24.09.2020

Ein Brief aus dem Allianzhaus

Herr, dein Wille geschehe

Am 22. Juli klingelte vormittags am Schreibtisch der Hausleiterin das Telefon. Das Gesundheitsamt teilte im sachlichen Ton mit: „Ihre beantragte Veranstaltung vom 29. Juli bis 2. August können wir nicht genehmigen.“ Moment mal, dachte ich und fragte: „Ist etwas mit unserem eingereichten Infektionsschutzkonzept zur Veranstaltung nicht in Ordnung?“ Daran läge es nicht – es kämen einfach zu viele Menschen an einen Ort, das Infektionsrisiko sei zu hoch, so die knappe Antwort auf der anderen Seite der Telefonleitung. Diskussionen hin und her, ob in einer 7 Meter hohen Halle mit 720 m² Fläche 300 Personen Platz finden, so dass sie einen Mindestabstand von 1,5 m einhalten können – schnell wurden wenig zielführende Argumente ausgetauscht. Um dies nicht eskalieren zu lassen, bat ich darum, den vorbereiteten Bestuhlungsplan nochmals prüfen zu können und mich innerhalb kurzer Zeit erneut melden zu dürfen.Wochenlang hatten wir Zeit und Kraft zur Vorbereitung der „etwas @anderen Allianzkonferenz“ aufgewendet und nun sollte die Entscheidung des Gesundheitsamtes alles beenden?Mit der Allianzgemeinschaft „verbunden“Nachdem mit der Corona-Pandemie klar war: Die jährlich stattfindende Allianzkonferenz mit im vorigen Jahr 2.000 Besuchern würde 2020 so nicht stattfinden, berieten wir uns als Leitung und im Konferenzausschuss und fragten nach Gottes Willen. Daraus wuchs der Entschluss, aus einer Kombination von Präsenzveranstaltungen in der historischen Konferenz-halle und Onlineangeboten für alle, die eben in diesem Jahr nur per Bildschirm mit der Allianzgemeinschaft verbunden sein würden, die etwas @ndere Allianzkonferenz entstehen zu lassen – mit dem passenden Titel „Verbunden“. Noch den Schreck vom Telefonat mit der Behörde in den Gliedern, kam der Gedanke „Was wäre, wenn wir das Infektionsrisiko reduzieren, durch Maskenpflicht im Veranstaltungsraum? Und da die Konferenzhalle sowieso nach drei Seiten groß-flächig zu öffnen ist, muss doch die gute Durchlüftungsmöglichkeit auch noch als Argument zählen?“ Noch in Gedanken, das Veranstaltungskonzept um diese Punkte zu ergänzen, machte ich eine Runde in alle Büros und bat die Mitarbeiter, ihre Arbeit zu unterbrechen, weil Gebet jetzt das Wichtigste sei, um nicht allein gegen die Behördenentscheidung dazustehen. Ob es nun die Stoßgebete an diesem Vormittag waren oder die spätere Gesprächsrunde mit den Behördenvertretern, die wir davon überzeugen konnten, ihre Entscheidung nicht endgültig werden zu lassen, bevor sie die Konferenzhalle und die Umsetzung unserer Corona-Maßnahmen selbst in Augenschein genommen hätten – wir wissen es nicht. Doch wir wissen, wo wir aufrichtig nach Gottes Willen fragen, dürfen wir auf Seine Hilfe vertrauen.Die etwas @ndere Allianzkonferenz hat stattgefunden und wir haben sehr viel Segen erlebt. Dankbar und bewegt blicken wir zurück. Die Hauptveranstaltungen waren gleichzeitig vor Ort und im Internet zu verfolgen. Mehr als 200 Besucher nahmen am Abschlussgottesdienst in der Halle teil. Die Angebote im Internet wurden rege genutzt, wir waren teilweise mit bis zu 2.000 Nutzern verbunden. „Auf diese Weise haben wir mehr Menschen erreicht als bei den vorigen Konferenzen“, sagte Christopher Dehn, der für das spezielle Online-Jugendprogramm Verantwortung trug. Die meisten Aufrufe im Internet hat-te ein Konzert der Outbreakband und das Theaterstück zur Gründerin der Konferenz „Anna von Weling – eine Frau mit Vi-sion“ am Eröffnungsabend. Die Hauptveranstaltungen wurden von verschiedenen Arbeitskreisen der Evangelischen Allianz – wie dem Arbeitskreis Soldaten, Frieden und Versöhnung, Frauen, Politik und PerspektivForum Behinderung – gestaltet und boten einen abwechslungsreichen Einblick in Vielfalt und Weite der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD). Die für 2020 eigentlich geplante 125. Jubiläumskonferenz soll nun, so Gott will, vom 28. Juli bis 1. August 2021 in Bad Blankenburg stattfinden. Sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, dabei?

Gabriele Fischer-Schlüter