus ist oftmals von geringen Zahlen die Rede. Man befindet sich also zumindest auch dann in guter Gesellschaft, wenn es nicht so glänzend aussieht.
Paulus bekennt: „Von Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ Durch Gottes Gnade sind wir etwas – und nicht wegen unserer Zahlen und Erfolge! Jesus orientiert die Seinen auf die Freude darüber, daß ihre „Namen im Himmel geschrieben sind“, und nicht etwa auf die Freude darüber, daß ihnen alles zuläuft und alles untertan ist, daß im Blätterwald berichtet wird oder die eigene Seele sich geschmeichelt fühlt. Aus gutem geistlichen Grund also Mut zu Demut und Ehrlichkeit beim Thema „Zahlen“, beim Thema „Glaubensheldenhaftigkeit“, bei der Frage der „moralischen Überlegenheit“! Vielleicht danken es uns die Menschen, die neben uns leben, wenn sie sehen: Die machen nicht einfach den Selbstdarstellungs-Trip mit. Sie leben aus einer anderen Quelle. Sie sind – auch bei ihrem Tun - im allerbesten Sinne des Wortes „...von Gottes Gnaden“.