25.09.2005

Deutschlands Evangelikale wollen sich mehr in die Politik einmischen

Strauch: Christen sollen Tagesordnung Gottes aufgreifen

Deutschlands Evangelikale wollen sich mehr in die Politik einmischen

Strauch: Christen sollen Tagesordnung Gottes aufgreifen

B a d B l a n k e n b u r g, 25. September 2005 (idea) - Deutschlands Evangelikale wollen sich mehr in die Politik einmischen. Das machten Referenten beim Deutschen Evangelischen Allianztag am 24. September im thüringischen Kurort Bad Blankenburg deutlich. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, rief 110 Delegierte von rund 1.250 örtlichen Allianzen und etwa 300 evangelikalen Werken auf, sich stärker für die Gesellschaft mitverantwortlich zu fühlen. Christen dürften die Welt nicht sich selbst überlassen mit dem Argument, sie sei dem Untergang geweiht. Zu einem missionarischen Lebensstil gehöre vielmehr, die Tagesordnung Gottes aufzugreifen. Als Vorbild nannte Strauch die Heilsarmee im US-Bundesstaat Louisiana. Sie beteilige sich an den Hilfsmaßnahmen für die Opfer der Wirbelstürme Katrina und Rita in einer Weise, die von der Öffentlichkeit als Zeugnis für den christlichen Glauben verstanden werde. Im 18. und 19. Jahrhundert hätten englische Evangelikale zur Abschaffung von Sklaverei und Kinderarbeit beigetragen. Die Evangelische Allianz habe Arbeitskreise für Politik, Islam, Ausländer, Kinder und Religionsfreiheit eingerichtet, die den Hauptvorstand bei Stellungnahmen beraten. Der Beauftragte der Allianz beim Bundestag, Wolfgang Baake (Wetzlar), schlug den Allianzgruppen vor, Mitglieder für politische Aufgaben zu suchen, zu schulen und in Gottesdiensten auszusenden. Dadurch könnten sie verhindern, daß christliche Politiker zu Einzelkämpfern würden. Ferner plädierte Baake dafür, Wahlentscheidungen davon abhängig zu machen, welche ethischen Werte die Parteiprogramme enthielten. Die zur Bundestagswahl herausgegebenen Wahlprüfsteine der Allianz könnten auch bei Kandidatenbefragungen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt im März eingesetzt werden. Baake ist hauptberuflich Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten).

Täglich sterben 30.000 Kinder, ohne das Evangelium gehört zu haben

Nach Angaben von Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) unterstützt der Hauptvorstand die Absicht der Vereinten Nationen, die weltweite Armut bis zum Jahr 2015 zu halbieren. „Wenn 191 Politiker etwas Sinnvolles beschließen, sollen Christen nicht abseits stehen“, sagte Steeb. Das evangelikale Leitungsgremium motiviere vor allem zum Gebet für die Verwirklichung der politischen Ziele, beispielsweise im Rahmen der Allianz-Gebetswoche im Januar. Keinem Christen könne es gleichgültig sein, daß täglich 30.000 Kinder aufgrund von Armut stürben, von denen viele das Evangelium nie gehört hätten, so Steeb. Die sogenannte Micha-Initiative ermutige außerdem zu einem glaubwürdigen Lebensstil sowie zu Gesprächen mit Politikern und anderen Meinungsträgern, um die Selbstverpflichtung der Staatsmänner nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.