12.03.2006

Evangelisation per Satellit begeistert zunehmend das Ausland

ProChrist-Hauptredner Parzany über Anmeldezahlen und ökumenische Probleme<br />

Evangelisation per Satellit begeistert zunehmend das Ausland

ProChrist-Hauptredner Parzany über Anmeldezahlen und ökumenische Probleme

 

Am 19. März geht's los: An 1.250 Übertragungsorten wird die Evangelisation ProChrist europaweit acht Abende lang von der Münchener Olympiahalle aus per Satellit zu sehen sein. Hauptredner Ulrich Parzany (Kassel) erklärt im Gespräch mit idea-Reporter Marcus Mockler, wie er sich auf sein multikulturelles Publikum vorbereitet, wie die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche läuft und warum nach ProChrist 2006 noch lange nicht Schluß ist.

 

idea: Herr Parzany, nun beginnt zum sechsten Mal ProChrist, zum fünften Mal mit Ihnen als Hauptredner? Ist schon alles Routine?

Parzany: Überhaupt nicht. Die Vorbereitungen lassen mich eher zittern. Die Frage ist: Gebraucht Gott das, was man sagt, damit es ein Wort der Hilfe und der Rettung für die Menschen ist? Das steht überhaupt nicht in unserer Verfügungsgewalt. Jesus hat zwar versprochen: „Wer euch hört, der hört mich.“ Aber man spürt auch die Unzulänglichkeiten in der eigenen Person, mit einem solchen Auftrag umzugehen.

idea: Was unterscheidet ProChrist 2006 von früheren Veranstaltungen?

Parzany: Zum Beispiel der Veranstaltungsort München. Die Olympiahalle ist mit 8.000 Plätzen größer als alle Veranstaltungsorte zuvor. Das ist eine ganz schöne Herausforderung. Etwas Besonderes ist aber auch die seit zehn Monaten laufende Kampagne „ProChrist mobil“ mit den Smart-Autos als „kleinste Kirche der Welt“. Die Piloten waren begeistert, die Reaktionen in den Medien hervorragend. Ich bin gespannt, wie sich das auf den Besuch auswirken wird. Diese Öffentlichkeit gibt ja vielen Christen die Chance, andere zu den Abenden einzuladen.
Debatten nur um Geschmacksfragen

idea: Was ändert sich an den Abenden selbst?

Parzany: Wir haben das Programm noch vielgestaltiger gemacht als früher. Bei der Musik sind die Geschmäcker doch sehr verschieden, deshalb wird es pro Abend nicht nur einen einzigen Musikstil geben. Auf diese Weise wollen wir mehr Leuten gerecht werden. Was mich dabei freut: Die Inhalte von ProChrist sind nicht kontrovers, sondern nur die kulturellen Elemente, die Geschmacksfragen.

idea: Heißt das: Der „Ruf nach vorne“ am Ende der Predigt, bei dem die Gäste eingeladen werden, durch den Gang zur Bühne öffentlich zu machen, daß sie als Christen leben wollen, löst keine Debatten mehr aus?

Parzany: Überhaupt keine. Die Erkenntnis, daß man zu seinem Glauben auch öffentlich stehen muß, setzt sich durch. In Landes- und Freikirchen gibt es ja eine lange Tradition, daß zum Glauben ein öffentliches Bekenntnis gehört. Denken Sie an die Konfirmation, wo die jungen Leute vor der Gemeinde ein Bekenntnis ablegen. ProChrist bietet eine zusätzliche Möglichkeit zum Bekenntnis an.

Kritik von katholischer Seite

idea: Die ökumenische Zusammenarbeit läuft noch nicht gut. Im Amtsblatt der katholischen Diözese München-Freising stand zum Jahresbeginn ein äußerst kritischer Artikel über ProChrist. Der Evangelisation wird vor allem ein falscher Kirchenbegriff vorgeworfen. Der Ruf in die Nachfolge Jesu Christi sei nie ohne konkreten Bezug zur (katholischen) Kirche möglich. Fühlen Sie sich durch so etwas getroffen?


Parzany: ProChrist lädt alle Menschen unabhängig von ihrer Kirchenmitgliedschaft ein. Die jüngste EKD-Mitgliederstudie hat herausgefunden, daß etwa die Hälfte der Kirchenmitglieder von sich sagt, daß sie inhaltlich mit dem Glauben nicht viel zu tun hat und auch keine besondere Bindung zu ihrer Kirche empfindet. Bei der katholischen Kirche dürften die Ergebnisse nicht so viel anders aussehen. Die Menschen brauchen zuerst gute Informationen über Jesus, um entscheiden zu können, ob sie ihm folgen wollen oder nicht. Wer an Christus glaubt, gehört zu seiner Kirche und braucht eine konkrete Gemeinde. Es gibt kein Christsein ohne Gemeinschaft. Ich bin allerdings der Überzeugung, daß die eine weltweite Kirche des Jesus Christus in den verschiedenen verfaßten Kirchen und Gemeinden Gestalt findet und nicht nur in einer.

idea: Gibt es denn überhaupt einen katholischen Bischof in Deutschland, der offiziell ProChrist unterstützt?

Parzany: Die Entscheidung, ob man bei ProChrist mitmacht, fällt nicht ganz oben in der Hierarchie, sondern an der Basis der Kirchengemeinden. Über eine Beurteilung durch die deutschen katholischen Bischöfe ist mir nichts bekannt. In Österreich hat sich Kardinal Schönborn aus Wien für ProChrist stark gemacht – und der katholische Erzbischof von Eger in Ungarn gehört sogar zum Vorstand der ungarischen ProChrist-Aktion.

Neu dabei: Portugal, Slowenien, Niederlande

idea: Wie viele Übertragungsorte gibt es diesmal?

Parzany: 1.250. Das sind fast so viele wie die 1.300 bei ProChrist 2003 – und es hat eine Ausweitung im Ausland gegeben. Letztes Mal haben wir in 17 andere Länder gesendet, diesmal in 20. Slowenien, Portugal und die Niederlande sind neu dabei. In Deutschland haben wir die Anmeldemöglichkeit für Gemeinden übrigens Anfang Januar beendet.

idea: Warum so früh? Es könnte doch jetzt noch ein Hauskreis aufspringen und eine „Wohnzimmer-Evangelisation“ mit Ihnen veranstalten wollen.


Parzany: Darin sehen wir keinen Sinn. Solche Gruppen wären nicht ausreichend vorbereitet. Sie müßten zum Beispiel im Anschluß an die ProChrist-Woche etwas anbieten können, etwa einen Gesprächskreis. Wir möchten, daß durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist Kinder Gottes geboren werden – aber wir möchten auch der „Kindersterblichkeit“ wehren. Deshalb muß es in den Gemeinden eine angemessene Nachsorge geben.

idea: Wie stark engagieren sich die Schweizer?

Parzany: Aus verschiedenen Gründen ist es dort dieses Jahr geringer. Die Menschen, die es bislang vorangetrieben haben, waren durch andere Aufgaben so belastet, daß sie sich nicht auch noch für ProChrist einsetzen konnten. Elf Übertragungsorte nehmen teil.

Etat von 9,5 Millionen Euro

idea: Wie sieht's diesmal mit den Finanzen aus?

Parzany: Wir haben einen Zweijahreshaushalt gemacht, der die Kosten an den Veranstaltungsorten, für den Satelliten, für die Olympiahalle sowie die Kampagne mit den Smarts umfaßt. Der liegt insgesamt bei 9,5 Millionen Euro. Die Höhe der Summe relativiert sich, wenn man sie durch 3.000 bis 4.000 veranstaltende Gemeinden teilt. Dann ist das vor Ort sehr günstig – denn wenn man eine ProChrist-Woche alleine organisieren wollte, müßte man natürlich sehr viel mehr investieren. Jedenfalls bin ich immer wieder dankbar, wie groß die Opferbereitschaft der Christen ist, die das Ganze durch Spenden finanzieren.

idea: Was bedeutet diese Evangelisation für das europäische Ausland? Wo wächst die Nachfrage?

Parzany: Am deutlichsten ist das Wachstum in Tschechien – dem säkularsten Land der EU. Letztes Mal hatten wir dort rund zehn Orte, dieses Mal 49. Ungarn (56), Polen (45), Slowakei (55), Kroatien (31), auch Österreich (29) sind sehr gut dabei. In Serbien haben wir 19 Übertragungsorte, Slowenien macht erstmals mit. Interessanterweise haben sich zum ersten Mal auch Gemeinden aus den protestantischen Niederlanden angemeldet. Das hat mich überrascht, weil die ja eigentlich selbst starke evangelistische Kräfte haben.
Dicht an der Bibel, dicht am Menschen

idea: Paßt eigentlich eine einzige Predigt von Ulrich Parzany angesichts der kulturellen Unterschiede für so unterschiedliche Länder wie Holland und Serbien?

Parzany: In der Vorbereitung hat mir geholfen, daß ich in den meisten dieser Länder zu Vorträgen eingeladen war und die Menschen vor Ort kennenlernen konnte. Die Herausforderung, etwas zu predigen, was Hörern in allen Ländern etwas bedeutet, bewältigen wir durch eine enge Abstimmung mit den Übersetzern, die meine Predigten vorher schriftlich bekommen. Meine Erfahrung ist: Je näher ich meine Botschaft an den biblischen Texten gestalte, desto dichter bin ich an den Menschen in unterschiedlichen Kulturen.

idea: Und nach der ProChrist-Woche sind Sie dann urlaubsreif?

Parzany: Direkt danach werden wir in der Geschäftsstelle in Kassel über die eingegangenen Reaktionen sprechen. Dann möchte ich den Wechsel in der Geschäftsführung von Frieder Trommer zu Michael Klitzke begleiten. Die beiden Wochen vor Ostern werde ich mit meiner Frau auf Borkum sein – ein Geschenk des CVJM-Gesamtverbandes zu meiner Verabschiedung als Generalsekretär im vergangenen Jahr.

ProChrist geht weiter

idea: ProChrist soll ja nach München weitergehen, in der Diskussion sind Termine bis 2014. Wann und wo wird das nächste stattfinden?

Parzany: Das steht noch nicht fest. Wahrscheinlich Ende 2008 oder Anfang 2009 – und wir sind offen, es auch einmal aus einer Stadt außerhalb Deutschlands zu übertragen.

idea: Was müßte eigentlich passieren, daß man mit ProChrist aufhört?

Parzany: Wenn keiner mehr hinkommt, müßten wir natürlich aufhören.
Zahl der Übertragungsorte „sensationell“

idea: Ist es nur abhängig von der Zahl?

Parzany: Man muß es umgekehrt sehen. ProChrist hat sich als ein brauchbares Werkzeug erwiesen. Es wäre doch töricht, dieses Werkzeug wegzuwerfen, solange man kein besseres hat. Die Zahl der Übertragungsorte ist sensationell. Wenn man bedenkt, daß an jedem Übertragungsort im Durchschnitt zwei bis drei Gemeinden zusammenarbeiten, dann sind das in diesem Jahr über 3.000 Gemeinden, die eine Woche lang diese Evangelisation durchführen. Wie lange müßte ich leben, um in all diesen Gemeinden eine Vortragswoche mit acht Abenden durchführen zu können? Das heißt konkret: Selbst wenn wir beispielsweise nur ein Drittel der Veranstaltungsorte hätten, wäre ProChrist eine absolut sinnvolle Aktion. Welches Projekt könnte in einer Woche mehr erreichen?
Wirkt sich Karikaturenstreit aus?

idea: Weltweit ist die Stimmung nach dem Streit um die Mohammedkarikaturen religiös etwas aufgeheizt. Wird das ProChrist eher nutzen oder eher schaden?

Parzany: Das weiß ich nicht. Zumindest schafft die Auseinandersetzung eine höhere Sensibilität für die Frage, was der Glaube bedeutet. Jetzt denken auch die, denen nichts heilig ist, darüber nach, wie sie mit dem umgehen können, was anderen heilig ist. Ein Dialog zwischen den Weltreligionen und den Weltanschauungen kann jedenfalls nur gelingen, wenn er von klaren Positionen aus geführt wird. Ich werbe klar für den christlichen Glauben. In der aktuellen Situation muß man auch betonen, daß der Glaube an Jesus Christus als dem einzigen Weg zu Gott auch bedeutet, sein Gebot der Feindesliebe ernst zu nehmen und zu praktizieren. Feindesliebe ist viel positiver als Toleranz. Und sie ist der Echtheitstest unseres Glaubens.

idea: Während der ProChrist-Woche gibt es ein besonderes Ereignis: Sie feiern Ihren 65. Geburtstag.


Parzany: Richtig ist, daß mein 65. Geburtstag stattfindet. Feiern werden wir den Glauben an Jesus Christus.

idea: Wir danken für das Gespräch.