05.01.2004

Ist jeder evangelikale Missionar ein Sektierer?

Scharfe Kritik an Spiegel-Artikel über deutsche Missionare im Ausland<br />

Ist jeder evangelikale Missionar ein Sektierer?

Scharfe Kritik an Spiegel-Artikel über deutsche Missionare im Ausland

Massives Unverständnis für christliche Mission sowie journalistische Mängel wirft der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), Fritz Schuler (Mosbach bei Heidelberg), dem Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vor. Die 82 Mitgliedswerke der AEM haben über 2.800 Mitarbeiter im Ausland, das sind vier Fünftel aller von Deutschland ausgesandten evangelischen Missionare. Der Spiegel hatte Ende 2003 unter der Überschrift „Für Gott in alle Welt“ über evangelikale Missionare aus Deutschland berichtet, die Sektierer seien und ein „erzkonservatives Menschenbild“ verbreiteten. Mit ihrer Arbeit verbunden sei die Zerstörung anderer Kulturen und die Beleidigung anderer Religionen. Schuler wirft den Autoren des Artikels, Carsten Holm und Udo Ludwig, vor, sich zu wenig mit dem Thema vertraut gemacht zu haben. Beispielsweise sei der Sektenvorwurf gegen evangelikale Missionare völlig unsinnig. Fast alle seien in Deutschland von Gemeinden ausgesandt und arbeiteten im Ausland mit dortigen Gemeinden zusammen. Auch die Behauptung, die Evangelikalen seien eine freikirchliche Bewegung, zeuge von wenig Sachkenntnis. Schätzungsweise jeder zweite AEM-Missionar sei Mitglied einer Landeskirche. Den Vorwurf der Kulturzerstörung weist Schuler ebenfalls zurück: „Wir wollen Kulturen nicht zerstören, sondern letztlich aufwerten. Aber jede Kultur, auch die deutsche, hat natürlich vereinzelt Elemente, die nicht unbedingt schützenswert sind.“ Aufgrund des Spiegel-Artikels sollten sich allerdings die Evangelikalen selbstkritisch fragen, ob ihre Gemeinden nicht Defizite im Sozialen haben. Ein stärkeres Engagement für die Bedürfnisse der Gesellschaft würde in der Öffentlichkeit mehr Verständnis für die Leistung evangelikaler Missionare wecken. Fast jeder Missionar im Ausland lege mehr Einsatz für Bildung, medizinische Versorgung und wirtschaftliche Entwicklung an den Tag als eine durchschnittliche Gemeinde in Deutschland.

Missionare nehmen die Bibel ernst

Kritik an dem Spiegel-Beitrag übt auch der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart). Wer sich für die Weltmission einsetze, nehme damit die Bibel ernst und vertrete keine Sonderlehren, wie Sektierer es täten. Amüsiert zeigt sich Steeb darüber, daß in dem Artikel ausgerechnet die Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi als evangelikale Besonderheit dargestellt wird. Diese Erwartung gehöre zum Glaubensbekenntnis aller Christen aller Konfessionen. „Wir können ganz getrost abwarten, wer am Ende Recht hat; diejenigen, die auf die Wiederkunft Christi hoffen und glauben oder diejenigen, die das für ein Hirngespinst halten. Es wird sich zeigen. Allerdings wird dann der Spiegel nicht mehr darüber berichten“, so Steeb.