02.05.2006

Was gemeinsam möglich ist

Zum Verhältnis von Pfingstbewegung und Evangelischer Allianz<br />

Was gemeinsam möglich ist

Zum Verhältnis von Pfingstbewegung und Evangelischer Allianz

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Peter Strauch, hat für die Nachrichtenagentur idea aus Anlass des 100 jährigen Bestehens der Pfingstbewegung Stellung zum Verhältnis von Evangelischer Allianz und Pfingstbewegung genommen. Wir dokumentieren diesen Beitrag im folgenden.
Peter Strauch
Vor 100 Jahren nahm in Los Angeles die weltweite Pfingstbewegung ihren Anfang, worüber ideaSpektrum in der letztwöchigen und in dieser Ausgabe berichtet. Kaum eine Beziehungsgeschichte im Reich Gottes ist so belastet, wie die zwischen Evangelikalen und Pfingstlern bzw. den ihnen nahestehenden Charismatikern. Für manche geht es dabei um eine tiefgreifende Wahrheitsfrage, die keinesfalls auf ein Beziehungsproblem reduziert werden darf. Trotzdem bleibe ich bei dieser Bezeichnung und möchte drei Punkte nennen, die nach meiner Erfahrung für ein besseres Verhältnis zwischen Pfingstgemeinden und Evangelischer Allianz besonders wichtig sind. Grundlegend sind dabei nicht Harmonisierungsversuche, sondern ein von der Bibel geprägter Umgangsstil.

Wie in einer Familie

1. Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen, gehören untrennbar zusammen. Das gilt auch für charismatisch und evangelikal geprägte Christen. Wer Christ ist, entscheidet sich weder an unseren theologischen Erkenntnissen noch Erfahrungen, mögen sie auch noch so verschieden sein. Die Bibel ist hier eindeutig, und die Konsequenzen sind klar: Wie in einer natürlichen Familie Geschwister untrennbar zusammengehören, so ist es auch im geistlichen Bereich. Getrennte Wege zwischen Christen sind niemals gottgewollt, mögen sie auch noch so fromm begründet werden. Geistliche Brüder und Schwestern, die sich aus dem Weg gehen und jegliche Kontakte meiden, haben kein Recht, sich dabei auf die Bibel zu berufen.

Einheit und Unterschiede

2. Die Qualität familiärer Beziehungen macht sich nicht an gemeinsamen Erkenntnissen, Ansichten und Gewohnheiten fest, die können auch in den besten Familien durchaus verschieden sein. Aber genau hier liegen zwischen Evangelikalen und Charismatikern die meisten Spannungsfelder. In der Christologie (Lehre von Christus) sind wir uns weitgehend einig, in der Pneumatologie (Lehre vom Heiligen Geist) dagegen nicht. Dabei vergessen wir meist, daß es ja nicht unser Ziel ist, eine gemeinsame Kirche zu gründen, die wäre auch unter traditionell Evangelikalen kaum denkbar, zwischen ihnen liegen die Unterschiede meist in der Ekklesiologie (Lehre von der Gemeinde). Aber die Evangelische Allianz will eben keine große Kirche, sondern eine Gemeinschaft von Christusgläubigen sein. Als Einheitsmerkmal reicht das reformatorische Bekenntnis völlig aus (allein die Schrift, allein Christus, allein seine Gnade und der Glaube an ihn). Die biblischen Voraussetzungen, zum Volk Gottes zu gehören, müssen auch für uns die einzigen Voraussetzungen sein. Darüber hinaus mögen persönliche Erkenntnisse vor allem für das Leben in einer Kirche oder Gemeinde zwar wichtig sein, aber die Frage der Einheit des Volkes Gottes entscheidet sich nicht daran.

Gemeinsam beten und handeln

3. Wer anderen begegnet, muß sich von falschen Bildern trennen. Es ist erstaunlich, wie gut wir Bewegungen und Kirchen zu kennen meinen, solange wir ihnen nicht begegnet sind. Bereitwillig nehmen wir auf, was andere darüber sagen und schreiben, ihre Meinung malt in uns ein Bild, das sich nur noch schwer korrigieren läßt. Wer dagegen auf den anderen hört, mit ihm redet und betet, verliert nicht nur das Bild, das er sich von ihm gemacht hat, auch er selbst verändert sich. Unbiblische und sektenhafte Verzerrungen des Evangeliums sind ja oft „nur“ die Folgen einer isolierten Frömmigkeit.

Fazit:

Lassen Sie uns auf der Grundlage der Familienzugehörigkeit Gottes als charismatische und evangelikale Christen miteinander beten, reden und handeln. Dabei müssen wir unsere persönlichen Erkenntnisse und Überzeugungen weder geringschätzen noch verleugnen, aber sie werden nicht mehr der Maßstab der Beurteilung unserer charismatischen bzw. evangelikalen Brüder und Schwestern sein.