19.01.2006
Worin sich evangelische Missionsdachverbände unterscheiden
AEM und APCM legen mehr Wert auf geistliches Leben der Missionare als das EMW
Worin sich evangelische Missionsdachverbände unterscheiden
AEM und APCM legen mehr Wert auf geistliches Leben der Missionare als das EMW
F r a n k f u r t a m M a i n (idea) – Worin unterscheiden sich die evangelischen Missionsdachverbände in Deutschland? Darüber gibt eine Untersuchung Aufschluß, deren Ergebnisse in der „Zeitschrift für Mission“ (Frankfurt am Main) vorgestellt werden. An einer internationalen Studie der Weltweiten Evangelischen Allianz hatten sich 56 Missionswerke in Deutschland mit 2.509 Langzeitmissionaren im kulturüberschreitenden Dienst beteiligt. Die Organisationen gehören entweder zum Evangelischen Missionswerk (EMW), zur Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) oder zur Arbeitsgemeinschaft pfingstlich-charismatischer Missionen (APCM). Die Dachverbände setzen unterschiedliche Akzente. EMW-Missionare (über 40 Prozent) unterstützen vorrangig Partnerkirchen in theologischer Lehre und Seelsorge. Die APCM-Werke engagieren sich vor allem in Evangelisation und Gemeindeaufbau: Jeder dritte Missionar aus ihren Reihen arbeitet in diesen Bereichen. Ein Schwerpunkt der AEM-Werke ist die Pioniermission, also in Völkern mit weniger als einem Prozent evangelischer Christen. Jeder vierte Missionar ist hier aktiv.
Mehr AEM- als EMW-Missionare in Sozialdiensten und Entwicklungshilfe
Ein weiteres Viertel der AEM-Missionare wirkt vorrangig in sozialen, medizinischen und Entwicklungsprojekten sowie in der Flüchtlingshilfe. „Dieser Anteil ist höher als in EMW-Werken und widerspricht der landläufigen Vorstellung, daß evangelikale Werke vor allem in Evangelisation und wenig ganzheitlich arbeiteten“, schreibt der AEM-Vorsitzende, Missionsdirektor Detlef Blöcher (Sinsheim bei Heidelberg), in seiner Auswertung. Er leitet die Deutsche Missionsgemeinschaft (DMG). Von den EMW-Missionaren sind knapp ein Fünftel in Sozial- und Entwicklungsprojekten aktiv. Laut Blöcher haben die Missionare in den EMW-Werken einen sehr hohen Ausbildungsstand. Sie würden auch sehr sorgfältig auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie verfügten häufiger über einen Fachhochschulabschluß, Hochschulabschluß und Doktorgrad als ihre Kollegen in den beiden anderen Dachverbänden. Dagegen werde auf „persönliche Berufung“ in die Mission und geistliches Leben der Bewerber weniger Wert gelegt als bei AEM und APCM. AEM-Werke hätten ihre Stärken unter anderem bei Finanzen, Weiterbildung und persönlicher Betreuung der Missionare. Nachholbedauf bestehe bei der akademischen Ausbildung der Mitarbeiter, insbesondere in Missiologie. Schwächen sieht Blöcher auch bei der Formulierung klarer Ziele für die Missionsarbeit.
APCM: Viel missionarische Leidenschaft, aber geringerer Ausbildungsstand
Die APCM umfasse vor allem junge Missionswerke, die mit großer Leidenschaft und Hingabe Missionare aussendeten. In der Kandidatenauswahl würden persönliche und geistliche Merkmale betont. „Es gibt jedoch noch deutliche Defizite in der missiologischen Vorbereitung.“ Der Bildungsstand der Missionare sei deutlich niedriger als in den anderen Verbänden. Die Missionare aus den drei Zusammenschlüssen wurden auch zu den Ergebnissen ihres Dienstes befragt. Danach entwickeln sie insgesamt gute persönliche Beziehungen zu den Menschen im Einsatzland. Die jeweilige Partnerkirche schätze ihre Arbeit. Deutliche Unterschiede bestehen bei der Frage, ob durch den Missionsdienst Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Missionare von AEM und APCM bejahten dies in weitaus höherem Maße als ihre EMW-Kollegen.
Vorzeitige Heimkehr: Jeder zehnte Missionar nach vier Jahren zurück
Die Quote derer, die den Einsatz vorzeitig beenden, ist bei allen Dachverbänden ähnlich. Innerhalb von vier Jahren kehrt jeder zehnte Mitarbeiter aus vermeidbaren Gründen zurück, etwa wegen Problemen, die man durch intensivere seelsorgerliche Betreuung hätte verhindern können (z.B. Burnout). Zurückkehrende Missionare waren durchschnittlich zehn Jahre im Einsatz. Blöcher zufolge schließen viele Missionare ihren Dienst im Ausland ab, „wenn sie in ihren besten Jahren sind, das heißt die Sprache gut erlernt, an die Kultur angepaßt sowie gute persönliche Beziehungen aufgebaut haben“. Die AEM ist mit rund 2.900 ausgesandten Missionaren aus Deutschland der größte evangelische Missionsdachverband. Er umfaßt 84 Mitgliedswerke. Zum EMW gehören 34 Organisationen mit rund 700 Missionaren und zum APCM 30 Voll- und 13 Gastmitglieder mit etwa 400 Missionaren.