10.11.2012
Rolf Scheffbuch in Korntal im Alter von 81 Jahren gestorben
Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal trauert um Rolf Scheffbuch
Rolf Scheffbuch in Korntal im Alter von 81 Jahren gestorben
Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal trauert um Rolf Scheffbuch
Der ehemalige Prälat von Ulm und engagierte und streitbare Pietist ist am Samstag, 10. November in Korntal im Alter von 81 Jahren gestorben.
(Evangelische Brüdergemeinde Korntal/10.11.2012) – Rolf Scheffbuch ist tot. Der ehemalige Prälat von Ulm und Mitglied der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal verstarb im Alter von 81 Jahren in der Nacht zum 10. November in seiner Wohnung in Korntal. Rolf Scheffbuch hinterlässt seine Frau Sigrid sowie zwei Söhne und zwei Töchter. Die Nachricht von seinem Tod löste große Betroffenheit bei seinen Weggefährten und Verantwortlichen in der Evangelischen Brüdergemeinde aus, deren Mitglieder Rolf und Sigrid Scheffbuch seit dem Beginn ihres Ruhestands und der Übersiedlung nach Korntal 1995 waren. „Wir verlieren einen der größten Kenner und einen wirklichen Freund unserer Arbeit und der Idee der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal“, sagte Pfarrer Jochen Hägele in einer ersten Reaktion. Der Weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Klaus Andersen, hob die geistliche und geistige Dynamik von Scheffbuch hervor, die ihn bis zum letzten Tag ausgezeichnet habe. Der Rektor der Akademie für Weltmission Korntal (AWM), Traugott Hopp, sagte: „Ein Kirchenvater mit Welthorizont hat sich leise und still verabschiedet.“
Rolf Scheffbuch entstammt der berühmten württembergischen Pietisten-Familie Busch/Kullen. Er studierte Theologie und Philosophie in Tübingen, Bethel und Bonn, Theologie und Soziologie in den USA. Zehn Jahre war Rolf Scheffbuch Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg. Es folgten 14 Jahre als Dekan in Schorndorf und sechs Jahre bis zu seiner Pensionierung 1995 als Prälat in Ulm. Seitdem lebte er mit seiner Frau Sigrid in Korntal. Zudem gehörte er von 1965 bis 1989 der württembergischen Landessynode und ab 1973 der EKD-Synode an.. In den 80er und 90er Jahren leitete der Theologe den pietistischen Dachverband „Ludwig-Hofacker-Vereinigung“ mit Sitz in Korntal. Darüber hinaus setzte sich Rolf Scheffbuch für die Großevangelisation „ProChrist“ ein und war Vorsitzender des Europäischen Zweiges der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation.
„…dass Menschen Christen werden und es bleiben“
Für den am 25.01.1931 in Calw geborenen und in Stuttgart aufgewachsenen Theologen war das Evangelisieren – die „Glaubenswerbung“ – stets ein zentrales Anliegen. Mit dem Ruf zum Glauben an Jesus Christus alleine sei es allerdings nicht getan, so Scheffbuch. Vielmehr betonte er immer wieder die wichtige Aufgabe von christlichen Gemeinschaften, alles dafür zu tun, „dass Menschen Christen werden und auch Christen bleiben“.
Streitbarer Kirchenmann
Scheffbuch war ein kompromissloser, mutiger und streitbarer Verfechter eines bibelzentrierten Evangeliums sowie einer Jesus-zentrierten Kirche. In seinem 2007 erschienen Buch „Ich will keine Wetterfahne sein“ forderte er eine Kirche mit Konturen, die sich aus dem Nebel der Beliebigkeit deutlicher abzeichnen müsse als bisher. Immer wieder äußerte er sich mutig und prägnant auch in Predigten und öffentlichen Ansprachen zum Auftrag der Kirche und rief diese kritisch „zur Sache“: „Die Kirche ist nicht in erster Linie eine Moralanstalt, die den Supermarkt moralischer Möglichkeiten abzusegnen hat. Sie hat nicht Gewissen einzuschläfern, sondern sie zu wecken“, sagte Scheffbuch.
Ausgewiesener Pietismus-Kenner
In zahlreichen Publikationen leistete Rolf Scheffbuch wie kaum ein anderer Kirchenmann einen unschätzbaren Beitrag zum Verständnis des württembergischen Pietismus sowie zu Geschichte und Wirken der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Dabei beschäftigte er sich vor allem mit prägenden christlichen Persönlichkeiten, wie beispielsweise in seinem Buch „Große Entdecker und schwäbische Apostel“ (2010), in „Grafen und Fürsten im Dienst des höchsten Königs“ (2008) und in „Das heilige Korntal und die weite Welt“ (2006). Dabei war für Scheffbuch der Rückgriff auf die Kirchen- und Glaubensgeschichte kein Selbstzweck. Sein Anliegen war es vielmehr, den Beweggründen und Motiven früherer Generationen nachzuspüren, um den Schatz der Kirchengeschichte heutigen Christen zugänglich zu machen und damit einer drohenden Geschichtsvergessenheit in der Kirche vorzubeugen. Der Blick in die Geschichte bot für ihn, den bodenständigen Pietisten, die Möglichkeit, durch das Vorbild anderer Christen einerseits Glaubensmut für zukünftige Herausforderungen der Gemeinde zu gewinnen und sich andererseits neu zu erden, indem man aus den negativen Ereignissen der Vergangenheit die richtigen Lehren zieht.
Scheffbuch: „Korntal ist Gemeindemodell der Zukunft“
In Rolf Scheffbuch starb auch ein großer Kenner und Befürworter des Gemeindemodells der Korntaler Brüdergemeinde. Fasziniert war er von dem Gedanken, dass bewusste Christen eine selbstbestimmte und zum größten Teil selbstfinanzierte christliche Gemeinde bilden, die sich in Kirche und Gesellschaft mit ihren missionarischen und diakonischen Aktivitäten bemerkbar macht. Scheffbuch, der in seiner Korntaler Zeit und bis zu seinem letzten Lebenstag als gefragter Prediger, Redner und Führer von Besuchergruppen tätig war, begriff das „Modell Korntal“ als Chance für die Evangelische Kirche, den Glauben in Wort und Tat über Generationen hinweg lebendig zu halten. Stets verband er seine Ausführungen zu diesem Thema mit dem Wunsch, es sollten sich noch viele „Korntals“ im Raum der Evangelischen Landeskirche etablieren. „Rolf Scheffbuch verfügte über ein ungeheures Wissen über den Pietismus und die Evangelische Brüdergemeinde Korntal. Mit ihm verlieren wir einen der größten Kenner und wirklichen Freund unserer Arbeit und der Idee der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal“, so der Geistliche Vorsteher der Brüdergemeinde, Pfarrer Jochen Hägele.
„Jesus in Person ist Bergungsort“
Genauso, wie Rolf Scheffbuch für Korntal warb, genauso wehrte er sich auch gegen eine Überhöhung und eine fromme Verbrämung des Brüdergemeinde-Modells und wies auf menschliche Fehlentwicklungen und fromme Schwärmerei hin. In seiner letzten Predigt im Großen Saal der Brüdergemeinde am 14. Oktober dieses Jahres sagte er: „Jesus in Person ist ‚Bergungs-Ort‘, nicht Korntal. Wir wollen heute Jesus haben, wir wollen auch morgen Jesus erleben. Darum beten wir gerade als Glieder der so traditionsreichen Brüdergemeinde Korntal dringlich: ‚Ach bleib bei uns, Herr Jesus Christ!‘ Amen..“
Stimmen zum Tod von Rolf Scheffbuch:
Klaus Andersen: „Geistliche und geistige Dynamik“
„Die Gemeindemitglieder der Brüdergemeinde haben keinen ehemaligen Prälaten sondern einen persönlichen Seelsorger in Rolf Scheffbuch erlebt“, so beschreibt es Klaus Andersen, seit November 2011 Weltlicher Vorsteher der Brüdergemeinde. „Er war in seiner geistlichen und geistigen Dynamik für uns alle ein lebendiges Vorbild für einen Nachfolger Jesu. Dabei ging sein Blick immer von Korntal in die weite missionarische, kirchliche und kulturelle Welt. Er hat kaum eine wesentliche Situation ausgelassen, um sein geliebtes ‚heiliges Korntal‘ zu erklären und Missverständnisse bei diesem Thema aufzudecken. An Korntal war ihm wichtig, es nicht nur historisch zu fassen, sondern es als Wirkungsort seines Gottes zu sehen. Ich will bewusst weniger von einem Verlust reden, als vielmehr dankbar über das, was uns Jesus durch ihn geschenkt hat“, so Klaus Andersen weiter.
Jochen Hägele: „Glaubensmotivierender Bibelausleger“
Der Pfarrer der Brüdergemeinde, Jochen Hägele, beschreibt sein Verhältnis zu Rolf Scheffbuch von Pfarrer zu Pfarrer: „Seit zweieinhalb Jahren kannte ich Rolf aus großer Nähe. Er ist mir in dieser Zeit zum geistlichen Bruder, Wegbegleiter und Berater geworden. Für keinen Dienst war sich der Prälat i.R. – dem dieser Titel so gar nicht wichtig war – zu schade: Ob mit über 80 Jahren als großartiger „Erzähler“ in packenden Andachten in der Jugendhilfe unserer Diakonie, ob in seinen tiefgründigen Bibelstunden und natürlich als glaubensmotivierender Bibelausleger im Gottesdienst. Ich bin Rolf Scheffbuch dankbar für viele Impulse, noch mehr Ermutigung und vor allem seine missionarische Verkündigung, die mir als Pfarrer oft Wegweisung war.“
Dieter Messner: „Seine Lebensmelodie“
Auch Dieter Messner, bis zum Jahr 2011 Weltlicher Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde und enger Weggefährte der Familie Scheffbuch, zeigte sich tief bewegt. Beeindruckend für ihn sei der stete Ruf von Rolf Scheffbuch zum „einfachen Evangelium von Jesus Christus“ gewesen. „Das Entscheidende, was mit Jesus in die Welt gekommen ist, besteht darin: Christ der Retter ist da! Das ist Wahrheit. Das sollte viel eindeutiger zu hören sein“, zitierte Messner den Verstorbenen. „Dieser Ruf war seine Lebensmelodie. Bis zuletzt hat er sie in vielfältiger Weise gelebt. Für die Brüdergemeinde und für ganz Korntal und weit darüber hinaus ist Rolf Scheffbuch ein bleibender Segen“, sagte Dieter Messner.
Michael Wanner: „Humor, Wissen, Sensibilität“
Der ehemalige Geistliche Vorsteher und heutige Pfarrer von Hohenhaslach, Michael Wanner, fasste sein langjähriges persönliches Verhältnis zu Rolf Scheffbuch mit den Worten zusammen: „Er war mir ein spontaner Helfer, ein kluger Berater und ein väterlicher Freund.“ Michael Wanner weiter: „Ich schätzte an Rolf Scheffbuch sein großes Wissen, seinen Humor
und sein sensibles Erfassen von persönlichen Lebenssituationen. Beeindruckt hat mich, wie er seit seiner Krebserkrankung vor einigen Jahren ganz bewusst sein Leben vor dem Horizont der Ewigkeit führte.“
Traugott Hopp: „Ein Kirchenvater mit Welthorizont hat sich leise und still verabschiedet.“
Traugott Hopp, Rektor der mit der Evangelischen Brüdergemeinde verbundenen Akademie für Weltmission (AWM) in Korntal, sagte: „Rolf Scheffbuch war nicht nur ein exzellenter Kenner der evangelischen Weltmission. Er war ein leidenschaftlicher Vertreter eines weltmissionarischen Anliegens – nicht nur in seiner württembergischen Kirche, sondern darüber hinaus. Mutig und konsequent sprach er sich für Mission aus – „um Gottes Willen – den Menschen zu Liebe“ (so lautete das Motto einer EKD-Kampagne für Mission 2010). Durch seine Führungsrolle in der Lausanner Bewegung und der weltweiten evangelischen Allianz pflegte er bis zuletzt ein weitreichendes internationales Kontaktnetz. Die nachfolgende Generation ermutigte er beständig. Er vermittelte die Missionsgeschichte anschaulich, mit humorvollen und gekonnten Bezügen zur Gegenwart. Immer spürbar war sein Wunsch, dass auch heute noch die gute Nachricht, das Evangelium, weltweit glaubhaft bezeugt wird. Ein Kirchenvater mit Welthorizont hat sich leise und still verabschiedet.“
Hartmut Steeb würdigt Rolf Scheffbuch:
"Prälat i.R. Rolf Scheffbuch hat in der vergangenen Nacht seinen irdischen Lauf vollendet. Als Deutsche Evangelische Allianz schauen wir dankbar zurück auf die Gemeinschaft mit ihm, sein Leben und seinen Dienst für die gesamte Evangelikale Bewegung in Deutschland, Europa und weltweit.
Gerade in den letzten Wochen, wo die Konturen für einen Christustag 2014 im Stuttgarter Stadion entstehen, denke ich persönlich sehr, sehr dankbar zurück auf die Gemeindetage unter dem Wort in Stuttgart. Schon 1974/75 durfte ich an der Seite dieses hochbegabten und genialen Leiters den 1. Gemeindetag in Stuttgart vorbereiten. "Wer Jesus hat, hat das Leben", war das Motto. Er hatte es und kann es jetzt ganz erfassen in Gottes großer Ewigkeit.
Als Mitvorsitzender der Lausanner Bewegung in Deutschland danke ich für den Missionsmann mit weltweitem Blick, der auch viele Jahre diese Bewegung entscheidend mitgeprägt hat, auch als Vorsitzender der Europäischen Lausanner Bewegung.
Und ich denke dankbar zurück, dass er nach dem ersten ProChrist mit Dr. Billy Graham und der Berufung von Ulrich Parzany zum ProChrist-Evangelisten in vielen Jahren das deutsche ProChrist geleitet und mit geprägt hat.
Wir danken dem lebendigen Gott, dass er ihn uns mit seiner reichen Begabung geschenkt hat."
Der Trauergottesdienst zur Beisetzung von Prälat i.R. Rolf Scheffbuch findet am kommenden Freitag, 16. November um 14 Uhr im Großen Saal der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal am Saalplatz statt.
