28.02.2006
Theologe aus Sambia: Afrikaner brauchen eine eigene Theologie
Die westliche Theologie gibt auf viele Fragen der Afrikaner keine Antwort
Theologe aus Sambia: Afrikaner brauchen eine eigene Theologie
Die westliche Theologie gibt auf viele Fragen der Afrikaner keine Antwort
R e h e (idea) – Die Christen in Afrika müssen eine eigene Theologie entwickeln, die ihre Anliegen und Lebensumstände berücksichtigt. Das forderte der aus Sambia stammende Theologe Joe Kapolyo (London), auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), die vom 28. Februar bis 2. März in Rehe (Westerwald) stattfindet. Nach seinen Worten vertreten afrikanische Theologen häufig eine Kopie der westlichen Theologie, die durch die Aufklärung bestimmt sei. Sie gebe auf viele Fragen der Afrikaner keine Antwort. Eine afrikanische Theologie müsse sich mit Armut, Stammesdenken, Korruption, dem Umgang mit Sexualität und dem Geisterglauben auseinandersetzen. Die Konfrontation mit der Welt der Geister sei für Afrikaner ein zentrales Thema. Die westliche Theologie halte Dämonen jedoch für „abergläubischen Quatsch“, obwohl Jesus Christus selbst Menschen aus ihrer Besessenheit befreit habe. Kapolyo war zuletzt fünf Jahre Rektor des All Nations Christian College in London. Ab Herbst wird er in der britischen Hauptstadt als Pastor einer internationalen Gemeinde arbeiten. Wie er weiter sagte, dürfe das starke Wachstum der Christenheit in Afrika nicht darüber hinwegtäuschen, daß es an vielen Stellen noch nicht gelungen sei, die traditionelle afrikanische Kultur mit biblischen Glaubensinhalten und Werten zu durchdringen. Viele Volksgruppen in Afrika hätten nur ein oberflächliches Christentum kennengelernt. Dies führe oftmals zur Vermischung mit dem Geisterglauben und zur Heuchelei: „Tagsüber sind sie gute Christen und in der Nacht befragen sie den Zauberdoktor.“
Skurril: Diebe bitten Gott um reiche Beute
Mitunter treibe der nur oberflächlich verstandene Glaube skurrile Blüten. So gebe es Diebesbanden in Nigeria, die zu Gott beteten, daß er ihnen beim Stehlen helfe. Von ihren Raubzügen gäben sie den biblischen Zehnten an Pastoren, die sich davon etwa Autos kauften. Kapolyo zufolge stehen nach wie vor zahlreiche afrikanische Traditionen im Widerspruch zur biblischen Botschaft. So sei es jahrhundertealter Brauch in Sambia, daß Braut und Bräutigam bereits am Vortag ihrer Trauung miteinander schlafen. Unvereinbar mit der christlichen Botschaft sei auch die rituelle Reinigung von Witwen. Dahinter stehe die Vorstellung, daß der Geist des verstorbenen Ehemannes weiter an der Frau hänge und sie davon erst befreit werde, wenn sie mit einem Verwandten ihres Mannes schlafe. Vorrangig für den Theologen ist deshalb die Frage: „Wie bringen wir das Evangelium in das Zentrum der afrikanischen Kultur?“
Nicht vor dem Säkularismus resignieren
Thema der Tagung ist „Weltmission im globalen Dorf“. Mission sei von jeher ein „Global Player“, sagte der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Rektor Rolf Hille (Tübingen). Als Herausforderung für die Christen bezeichnete er den Säkularismus, der weltweit um sich greife, vor allem in Großstädten. Diese Weltanschauung habe dazu geführt, daß Deutschland zu einem weithin entchristlichten Land geworden sei. Es bestehe aber kein Anlaß zu resignieren. Viele Menschen verspürten inzwischen wieder eine Sehnsucht nach Gott, wie die Wiederkehr des Religiösen zeige. Hille zufolge kann man den säkularen Menschen nicht in erster Linie durch Argumente für den christlichen Glauben gewinnen. Viel wichtiger sei, im Alltag überzeugend zu leben. Die Mission muß sich laut Hille auch auf das Wiedererwachen der Religionen und des Fundamentalismus einstellen. Christen achteten bei der Weitergabe ihrer Botschaft auf die Glaubens- und Gewissensfreiheit Andersgläubiger und unterschieden sich damit etwa von islamischen Fundamentalisten: „Jesus läßt das Mittel der Gewalt zur Ausbreitung seiner Gemeinde nicht zu.“