25.09.2005
Wende in der Volksmission: Weg von der Binnenorientierung
B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Die Kirchen in den neuen Bundesländern erreichen Kirchenferne vor allem mit „Aktivitäten am äußersten Rand der Volkskirche“. Veranstaltungen der Kerngemeinden, insbesondere Gottesdienste, sind missionarisch weitgehend erfolglos. Das berichtete der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack (Magdeburg), beim Deutschen Evangelischen Allianztag am 24. September im thüringischen Bad Blankenburg. Am leichtesten gelinge der Zugang zu Menschen, die keinen Bezug zum Glauben haben, indem man sie um Mitarbeit bitte. Gute Möglichkeiten böten Kirchbau-, Glocken- und Orgelvereine, Kirchenmusik sowie diakonische Aufgaben. Auch Gruppen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung fänden Anklang. Vor etwa 110 Delegierten von rund 1.250 örtlichen Allianzen und etwa 300 evangelikalen Werken plädierte Noack für einen Paradigmenwechsel in der Mission – „weg von der Binnenorientierung und hin zu einer außenorientierten Strategie“. Stärker als bisher müsse man das Evangelium mit dem Alltag der Menschen zusammenbringen und zeigen, wo sich der Glaube als Hilfe zur Lebensgestaltung erweist. Der Bischof ist auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD und Mitglied des Kuratoriums der Evangelisation ProChrist.
Auch Ostkirchen haben „Karteileichen“
Noack zufolge haben sich die Landeskirchen nach der Wende doppelt geirrt. Weder erfüllte sich Annahme der westlichen Kirchen, dass die Mitteldeutschen wieder wie selbstverständlich zur Kirche gehen, noch stimmte die Hoffnung der östlichen Kirchen, dass alle ihre Mitglieder überzeugte Christen seien. Wie im Westen gebe es viele „Karteileichen“. Zahlreiche Kirchengemeinden hätten ihre Rolle als gesellschaftliche Minderheit verinnerlicht. Es falle ihnen schwer, auf außen stehende Menschen oder Organisationen zuzugehen. Ihr Problem sei nicht die Mitgliederabnahme, die vor allem aus Überalterung, Geburtenrückgang und Wegzug in die westlichen Bundesländer herrühre. Schwerwiegender sei die Resignation. Noack: „Nicht die abnehmende Mitgliederzahl gefährdet die Substanz der Kirche, sondern die Preisgabe des Anspruchs, wachsen zu wollen.“
24.09.2005