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Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt.
Psalm 68, 6-7a
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80% der Kinder in Waisenheimen haben Eltern
© Tearfund Irland
Weltweit leben bis zu 8 Millionen Kinder in Waisenhäusern, obwohl 80% von ihnen noch mindestens einen lebenden Elternteil haben. In Ländern des globalen Südens ist Armut die wichtigste Ursache dafür. Über 70 Jahre Forschung haben gezeigt, dass das Aufwachsen in Heimen zu mentalen und physischen Entwicklungsverzögerungen führen kann. Nach dem Verlassen des Heims besteht eine erhöhte Gefahr in Armut zu landen, kriminell zu werden, Selbstmord zu begehen, oder in die Fänge von Menschenhändlern zu gelangen. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass durch das Aufwachsen in gleichaltrigen Peergruppen, betreut von wechselnden Angestellten und Freiwilligen, es kaum ermöglicht ist, enge und lebenslange Bindung zu gewährleisten und die bestimmte Lifeskills zu erlernen. Deshalb setzen wir uns für familienbasierte Alternativen ein, wie etwa Maßnahmen, die die Trennung der Familie vorbeugen, oder die Verbindung zur eigenen, oder alternativen Familie herstellen.
In Deutschland sind Kinderheime mittlerweile ein überkommenes Modell der Pflege, dass als allerletzte und temporäre Option gesehen wird. Im Gegensatz dazu werden Heime im globalen Süden nach wie vor unterstützt, sei es finanziell, oder durch Freiwilligeneinsätze. Dabei gelten Christen und glaubensbasierte Werke als eine der Hauptunterstützer von Kinderheimen im globalen Süden dar. Gleichzeitig können Christen Teil der Lösung sein, denn sie haben häufig ein Herz für Familien.
Theologisch motiviert uns, dass: „Wahrer Lobpreis ... den Waisen Recht verschaffen“ (Jesaja 1,17) möchte, und wir wissen um die zentrale Bedeutung von Gemeinschaft und einem familiären Zuhause. Denn: Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt. (Psalm 68, 6-7a)
Welt ohne Waisen
Mit dem Motto Welt ohne Waisen wollen gemeinsam Bewusstsein für diese Problematik schaffen und, im Sinne der Jahreslosung 2025, helfen zu Prüfen und das Gute zu behalten. Unser Fokus liegt auf den Unterstützungsmechanismen von Heimen in Länder im globalen Süden aus Deutschland. Wir wollen Bewusstsein unter Christen und Gemeinden, Werken und NGOs, sowie ihren Verbänden und Gebern schaffen. Unser konkretes Ziel ist dabei, auf die Schaffung und Erweiterung von Standards, Richtlinien und Regelungen hinzuwirken. Denn unsere Vision ist: Eine Welt, in der jedes Kind in einer sicheren und liebenden Familie aufwächst und das von Gott gegebene Potential erreichen kann.
Als Initiative innerhalb der Evangelischen Allianz möchten wir gemeinsam, durch Kollaboration, erreichen. NGOs, Werke und Einzelpersonen, die Interesse haben, mögen sich gerne melden.
Mit dem Namen Welt ohne Waisen verstehen wir uns als auch ein deutschsprachiger Teil der World without Orphans (https://worldwithoutorphans.org). Diese globale Bewegung ist mittlerweile in über 50 Ländern aktiv, nachdem sie 2010 in der Ukraine entstand, als drei Leute, die der dortigen evangelischen Allianz nahestanden, ein Herz für Waisen in Kinderheimen bekamen. Sie fingen an zu beten und die Kinder in ihre Familien aufzunehmen. Die Vision der Bewegung ist: Eine Welt, in der jedes Kind in einer sicheren und liebenden Familie aufwächst und das von Gott gegebene Potential erreichen kann. World without Orphans ist Teil der European Evangelical Alliance, sowie der World Evangelical Alliance.
Einleitung
Das hebräische Wort für Waise (Yātôm) bedeutet am ehesten „vaterlos“. Es kommt im Alten Testament recht häufig vor, nämlich 42-mal. Zunächst beschreibt es oft die rechtliche und ökonomische Schutzlosigkeit innerhalb der Haus- und Besitzordnung Israels. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass es auch um mangelnde Bindung geht, denn dieses Nomen ist aus Teilen des Verbs „einsam sein“ zusammengesetzt. Im Neuen Testament bedeutet Orphanos (ὀρφανούς), ohne Eltern und verlassen zu sein. Obwohl der Begriff selten erwähnt wird, ist die Thematik zentral und wird im Zusammenhang mit der Adoptionstheologie und der Diakonie behandelt.
Vorbild
Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. Ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlergehe.
(Psalm 68:6-7a)
Psalm 68 gehört zu den ältesten überlieferten Psalmen. Gott wird darin als Vater der Waisen bezeichnet. Einerseits ist es eine Metapher für Gottes Fürsorge in schwierigen Lebenslagen und drückt die Sehnsucht nach Beziehung und dem ewigen Zuhause aus. Doch dabei bleibt es nicht: Es geht gleichzeitig um konkrete juristische und politische Aspekte. Durch diese Schutzgarantie für Schutzlose wird der Bund Gottes mit Israel konkret.
Auch bei Jesus geht es sowohl um eine geistliche Metapher als auch um konkrete Unterstützung, wenn er sagt:
Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch.
(Johannes 14:18)
Fürsorge und Rechte
Diese Stellen sind ein Vorbild für das Handeln seiner Nachfolger. Die konkrete Fürsorge für Waisen, Witwen und Fremde hat einen hohen Stellenwert. Im Alten Testament ist sie ein Indikator für die Bundestreue Israels und wird als „wahrer Lobpreis“ (Jesaja 1,17) angesehen. Im Neuen Testament ist sie Teil einer Religion, die Gott als rein und fehlerlos akzeptiert (Jakobus 1,27).
„Witwen und Waisen gehören in der Bibel wie im gesamten Alten Orient zu den Gruppen, deren rechtlicher, ökonomischer und sozialer Status als besonders prekär angesehen wird. Weil diese Gruppen in einer patriarchalen Gesellschaft nur schwer selbst für ihr Recht sorgen konnten, gilt Gott selbst als derjenige, der auf ihren Notschrei hört (Ex 22,22), ihnen Recht verschafft (Dtn 10,17f) und gegen ihre Widersacher vorgeht (Ex 22,23). Daraus folgt der Appell an die Gemeinschaft, in vergleichbarer Weise für die Witwen und Waisen einzutreten. Daher wurden in Israel und Juda vielfältige Bestimmungen entwickelt, die das Recht von Witwen und Waisen – neben denen öfters weitere schutzbedürftige Gruppen wie Fremde, Leviten oder Sklav*innen genannt werden – schützen und ihr Überleben sichern sollten“, schreibt ein Arbeitsbuch für glaubensbasierte soziale Arbeit und Diakonie.
Es wird deutlich, dass die Fürsorge nicht auf die karitative Pflege im Rahmen von Diakonie beschränkt bleibt. Es geht ebenso um Gerechtigkeit und Anwaltschaft: um den Auftrag, sich für gerechte gesellschaftliche und legale Rahmenbedingungen einzusetzen.
Wahrer Lobpreis, der Gott gefällt, ist es, den Vaterlosen Recht zu verschaffen, Witwen zu unterstützen und den Unterdrückten zu helfen. (Jesaja 1:17)
Beziehungen in Familien herstellen
Die soziale Dimension einer Theologie der Waisen wurde bereits eingangs durch den etymologischen Zusammenhang des Nomens „Waise“ mit dem Verb „einsam sein“ angesprochen. Ebenso fällt auf, dass Waisen, Witwen und Unterdrückte oder Fremde häufig zusammen als Dreiklang erwähnt werden. Was haben diese Personengruppen gemeinsam? Sie zeichnen sich jeweils durch fehlende oder gestörte Beziehungen aus: Den Witwen fehlt der Partner, den Waisen ein Elternteil, während Unterdrückung eine Form von ungerechter Beziehung durch Ausbeutung ist. Dies macht sie schutzlos und entspricht der biblischen Definition von Armut, die im Kern als das Resultat von zerbrochenen Beziehungen zu verstehen ist. Mit anderen Worten: Das Herstellen und Verbessern von Beziehungen ist stets ein zentraler Auftrag in der Armutsbekämpfung. Es bedarf demnach der Bildung von Gemeinschaft und darf nicht nur um die Linderung materieller Not gehen. Welche Bedeutung hat dieser Aspekt für die Fürsorge für Waisen?
Zurück zum bereits zitierten Psalm 68: Sowohl die Waisen als auch die Witwen leiden unter einer besonderen Form der zerbrochenen Beziehung und Einsamkeit, denn ihnen ist ein Familienmitglied abhandengekommen. In den meisten englischen sowie in einigen deutschen Übersetzungen der Stelle steht: Den Einsamen schafft er eine Familie (Psalm 68,7a GNB). Familien sind für das Kindeswohl förderlich, weil dort ganzheitliche und fürsorgliche Beziehungen gelebt werden, die lebenslang angelegt sind. Auch wenn man den Begriff Familie im Alten Testament nicht unbedingt mit unserer heutigen Ausgestaltung gleichsetzen kann, so bleiben doch die Prinzipien wie Bindung und Zugehörigkeit, die Versorgung beinhalten, aber darüber hinausgehen, bestehen. Die Familie ist das Leitbild und Modell für ein fürsorgliches Zuhause, gerade für Waisen.
Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass Gott sich große Mühe gegeben hat – wie es scheint –, dass sein Sohn Jesus auf Erden in eine Familie hineingeboren wird. Mehr noch: Jesus betont, dass die Aufnahme eines Kindes gleichbedeutend mit der Aufnahme von ihm selbst ist (Matthäus 18,5).
Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. (Markus 9:37a)
Zusammenfassung als Formel
Versucht man, die Knackpunkte einer Theologie der Waisen als Formel auszudrücken, könnte es wie folgt aussehen:
(Waisen = schutzlos€§ & einsam) < (Fürsorge: Familie + §§)
Waisen fehlt eine wichtige Beziehung, deshalb sind sie einsam sowie rechtlich und ökonomisch schutzlos. Unsere Fürsorge für sie soll wachsen, nicht nur durch Versorgung, sondern mit besonderem Fokus auf die Integration in Familien und indem ihnen Recht verschafft wird.
Zusammenfassung
Das 18. Jahrhundert gilt als „Blütezeit“ der Waisenheime in Deutschland. Nicht immer stand die Fürsorge für Waisen im Vordergrund, sondern Bildung oder sogar kommerzielle Aspekte. Als Mängel in der Versorgung und gesundheitliche Probleme auffielen, kam es zu einer Gegenbewegung, dem Waisenhausstreit. Es wurde vermehrt das Familienprinzip angewandt. Doch erst im 20. Jahrhundert rückte das Prinzip des Kindeswohls in den Vordergrund. Dies und gesetzliche Änderungen führten zu einer Abkehr von der institutionalisierten Pflege von Kindern.
Einleitung
Auch in Deutschland waren Waisenhäuser unter Christen populär. Bei dieser historischen Betrachtung beschränke ich mich auf die frühe Neuzeit und Gründungen im evangelischen Spektrum pietistischer Prägung. Denn es gibt durchaus Parallelen, die für das Überdenken der Unterstützung von Kinderheimen im internationalen Kontext relevant sein können.
Frankesche Anstalten
Inspiriert von einer Studienreise in die Niederlande gründete der Pietist August Hermann Francke 1698 das Waisenhaus zu Glaucha in Halle. Es hatte eine stark pädagogisch-erzieherische Ausrichtung. Unter der Bezeichnung „Waisenhaus“ verfügten die Franckeschen Anstalten über ein komplexes Gemisch aus einer Armenschule für Waisen und andere benachteiligte Gruppen bis hin zu einer lateinischen Schule (Latina) und einem exklusiven Pädagogikum. Ebenso gehörten ein Verlag samt Druckerei sowie eine Apotheke mit Laboren zum Schulkomplex.
So rückte das Waisenhaus in den Hintergrund. Als Schul- und Bildungszentrum und weniger als Anstalt zur Basisversorgung von Waisenkindern entwickelte es sich zu einer Anstalt mit stark pädagogisch-erzieherischer Ausrichtung, insbesondere für Kinder von Geistlichen. So waren im Todesjahr Franckes, 1727, nur 134 der 2000 Kinder in den Anstalten Waisen. Das sind weniger als sieben Prozent. Das Ziel war das Erlernen eines Berufes, während gleichzeitig die Arbeitskraft der Kinder im Waisenhaus wirtschaftlich genutzt wurde. Vor allem Pastorenfamilien sahen das Waisenhaus als einzige Möglichkeit, ihren Söhnen den Weg an die Universität zu finanzieren, wobei auch die Erziehung zur wahren Gottseligkeit prägend war.
Das sogenannte Waisenhaus zu Halle diente – vorangetrieben durch die hauseigenen Publikationen – als ein Exempel für glaubensmotivierte Gründungen in anderen Regionen Deutschlands als auch in anderen Ländern wie zum Beispiel in England und Indien. Nachahmer übernahmen häufig nur einzelne Elemente.
Auch an den Anstalten selber wurde Kritik geübt, die uns ebenso bei der Betrachtung von Waisenhäusern im Globalen Süden begegnet: Im Zusammenhang mit der Gewährung von staatlicher Unterstützung waren sie zu einem Politikum geworden. Es wurde ihnen vorgeworfen, unter der Tarnung als Waisenhaus keine Sozialeinrichtung zu sein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, um Spenden einzuwerben und von steuerlichen Vorteilen zu profitieren. Ebenso gab es die Kritik, dass Fürbittgebete von Waisen, die sehr geschätzt waren, vor allem aus kommerziellen Interessen im Zusammenhang mit Spenden angeboten wurden.
Waisenhausstreit und Familienprinzip
Bereits ab 1760 kam es im Zuge der Aufklärung zu einer kritischen Gegenbewegung. Auslöser des Waisenhausstreits war eine unüberbrückbare Diskrepanz zwischen den pädagogischen Idealen und den realen Lebensverhältnissen. In vielen Anstalten prägte die oft einseitige Produktion in den Werkstätten den Alltag der Kinder, die die Absicht hatten, profitabel zu sein. Den Zeitgenossen blieb auch die schlechte Gesundheitssituation nicht lange verborgen. Man beobachtete Mangelkrankheiten wie Skorbut, die schnelle Verbreitung von Infektionskrankheiten sowie eine erhöhte Sterblichkeit. Insbesondere die Krätze galt als typisches Waisenhausleiden.
Bald ging es beim in ganz Deutschland geführten Waisenhausstreit nicht mehr nur um die Reform der Häuser, sondern um die grundsätzliche Frage, ob Kinder nicht besser in Pflegefamilien aufgehoben sind. Einige Heime wurden verkleinert oder ganz geschlossen. Es wurde versucht, Kinder in Familien zu integrieren. Vor diesem Hintergrund bevorzugte später Johann Hinrich Wichern das Familienprinzip und sah die Erziehung in Waisenhäusern immer als Ultima Ratio an.
Kindeswohl und Gesetze
Diverse gesetzliche Regelungen, etwa von 1875 und 1924, legten die Kinder- und Jugendfürsorge vermehrt in die Hände staatlicher Institutionen. Nicht immer führte dies gleich zu Verbesserungen, doch auf lange Sicht begünstigte dies den bereits vorhandenen Trend zur Familienerziehung.
Vermehrt geriet das ganzheitliche Kindeswohl sowie die Bedeutung von Bindung in den Blick, nicht nur die bloße Versorgung. Ab Mitte der sechziger Jahre verstärkte sich die Kritik an der Situation in den Kinderheimen. Das führte zu einer endgültigen Abkehr von Heimkonzepten seit den 80er-Jahren.
Hintergrund und Kontext: Wie kam es zu Welt ohne Waisen?
Einige Meilensteine der Vorgeschichte von Welt ohne Waisen und zur globalen und europäischen Vernetzung
Seit 2010: Von Ukraine without Orphans zu World without Orphans
Ukraine without Orphans entstand, als sich drei Christen zum Gebet für die zahlreichen Kinder in Waisenheimen trafen. Ein Netzwerk von Kirchen und NROs entstand, welches Christen mobilisiert, Kinder aus Heimen in Familien aufzunehmen.
In den letzten 25 Jahren ist daraus eine globale Bewegung gewachsen: World without Orphans. In über 100 Ländern werden nationale Netzwerke unterstützt, damit Waisenkinder in sicheren Familien aufwachsen können. Welt ohne Waisen in Deutschland ist eines davon. World without Orphans ist Teil der weltweiten, europäischen und diverser nationaler Evangelischer Allianzen.
2016: Erstes globales Forum von World without Orphans (WwO)
© M. Köker, 2016
450 Leitende aus 60 Ländern kommen zum ersten Mal in Thailand zusammen, um die Herausforderungen von Waisenkindern in ihren Ländern zu besprechen. Der einzige Deutsche unter den Teilnehmern repräsentiert ein anderes Land. Beim Abschlussgebet wird symbolisch eine Kerze für Deutschland entzündet.
2016: Christian Community Development Conference (CCD)
© M. Köker, 2016
Die Konferenz thematisiert integrale Mission und transformative Entwicklung mit 160 Teilnehmern. Sie wird unter anderem von der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) veranstaltet. Als Teil eines Forums für Innovationen hält Markus Köker einen Kurzvortrag über die Pflege von Waisenkindern in Pflegefamilien, durch Verwandte sowie die Unterstützung von Kirchen.
2019: Zweites globales Forum von World without Orphans
© M. Köker, 2019
Es wird erneut eine Gebetskerze für Deutschland entzündet. Auch diesmal vertritt der einzige deutsche Teilnehmer ein anderes Land.
2022: Christian Community Development Conference (CCD)
© M. Köker, 2022
In Berlin mündet ein Vortrag in der Frage: Wird die Kirche den Wandel oder den Widerstand leiten, wenn es um die Unterstützung von Waisenheimen im globalen Süden geht? Zuvor beleuchteten Redner aus Irland, Großbritannien und Deutschland bedenkliche theologische, finanzielle als auch entwicklungspsychologische Aspekte des Aufwachsens in Heimen. Es geht auch um den Beitrag, den Freiwilligeneinsätze dazu leisten, und welche Wandlungsprozesse es bereits in verschiedenen Ländern gab.
2023: Erstes europäisches Forum von WWO Europe
© M. Köker, 2023
Vertreter aus Deutschland berichten im Plenum einerseits über den Zusammenhang zwischen Behinderung und dem Aufwachsen in Heimen sowie darüber, welchen Unterschied es macht, eine Familie fürs Leben zu finden. Sie erzählen aus eigener Erfahrung von der tiefen Enttäuschung, wenn Christen aus Gemeinden ihr Heim besuchten und dann nicht wiederkehrten, obwohl sie während des Besuchs das Gegenteil behauptet hatten. Andererseits berichten sie von ihren Erfahrungen mit der Änderung eines Standards für Freiwilligendienste im globalen Süden und wie partizipativ eine Klausel hinzukam, die diese in Kinderheimen auslaufen ließ.
2024: Drittes globales Forum von World without Orphans
© M. Köker, 2024
460 Teilnehmende aus 65 Ländern kommen in Thailand zusammen. Zum ersten Mal sind mehrere Vertreter aus Deutschland dabei. Unter anderem entsteht ein neuer Arbeitskreis, der die Unterstützung von Kinderheimen im globalen Süden aus den relativ wohlhabenden Ländern Europas überdenken möchte. Dabei sind Irland, Großbritannien, die Niederlande, Finnland, Deutschland und die Schweiz.
2024: Erster Runder Tisch zu Vulnerablen Kindern
© Einladung, WWO Europe & EAD, 2024
In Bad Blankenburg geht es neben dem Thema, wie Christen in Deutschland motiviert, gestärkt und vernetzt werden können, um Pflegeeltern zu werden, auch um die Unterstützung von Kinderheimen durch Christen aus Deutschland.
2025: Artikel Freiwillig ins Waisenheim?
© Foto, M. Köker, 2025
Der wohl erste missiologische Artikel auf Deutsch zum Thema Unterstützung von Kinderheimen erscheint in der Zeitschrift Evangelische Missiologie. Der Autor geht zunächst auf die Geschichte von glaubensbasierten Waisenhäusern in Deutschland ein. Schon nach kurzer Zeit entstand eine kritische Gegenbewegung. Gesetzliche Änderungen zum Kinderschutz hatten die weitestgehende Abschaffung von Kinderheimen zur Folge, sodass sie heute in Deutschland nur die allerletzte und möglichst temporäre Option in der Betreuung von Kindern sind. Der Artikel thematisiert daraufhin die unter Christen weiterhin populäre Unterstützung von und Freiwilligendienste in Kinderheimen in Ländern des globalen Südens, deren problematische Auswirkungen sowie alternative Ansätze.
2025: Welt ohne Waisen in der EAD
© M. Köker, 2025
Welt ohne Waisen entsteht als Initiative in der Evangelischen Allianz in Deutschland – inklusive Spendennummer. Dazu darf das Logo der ‚World without Orphans‘-Bewegung adaptiert werden, was ausdrückt, dass die neue glaubensbasierte Initiative in Deutschland eng mit der internationalen Bewegung verbunden ist. Eine Roadmap beschreibt die Vision, Ziele und mögliche Betätigungsfelder.
2025: Christian Community Development Conference (CCD)
© M. Köker, 2025
„Das Leben im Waisenheim war sehr hart. Ich fühlte mich alleine und weinte jede Nacht nach meiner Mutter“, berichtet Divine aus Ruanda von ihrer Zeit, bevor sie erneut mit ihrer Mutter zusammenlebte. Als Side-Event der Konferenz in Frankfurt unter dem Titel ‚Caring for Orphans in times of conflict‘ berichteten Betroffene und Akteure unter anderem aus Indien, Kenia, Ukraine, Ruanda und Großbritannien vom systematischen und biblisch basierten Wandel hin zu familienbasierter Pflege von Waisenkindern.
2026: Zweites europäisches Forum von WwO Europe
Als Teil der Konferenz treffen sich Leiter aus verschiedenen europäischen Ländern mit Vertretern aus Afrika, Asien und Südamerika sowie aus Osteuropa, die Kinderheime und deren Wandel erlebt haben oder selber gestalten. Sie besprechen, wie die Unterstützung von Kinderheimen im globalen Süden durch Christen, Kirchen und Werke reformiert werden kann.
Koordinator
Köker Markus
Kontakt für Deutschland
World without Orphans (WWO)
Telefon: +4901624877800