Herausfordernde und gesegnete Zeiten
Niemand wird bestreiten, dass wir in sehr besonderen Zeiten leben. Tiefgreifende Erschütterungen, verbunden mit einer hohen Unsicherheit und häufig auch einer verzweifelten Hoffnungslosigkeit. Wir spüren: So wie bisher geht es nicht weiter, aber es gibt kaum überzeugende Alternativen. So "wurschteln" wir uns weiter durch und versuchen, wie bei einem einstürzenden Haus die wichtigsten Pfeiler irgendwie zu halten. Aber wir können nicht überall sein und alles Halten. Unsere Kraft reicht nicht aus.
Gleichzeitig erleben wir das segensvolle Handeln Gottes. Häufig noch im Verborgenen, aber sehr überraschend und ermutigend. Nicht marktschreierisch, aber machtvoll und souverän. ER spricht sehr unmittelbar zu Menschen, verändert Situationen und öffnet Türen, die wir davor gar nicht gesehen haben. In Seiner Treue bestätigt ER Berufungen und vertieft sie gleichzeitig. All das erleben wir in den letzten Monaten im Netzwerk der Evangelischen Allianz. Es gäbe hier viele - im wahrsten Sinne des Wortes - wundervolle Geschichte zu berichten. Aber: All dies ist auch mit Arbeit verbunden. Ja, es ist unser HERR , der handelt und ohne Sein Eingreifen würde all dies nicht geschehen. Aber ER nimmt uns in Sein Handeln mit hinein - und das ist herausfordernd.
Kurz: die Veränderungen in unserem Umfeld sind mit äußeren und auch innerlichen Anstrengungen verbunden. Und dann kommen noch all die Veränderungen, die Jesus sehr unmittelbar anstößt. Ich komme mir da häufig schlicht überfordert vor und merke, dass meine Kraft vorne und hinten nicht ausreicht. Deshalb bin ich auch für das jüngst erschienene EiNS-Magazin so dankbar, das unter dem Motto steht "EiNS aber fehlt dir ...". Es nimmt Bezug auf die Geschichte von Maria und Martha (Luk 10:38 ff). Ohne Zweifel, Marta arbeitet. Sie arbeitet viel und hart, damit es Jesus und der hungrigen Jüngerschar gut geht. Und sie ehrt Jesus damit. Dies schätzt Jesus wert, und doch ermahnt ER Marta liebevoll: "Marta, Marta, du bist wegen so vielem in Sorge und Unruhe, aber notwendig ist nur wenig - eigentlich nur eines."
Dass die Notwendigkeit besteht, in und aus der Gegenwart von Jesus her zu leben, war schon immer klar und keine Frage. Gleichzeitig nehme ich in der letzten Zeit verstärkt das Reden von Jesus wahr, dies nicht nur theoretisch zu wissen, sondern auch ganz praktisch zu leben. Und ich höre es in einer verstärkten Dringlichkeit. Stille bei Jesus ist nicht nur eine gute Option oder ein erstrebenswertes Ziel. Nein, es ist das eine, das notwendig ist, genauer überlebensnotwendig. Es ist nicht "nur" die Einladung unseres Himmlischen Vaters, es ist auch mehr als "nur" ein Ratschlag. Es ist die ernste Anweisung unseres wiederkommenden HERRN. Es ist unverhandelbar und durch nichts zu ersetzen. Ohne dieses verborgene Leben in der Gegenwart des Auferstandenen HERRN werden wir angesichts aller Anforderungen, Herausforderungen und Verführungen (die auch einem frommen Gewand daherkommen), das Ziel nicht erreichen.
Deshalb erschrecke ich über mich: Sowohl wie selten ich dieser Anweisung wirklich nachkomme, als auch wie wenig Sehnsucht ich eigentlich nach diesen Zeiten habe. Wie häufig ich an anderen Quellen versuche meinen Lebensdurst zu stillen. Daher hat sich in letzter Zeit meine Antwort auf die Frage verändert, was für ein Gebetsanliegen ich denn hätte. Meist antworte ich, dass ich mir wieder neu die Sehnsucht nach Gott wünsche. Die Lebenshaltung, von der David im Psalm 63 spricht, den er in der Zeit eines seiner Wüstenaufenthalte geschrieben hatte: "Gott, mein Gott bist du, dich suche ich.
Wie ein Durstiger, der nach Wasser lechzt, so verlangt meine Seele nach dir.
Mit meinem ganzen Körper spüre ich, wie groß meine Sehnsucht nach dir ist in einem dürren, ausgetrockneten Land, wo es kein Wasser mehr gibt. (...) Deine Nähe sättigt den Hunger meiner Seele wie ein Festmahl." (Psalm 63:2&6a).
Diese Sehnsucht, die stärker als alle Herausforderungen und als alle Arbeitsnotwendigkeiten ist. Diese Sehnsucht, die mich in die Nähe Gottes treibt und der Schlüssel dafür ist, dass wir nicht als fromme Funktionäre, sondern als Söhne und Töchter unseren Lauf beenden. Diese Sehnsucht, die durch nichts anderes als durch IHN selber gestillt werden kann - und die damit die Wüste zum Quellgrund werden lässt.
So werden aus herausfordernden Zeiten, gesegnete Zeiten.
Dr. Reinhardt Schink
Vorstand der EAD
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Bad Blankenburg
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