31.05.2019

Deutschland: Für „gerechten Frieden“ einsetzen

Friedenstheologe Enns - Mennonit bei Baptisten

Der mennonitische Theologe Prof. Fernando Enns auf der Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

Friedenstheologe Enns: Diese Lebenshaltung braucht eine tragfähige Spiritualität

Kassel (idea) – Die Friedensthematik ist das zentrale Merkmal des christlichen Glaubens. Davon ist der mennonitische Theologe Prof. Fernando Enns (Hamburg) überzeugt. Er sprach auf der Bundesratstagung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), die vom 29. Mai bis 1. Juni in Kassel stattfindet. Zur Begründung verwies er auf das Bibelwort: „Christus ist unser Friede“ (Epheser 2,14). Aufgabe von Christen sei es, sich für einen „gerechten Frieden“ einzusetzen. Dazu gehört nach seinen Worten, dass es allen Menschen möglich sein müsse, frei von Angst zu leben. Es gehe um Frieden in Gemeinschaften, zwischen den Völkern, in der Wirtschaft, mit der Erde und nicht zuletzt mit sich selbst. Wer das glaube, werde seinen Lebensstil verändern. So sei beispielsweise Hunger keine Naturkatastrophe, sondern menschengemacht. Wenn Menschen verhungerten, werde Gewalt ausgeübt. Nach den Worten von Enns ist gerechter Friede eine Lebenshaltung. Dazu gehöre eine tragfähige Spiritualität. Es reiche nicht aus, darüber Bücher zu schreiben oder Aktionen anzuregen.

Ein Besuch bei dem Volk der Karen

Enns berichtete von einem Besuch bei dem Volk der meist baptistischen Karen, die als Flüchtlinge und Staatenlose im Grenzgebiet zwischen Thailand und Myanmar leben. Sie seien vor der Militärgewalt in Myanmar geflohen. Er sei tief bewegt gewesen von der Art und Weise, wie diese Christen ihren Glauben lebten und an dem Gott des Friedens festhielten. Sie hätten Schulen und Hochschulen gegründet, um ihren Nachwuchs auszubilden. Kraft schöpften sie dafür aus dem Gebet. Unter ihnen sei die Überzeugung fest verankert, dass Gott sie nicht vergessen habe. Etwa 400.000 Karen leben als Flüchtlinge in Thailand. Enns bekleidet die Stiftungsprofessur „Theologie der Friedenskirchen“ an der Universität Hamburg und ist Professor für Theologie und Ethik an der Freien Universität Amsterdam. Er gehört zum Zentralausschuss des Weltkirchenrates. Ferner ist er stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland mit 54 Gemeinden und rund 5.700 Mitgliedern. Die durch Gewaltfreiheit und Feindesliebe bekannten Mennoniten sind nach dem friesischen Theologen Menno Simons (1496–1561) benannt.

„Brot für die Welt“-Sprecher: Lebensstil einschränken

In einer Podiumsdiskussion zum Thema „Inspiriert leben in der Gesellschaft“ plädierte der Entwicklungspolitische Beauftragte des Hilfswerks „Brot für die Welt“, Thilo Hoppe (Frankfurt/Oder), für ein Umdenken angesichts des Klimawandels. Die Politik müsse nicht nur ein Klimaschutzgesetz erlassen, sondern jeder sei aufgefordert, seinen Lebensstil einzuschränken: „Wir müssen unseren persönlichen ökologischen Fussabdruck senken und nicht jeden zweiten Tag Fleisch essen oder mit ‚Panzern’ (SUVs) durch die Städte fahren.“ Hoppe war von 2002 bis 2013 Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen.

„Glauben wir, dass Gott die Erde am Ende in die Tonne tritt?“

Die Koordinatorin der Micha-Initiative, Stefanie Linner (Berlin), sagte, dass Gott „Schönes mit der Erde vorhat“, weil es seine Schöpfung sei. Deshalb müssten auch Christen sich für ihre Bewahrung engagieren: „Oder glauben wir, dass Gott die Erde am Ende in die Tonne tritt?“ Sie räumte ein, dass in vielen Gemeinden andere Auffassungen vorherrschten. Manche glaubten nicht, dass der christliche Glaube auch etwas mit Umweltschutz zu tun habe, und fragten die Mitglieder der Micha-Initiative, ob sie auch wirklich Jesus liebten. Die Initiative engagiert sich gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit. Der Beauftragte am Sitz der Bundesregierung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), der Baptistenpastor Peter Jörgensen (Berlin), sagte, dass die Begleitung von Flüchtlingen gegenwärtig das vorherrschende Thema für ihn sei: „Wir müssen an der Seite der Menschen dafür kämpfen, dass sie so leben können wie wir.“ Christus wolle seine Anhänger genau dort haben. Die Diskussionsrunde wurde vom Politikbeauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz, dem Baptistenpastor Uwe Heimowski (Berlin/Gera), moderiert. Er appellierte an die Zuhörer, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen: „Wir tun das, weil wir von Jesus begeistert sind.“