06.03.2026
WEA-Generalsekretär Mansour: Iran-Krieg nicht endzeitlich deuten
Mansour warnt davor, den Iran‑Krieg endzeitlich zu deuten. Solche Deutungen seien gefährlich und friedenshemmend. Er ruft zu diplomatischen Lösungen auf und betont die Not iranischer Christen.
Der arabische Christ warnt vor nicht abschätzbaren Risiken
Deerfield (IDEA) – Der Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA/Deerfield im USBundesstaat Illinois), Botrus Mansour, hat davor gewarnt, den Krieg im Iran im Licht christlicher Endzeitvorstellungen auszulegen. Gegenüber der christlichen Internetplattform „Evangelical Focus“ bezeichnete der israelische Rechtsanwalt und Pastor jegliche Verknüpfung des Konflikts mit der Eschatologie als „höchst problematisch“. „Sie kann uns auch von anderen und von der edlen Botschaft des Friedensfürsten entfremden“, warnt er. Erst kürzlich sollen mehrere Kommandeure der US-Streitkräfte den Angriff auf den Iran als Teil eines göttlichen Plans dargestellt haben. Einer von ihnen hatte Medienberichten zufolge US-Präsident Donald Trump als von Jesus gesalbt bezeichnet, um das Armageddon auszulösen (LINK: https://www.idea.de/artikel/us-soldaten-iran-krieg-teil-eines-goettlichenplans). Die Nachricht vom Überraschungsangriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar (https://www.idea.de/artikel/israel-startet-ueberraschungsangriff-auf-den-iran) habe ihn während eines Besuchs bei evangelikalen Gemeindeleitern in Dubai erreicht, so Mansour. „Meine Reaktion und die vieler meiner Kollegen war Bestürzung, und die Frage kam auf: ‚Schon wieder?!‘“ Erst kürzlich habe man in Israel einen Krieg hinter sich gelassen, der großen Schaden angerichtet und „immenses Leid in der gesamten Region und insbesondere im Gazastreifen“ mit sich gebracht habe.
„Man weiß nie, wie ein Krieg endet“
Mansour bezeichnete das iranische Regime als „finster“. Aber es gebe viele ähnliche Regime in dieser gefallenen Welt. „Wer entscheidet, dass ein Regime ausgewechselt werden muss, und wer führt dies aus? Sollten das nicht die Vereinten Nationen (UN) sein?“ Zuvor gescheiterte Interventionen in anderen Ländern wie etwa Afghanistan und dem Irak hätten jeweils zu einer Verschlechterung der Lage geführt – auch für Christen. „Man weiß vielleicht, wie man einen Krieg beginnt, aber nie, wie er endet“, gab der Rechtsanwalt zu bedenken. Andere Länder würden hineingezogen und Interessen vermischt. Und sogar Verschiebungen in der Weltordnung könnten als Folge von Kriegen auftreten, warnte Mansour. Bevor man den Weg des Krieges beschreite, sollten alle anderen Mittel ausgeschöpft sein. „Aus biblischer Sicht rufen wir zum Frieden auf und möchten die Friedensbemühungen in der Region und darüber hinaus stärken.“
Iranische Christen sind Helden
Nach Ansicht Mansours verdienen alle Iraner, unabhängig von ihrem Glauben, Respekt und Unterstützung angesichts des erlittenen Leids in der Vergangenheit. Iranische Christen bezeichnete er als Helden, die angenommen und unterstützt werden sollten. Sie hätten einen immensen Preis dafür bezahlt, dass sie sich für Jesus einsetzen. Andere Christen sollten ihnen mitfühlend begegnen, ohne eine bestimmte Position gegenüber ihrem Heimatland einzunehmen. Botrus Mansour (Jahrgang 1965) wuchs in Nazareth, Jerusalem und Oxford auf und engagiert sich seit Jahrzehnten für Projekte, die Christen im Nahen Osten zusammenbringen. Seit dem 30. Oktober 2025 ist er Generalsekretär der WEA. Die WEA vertritt nach eigenen Angaben evangelikale Christen in 161 Ländern und versteht sich als weltweite Gemeinschaft zur Förderung von Einheit, Glaubensfreiheit und Mission.
Quelle: IDEA PRESSEDIENST vom 06. März 2026 (Nr. 046)