12.02.2006
Heroinabgabe an Schwerstabhängige beenden Evangelikale Therapiezentren:
Ziel muss Abstinenz der Suchtkranken sein
Heroinabgabe an Schwerstabhängige beenden Evangelikale Therapiezentren:
Ziel muss Abstinenz der Suchtkranken sein
W a b e r n (idea) – Gegen eine generelle Fortsetzung der ärztlich kontrollierten Heroinabgabe an Schwerstabhängige hat sich die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Lebenshilfen (ACL) ausgesprochen. In ihr sind 55 evangelikale Seelsorge- und Therapiezentren zusammengeschlossen.
„Wir sehen die Gefahr, dass durch ein solches Angebot auch die Nachfrage steigen könnte,“ erklärte Rolf Waldeck vom ACL-Leitungskreis auf idea-Anfrage. Zwar könne in Einzelfällen eine kontrollierte Heroinabgabe an Schwerstabhängige sinnvoll sein. Generell sei es jedoch wertvoller, Angebote zu unterstützen, die Abstinenz versprächen, als die Sucht zu subventionieren. Dies führe dauerhaft zu einer Werteverschiebung.
Waldeck: „Das ist so, als wenn man Alkoholikern jeden Tag eine Flasche Schnaps geben würde, anstatt ihnen dabei zu helfen, trocken zu werden.“ 2002 hatten sieben deutsche Großstädte begonnen, Heroin unter Aufsicht zu verabreichen. Im Sommer soll das Projekt auslaufen. Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion lehnt eine grundsätzlich Fortführung und damit eine Zulassung von Diamorphin – synthetisch hergestelltes Heroin – als Arzneimittel ab. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ist jedoch für die Fortsetzung des Projekts.
„Lebenswende“: Bankrotterklärung von Kirche und Politik
Die Leiterin der evangelikalen Therapieeinrichtung „Lebenswende“, Hertha-Maria Haselmann (Frankfurt am Main), bezeichnete eine kontrollierte Heroinabgabe, die von manchen evangelischen Kreisen unterstützt werde, als „Bankrotterklärung von Politik und Kirche“. Denn es sei kaum gelungen, dass durch Drogenfreigabe Menschen den Weg aus der Sucht geschafft hätten, erklärte sie gegenüber idea. Vielmehr stehe hinter einer staatlich gestützten Heroinabgabe der frühzeitige Tod junger Erwachsener. In der Bibel fänden sich keine Ersatzhilfen. Der Rausch sei eine Verirrung und könne ein normales Leben niemals ergänzen. „Überleben ist nicht genug. Wir wollen den Menschen Lebensqualität mit Gott weitergeben,“ so Frau Haselmann.
Pfarrer und Diakoniemitarbeiter für „Heroin gestützte Therapie“
Unterdessen haben sich Pfarrer und Mitarbeiter der Diakonie in einem Offenen Brief Anfang Februar dagegen gewandt, die „Heroin gestützte Therapie“ zu unterbinden. In dem Schreiben heißt es: „Das geradezu aggressive Engagement, mit dem hier ausgegrenzten und Hilfe suchenden Menschen eine Möglichkeit verwehrt werden soll, unter menschenwürdigen Bedingungen zu überleben, steht im eklatanten Widerspruch zu dem allgemeinen Anspruch politischer Entscheidungsträger, ein christliches Menschenbild zu vertreten.“ Wissenschaftliche Studien in der Schweiz belegten, dass die Zahl der Einsteiger in die Heroinabhängigkeit mit der Einführung der liberalen Drogenpolitik drastisch gesunken sei.