19.05.2006

Neuer Versuch: Forscher plaedieren fuer Aenderung des Stammzellgesetzes

Muenster (ALfA). Fuehrende Stammzellforscher haben bei der 3. Internationalen Tagung des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW in Muenster erneut eine Aenderung der Stichtagsregelung fuer den Import embryonaler Stammzellen gefordert. Dies berichtete das Deutsche Aerzteblatt und die Aerzte Zeitung in den Online-Ausgaben vom 15. bzw. 17. Mai.

So sei nach Ansicht von Professor Rudolf Jaenisch vom Whitehead-Institut in Boston die Forschung an drei bis vier Jahre alten menschlichen embryonalen Stammzellen „eine gefaehrliche Beschraenkung“, da solche Stammzellen von ihren Chromosomen her bereits nicht mehr normal seien, schreibt das Aerzteblatt. Nach dem deutschen Stammzellgesetz vom 28. Juni 2002, duerfen Forscher in der Bundesrepublik nur menschliche embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden. Auch die Herstellung eigener embryonaler Stammzelllinien ist untersagt. Mit diesem nach langen Debatten gefunden Kompromiss sollte verhindert werden, dass weitere Embryonen fuer die Forschung getoetet werden.

Auch Professor Hans Schoeler, Direktor am Max-Planck-Institut fuer molekulare Biomedizin in Muenster und Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetzwerkes Stammzellforschung NRW plaedierte einem Bericht in der „Welt“ vom 16. Mai zufolge fuer groessere Freiheiten bei der Forschung mit adulten und embryonalen Stammzellen, da es hier um Grundlagenforschung gehe. So koennte es seinen Aussagen nach mit neuen Methoden zukuenftig gelingen, menschliche Stammzellen herzustellen, ohne dafuer entwicklungsfaehige Embryonen zu toeten. "Wenn man embryonale Stammzellen hier nicht erforscht, dann wird man spaeter in Deutschland nur die Erkenntnisse aus anderen Laendern anwenden", zitierte sie Schoeler.

Der Forderung der Wissenschaftler schloss sich dem Deutschen Aerzteblatt zufolge auch der nordrhein-westfaelische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart, FDP, an. Auch er plaedierte fuer eine Aenderung der Stichtagsregelung, da seiner Ansicht nach die derzeitige Regelung „keine hinreichende Rechtssicherheit fuer Forscher, die sich an europaeischen und internationalen Kooperationen beteiligen wollen“, biete. Eine Aenderung untergrabe sicher nicht die Intention des Stammzellgesetzes, so der Minister.

An der zweitaegigen Veranstaltung vom 15. bis 16. Mai nahmen nach Angaben der Veranstalter ca. 650 Wissenschaftler und Stammzellspezialisten aus aller Welt teil.

 


Weitere Informationen:

Stammzellforscher aus aller Welt debattieren ueber naturwissenschaftliche, ethische und rechtliche Fragen 3. Internationales Meeting des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW in Muenster Wie weit darf die Stammzellforschung bei der Entwicklung neuer Therapien gehen, und ab wann sind ihr Grenzen gesetzt?
PRESSEMITTEILUNG Ministerium fuer Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRW 15.05.06

idw-online.de/pages/de/news159401

Stammzellforscher fordern Aenderung der Stichtagsregelung Muenster - Eine Aenderung der gesetzlichen Stichtagsregelung fuer die Embryonenforschung haben fuehrende Stammzellforscher gefordert.


DEUTSCHES AERZTEBLATT 15.05.06

www.Aerzteblatt.de/v4/news/news.asp

Der dritte Weg


Alternative Stammzellgewinnung koennte ethische Bedenken ausraeumen Von Michael Lange Medizin. - Seit der Faelschungsaffaere um den Stammzellforscher Hwang steht die Wissenschaftsszene rund um die vielseitigen Zellen unter dem Schock der Kritik. Einen Ausweg koennten adulte Stammzellen darstellen, doch sie sind nicht einfach zu handhaben. Jetzt setzen Experten auf eine dritte Moeglichkeit.
DEUTSCHLANDFUNK 16.05.06

www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/501355/

Laehmung der Stammzellenforschung nach Betrugsskandal ist beendet Fuehrender Experte fordert mehr Grundlagen-Arbeiten Muenster - Vier Monate nach dem Betrugsskandal um den koreanischen Klonforscher Hwang Woo Suk sind deutsche Stammzellenforscher neu motiviert.


DIE WELT 16.05.06

www.welt.de/data/2006/05/16/887551.html

Nach dem Hwang-Schock


Wie laesst sich Betrug in der Wissenschaft vermeiden? Stammzellenforscher haben dazu eine Menge Ideen Anne Bruening Als man im nordrhein-westfaelischen Kompetenznetzwerk fuer Stammzellforschung vor einem Jahr mit der Tagungsplanung begann, war der Suedkoreaner Woo Suk Hwang ein Star in der Branche.
BERLINER ZEITUNG 17.05.06

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0517/wissenschaft/0003/index.html