02.04.2006
Allianzvorsitzender Peter Strauch: „Kuschelt euch nicht in eure frommen Gettos ein“
Forum „Christ und Politik“ der Evangelischen Allianz in Berlin
Allianzvorsitzender Peter Strauch: „Kuschelt euch nicht in eure frommen Gettos ein“
Forum „Christ und Politik“ der Evangelischen Allianz in Berlin
B e r l i n (dea/idea) –
Wie können sich Christen stärker in die Politik einbringen und wie kann der Dialog zwischen beiden Seiten intensiviert werden?
Mit dieser Frage beschäftigte sich ein erstmals von der Deutschen Evangelischen Allianz in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltetes Forum „Christ und Politik“, das vom 30. März bis 1. April in Berlin stattfand. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Peter Strauch (Witten), sprach auf dem Forum über den Aufruf im Alten Testament „Suchet der Stadt Bestes ... und betet für sie zum Herrn.“ Das bedeute: „Isoliert euch nicht, zieht euch nicht zurück, kuschelt euch nicht in eure frommen Gettos ein. Gebraucht eure Begabungen und Möglichkeiten nicht nur in den eigenen Reihen, gebraucht sie zum Wohl der Menschen eures Ortes und Landes.“
Evangelikale: Schwach beim Schutz der Schöpfung
Hinsichtlich des biblischen Auftrags, die Erde zu bewahren, sagte Strauch, Evangelikale hätten hier Defizite: „Wir mögen stark in der persönlichen Beziehung zu Jesus sein, aber wenn es um die Erhaltung seiner Schöpfung geht, sind wir oft sehr schwach.“ Der Generalsekretär der Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), sagte gegenüber idea, das Forum wolle Christen in der Politik ermutigen und Gemeindemitglieder ermuntern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die Allianz, die vor drei Jahren einen Arbeitskreis Politik gründete, suche darüber hinaus auch das Gespräch mit Politikern aller Parteien.
Gröhe begrüßt das Interesse der Evangelikalen an der politischen Arbeit
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe (Neuss) begrüßte das Interesse der Evangelikalen an politischen Fragen. Christsein habe nicht nur etwas mit dem eigenen Seelenheil und Mission zu tun. Zum christlichen Glauben gehöre auch das Bezeugen der Menschenliebe Gottes. Dies drücke sich aus in der Arbeit für „menschengerechtere Strukturen“. Gröhe empfahl Gemeinden, nicht nur allgemein für die Politik zu beten, sondern das Gespräch mit Kommunalpolitikern und Wahlkreisabgeordneten zu suchen. So könne man gezielt Fürbitte tun. Er selbst habe im Wahlkampf die Erfahrung gemacht, dass Menschen ihn im Vorbeigehen mit den Worten gegrüßt hätten: „Guten Tag Herr Gröhe, wir beten für Sie.“ Das tue gut, so der Justitiar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der auch dem Rat der EKD angehört. Er regte ferner an, die Tageszeitung als „Gebetsgrundlage“ zu nutzen. Die Tagespresse gebe täglich genügend Informationen um die Gebetszeit spielend zu verdoppeln, so z.B. im Hinblick auf die Tagungsaktualität am 31. März für die Regierungsbildung in Israel und die Eindämmung der Gewalt an Schulen in Berlin.
Glaube gibt Motivation, Orientierung und Gelassenheit
Gröhe rief Christen ferner dazu auf, selbst Themen in die öffentliche Diskussion einzubringen. Als Beispiel nannte er das Eintreten für verfolgte Christen. Der Fall des Afghanen Abdul Rahman, der wegen Übertritts zum Islam angeklagt und nach internationalen Protesten freigelassen wurde, habe erstmals in der großen Öffentlichkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema geführt. Im Blick auf seinen eigenen Glauben sagte Gröhe, er gebe ihm Motivation für die politische Arbeit, Orientierung und Gelassenheit: „Das Heil der Welt hängt aber weder von der Politik noch von einer Partei ab.“ Vielmehr werde die Welt von Gott gehalten.
Christen haben humanen Gegenentwurf zur aktiven Sterbehilfe
Der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, Thomas Rachel (Düren), ermunterte Christen, sich in die Debatte um Bioethik und den Lebensschutz einzubringen. Der EAK und die Unionsparteien setzten sich etwa dafür ein, die Palliativmedizin und die Hospizarbeit deutlich auszubauen, damit Schwerkranke ohne Schmerzen und mit menschlichem Beistand sterben könnten. Rachel: „Das ist unser humaner Gegenentwurf zur aktiven Sterbehilfe, wie sie in den Niederlanden praktiziert wird.“
Dank der EKD an christliche Politiker
Der theologische Referent beim Bevollmächtigten des Rates der EKD am Sitz der Bundesregierung, Oberkirchenrat Volker Faigle, dankte beiden Politikern für ihre klare christliche Haltung. Sie machten immer wieder deutlich, „dass Gott ein Freund des Lebens ist“.