08.04.2010

Andrea Schmidt: Sucht fällt nicht vom Himmel

GemeindeFerienFestival Spring: Seminar über Umgang mit suchtkranken Menschen

Andrea Schmidt: Sucht fällt nicht vom Himmel

GemeindeFerienFestival Spring: Seminar über Umgang mit suchtkranken Menschen

(Willingen) In einem Seminar hat Andrea Schmidt (Ennepetal), Bildungsreferentin beim Blauen Kreuz in Deutschland (Wuppertal), im Rahmen des „GemeindeFerienFestival Spring“ über den Umgang mit suchtkranken Menschen referiert. Hilfe anzubieten braucht dabei einen langen Atem. 

„Am Anfang steht der normale Gebrauch eines Suchtmittels – es ist der Genuss“, sagte Andrea Schmidt. Doch aus dem Genuss können schnell andere Motive entstehen, die beispielsweise trösten oder aufmuntern. „Das ist der erste Schritt in die Abhängigkeit. Es wird kontrollierter, gezielter und häufiger angewendet“, sagte sie. Der Prozess in die Abhängigkeit ist schleichend und der Betroffene selbst nimmt das nicht wahr. Spricht man ihn auf eine Veränderung an, streitet derjenige alles ab. 

„Das Suchtmittel bietet sich für den Betroffenen an, mit seinen Problemen klar zu kommen.“ Das bedeutet für die Bildungsreferentin aber nicht, dass es Menschen sind die nicht nach etwas streben: „Menschen werden süchtig, weil sie auf der Suche sind nach Glück. Dabei haben sie zu einem falschen Mittel gegriffen.“ Eine Sucht ist für Außenstehende meist nicht erkennbar: „Eine Abhängigkeit wird oft verschwiegen und eine heile Welt vorgespielt.“, stellte Schmidt fest. 

„In Familien leiden darunter nicht nur der Partner, sondern auch die Kinder. Ihnen wird eingetrichtert das familiäre Problem nicht nach außen zu tragen – das ist ein eisernes Gesetz.“ Abhängig zu werden kann jedem passieren: „Auch Christen können suchtkrank werden. Das hat aber nichts damit zu tun, dass jemand falsch glaubt“, sagte sie und stellt fest: „Ich bin erschreckt, wie viele Gemeinden das Thema Sucht tabuisieren.“ 

Will man den betroffenen Helfen braucht man einen „langen Atem“, erklärte die Bildungsreferentin. „Oft vergehen Jahre und ein persönlicher Tiefpunkt des Betroffenen muss eintreffen, bis er Hilfe zulässt.“ Aus  seelsorgerischer Sicht müsse man den ganzen Menschen sehen: „Man darf ihn nicht nur auf das Problem reduzieren“, erklärte sie. Dazu gehöre auch, sich auf die Lebensgeschichte eines Menschen einzulassen. Bei der partnerschaftlichen Haltung sei es wichtig „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu geben und den Betroffenen zu einer eigenen Entscheidung zu ermutigen.  

Doch was sind konkrete Schritte? „Als ersten Schritt kann man in seiner eigenen Umgebung schauen, ob bei manchen der Gebrauch von Suchtmitteln über den Genuss hinaus geht“, sagte Schmidt. „Bei Auffälligkeiten, ist es wichtig das Tabu zu brechen und den Betroffenen vorsichtig, konkret und liebevoll auf das Problem anzusprechen.“ Dabei sollte der Betroffene jedoch nicht anklagend gegen die Wand gestellt werden. Hilfe anzubieten, bei dem der Betroffene selbst aktiv wird, sei wertvoll. „Damit kann man dem Betroffenen den Rücken stärken, für sein eigenes Verhalten“, sagte die Bildungsreferentin und rät auf keinen Fall dem Betroffenen die Verantwortung oder gar Probleme abzunehmen: „Übernehmen Sie niemals die Dinge, die der Betroffene alleine tun kann.“ 

Als größte Chance empfindet Schmidt den Glauben. „Gerade wir Christen können in dem Bewusstsein helfen, dass wir die größte Kraft an unsere Seite haben die es gibt“, und ermutigte „für den Betroffenen zu beten. Gott hat noch ganz andere Mittel, Wege und Möglichkeiten als wir uns vorstellen können.“