18.03.2019

Führender Pietist in der DDR: Johannes Dreßler 94-jährig gestorben

„Gnadau Ost“ maßgeblich mitgeprägt – 2018 erschien sein Buch „90 plus“

Johannes Dreßler

Aue (idea) – Einer der führenden Repräsentanten des Pietismus in der einstigen DDR, Prediger Johannes Dreßler, ist am 12. März im Alter von 94 Jahren gestorben. Er war erst vor kurzem mit seiner Frau Ruth in ein Altenpflegeheim des Sächsischen Gemeinschafts-Diakonissenhauses Zion in Aue (Erzgebirge) gezogen. Dreßler hat die Gemeinschaftsbewegung in der DDR maßgeblich mitgeprägt. Dort war er von 1977 bis 1988 Sekretär des Evangelisch-Kirchlichen Gnadauer Gemeinschaftswerkes, das rund 40.000 Christen in 1.500 Landeskirchlichen Gemeinschaften umfasste. 1991 schlossen sich „Gnadau“ Ost und West zum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband zusammen. Präses Michael Diener und Generalsekretär Frank Spatz (beide Kassel) sowie ihre Vorgänger Christoph Morgner (Garbsen bei Hannover) und Theo Schneider (Wittenberg) drückten ihre Dankbarkeit und Wertschätzung für das Leben des Verstorbenen aus. Schneider schreibt in einem Nachruf, Dreßler habe sich besonders für das Miteinander mit Gnadau West engagiert sowie die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Verbänden und Werken gefördert. Außerdem habe er maßgeblich die Kontakte zu den skandinavischen pietistischen Bewegungen hergestellt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit seien Veröffentlichungen gewesen, etwa die Bibellese für Kinder „An ewigen Quellen“ und die Jugendbibellese „Lichtstrahlen“. Auch im Ruhestand habe Dreßler vielfältig in  der Gemeinschaftsbewegung gewirkt. 2006 erhielt der Theologe das Goldene Kronenkreuz der Diakonie. Damit wurde seine haupt- und ehrenamtliche Mitarbeit im evangelischen Krankenhaus „Gottesfriede“ (Woltersdorf bei Berlin) gewürdigt, wo er in der Seelsorge und Patientenbetreuung tätig war. 2018 erschienen seine Lebenserinnerungen in zwei Bänden unter dem Titel „90 plus“ (concepcion Seidel/Hammerbrücke). Der Trauergottesdienst und die Beisetzung werden am 19. März in Aue stattfinden. Dreßlers Sohn Matthias ist seit 1987 Inspektor des Sächsischen Gemeinschaftsverbandes. Der 65-Jährige wird im Sommer in den Ruhestand treten.