01.08.2007
Bischof kritisiert Individualisierungstrends innerhalb der Kirche
Bohl: Jede Trennung schwächt den Leib Christi
Bischof kritisiert Individualisierungstrends innerhalb der Kirche
Bohl: Jede Trennung schwächt den Leib Christi
B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Kritik an einem Trend zur Individualisierung innerhalb der Kirche hat der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens, Jochen Bohl (Dresden), geübt. Menschen träten aus ihrer Gemeinde aus, weil ihnen das eine oder andere nicht gefalle. Dabei dächten sie häufig nur an sich, nicht aber an die Gemeinschaft, so Bohl. „Aber jede Trennung schwächt den Leib Christi.“ Vorbild könne der Prophet Nehemia sein, der sich als Teil der Gemeinschaft verstanden habe und sich für diese eingesetzt habe, sagte Bohl in einer Bibelarbeit am 2. August bei der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg. Ihm sei das Ergehen seines Volkes nicht egal gewesen und er habe sich persönlich für seine Geschwister eingesetzt. „Nehemia steht für Verantwortungsbewusstsein, nicht für Selbstverwirklichung.“ Der heutige Zeitgeist hingegen stärke den Einzelnen auf Kosten der Gemeinschaft. Hier sei eine Rückbesinnung auf das Wesen des Christentums als Gemeinschaftsreligion notwendig.
Gebet und Stille Zeit pflegen
Kritisch äußerte sich Bohl auch zu einem verbreiteten Effizienzdenken in christlichen Kreisen. „Wir haben alle so viel zu tun, dass das geistliche Leben vielfach dahinter zurücktritt oder ganz verkümmert.“ Der Bischof ermutigte die rund 1.800 Zuhörer aber, das Gebet und die Stille Zeit zu pflegen und dafür Freiräume zu schaffen. Eine gesunde Beziehung zu Gott sei die Grundlage für alles andere. Erfreut zeigte sich Bohl darüber, dass immer mehr Menschen bereit seien, sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden zu engagieren. In der sächsischen Landeskirche sei deren Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.