31.10.2011

Missionswerk: Neustart nach Führungskrise

„To All Nations“ verteilt Verantwortung auf mehrere Schultern

Missionswerk: Neustart nach Führungskrise

„To All Nations“ verteilt Verantwortung auf mehrere Schultern

Bornheim (idea) – Das Missionswerk „To All Nations“ (Bornheim bei Bonn) hat einen neuen Vorstand und ein Leitungsteam berufen. Notwendig wurden diese Veränderungen durch die Finanzaffäre um Paul Traxel (Bornheim), der bis Ende 2010 Vorsitzender des Missionswerks war. Mit seiner inzwischen zahlungsunfähigen Firma TXL Business Academy hatte Traxel 2009 und 2010 Darlehen in Höhe von insgesamt rund 15 Millionen Euro von meist russlanddeutschen Baptisten eingesammelt – verbunden mit Zusagen, dadurch hohe Gewinne erhalten zu können. Das Geld investierte er in den Devisenhandel und wollte durch die Ausnutzung von Währungskursschwankungen Gewinne für die Mission erwirtschaften. Der Versuch scheiterte, und das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Im Zusammenhang mit dieser Affäre war im Juli der Missionsleiter von „To all Nations“, Wilhelm Daiker, zurückgetreten. Kritiker warfen ihm vor, er sei mit Provisions- und Gehaltszahlungen für das Anwerben neuer Darlehensgeber entlohnt worden. Neue Strukturen sollen nun für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen. Sie wurden den Freunden des Werks auf einer Missionskonferenz mit über 2.000 Teilnehmern am 30. Oktober in Minden vorgestellt.

Leitungsteam statt Missionsleiter

So erhöht sich die Zahl der Vereinsmitglieder von 8 auf 19. Sie wurden von 19 Gemeinden entsandt, die dem Missionswerk besonders nahestehen. Den Vorstand bilden 8 Personen. Den Vorsitz übernahm Pastor Andreas Peters (Porta Westfalica). An die Stelle des Missionsleiters ist ein dreiköpfiges Leitungsteam getreten. „Damit wollen wir verhindern, dass zu viel Verantwortung auf eine Person zuläuft“, sagte Peters gegenüber idea. In dem Team sind Jakob Tissen (Porta Westfalica) für die Mitarbeiter, Peter Wiebe (Lemgo) für die Auslandsprojekte und Waldemar Harder (Bonn) für die Inlandsmission verantwortlich. Laut Peters hat das Werk trotz der Affäre um seinen ehemaligen Vorsitzenden kaum einen Spendenrückgang erlebt und kann seine Arbeit fast im bisherigen Umfang fortsetzen: „Wir haben zahlreiche Gespräche mit unseren Unterstützern geführt. Bei vielen genießen wir großes Vertrauen. Einige sagen: ‚Wir brauchen noch Zeit’.“ In diesem Jahr seien ein Missionsehepaar zurückgerufen und zwei Verwaltungsmitarbeiter entlassen worden. Das Leitungsteam widme sich nun zuerst einer Bestandsaufnahme der über 70 Projekte auf 4 Kontinenten, um dann über neue Schwerpunkte entscheiden zu können.

Durch Kurzzeiteinsätze neue Missionare gewinnen

„To All Nations“ entstand Anfang 2010 durch den Zusammenschluss von „LOGOS international“ und dem „Internationalen Centrum für Weltmission“. 80 deutsche Missionare sind gemeinsam mit 300 einheimischen Mitarbeitern in 23 Ländern tätig. Schwerpunkte liegen auf Evangelisation und Gemeindegründung, dem Aufbau von Kinderheimen und Kindertagesstätten sowie auf Kurzeit-Missionseinsätzen für junge Menschen. Peters: „Viele Teilnehmer dieser Einsätze lassen sich später als Missionare aussenden.“ In der Inlandsmission sind weitere 20 Mitarbeiter tätig, die etwa 50 Gemeindegründungsprojekte unterstützen. Das Werk gehört zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM).