25.09.2005

Althaus: In Deutschland wird zu viel geredet und zu wenig getan

Thüringens Ministerpräsident kritisiert „Versprechungsrhetorik“<br />

Althaus: In Deutschland wird zu viel geredet und zu wenig getan

Thüringens Ministerpräsident kritisiert „Versprechungsrhetorik“

B a d B l a n k e n b u r g, 24. September 2005 (idea) - Der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) hat die Politik nach der deutschen Einigung massiv kritisiert. Anstatt die vergangenen 15 Jahre für gesellschaftliche Reformen zu nutzen, hätten die Parteien einseitig auf Wirtschaftswachstum gesetzt, sagte der Politiker beim Deutschen Evangelischen Allianztag am 24. September in Bad Blankenburg (Thüringen).

Der Staat lebe seit vielen Jahren über seine Verhältnisse.

Mit „Versprechungsrhetorik“ habe er den Eindruck erweckt, den jetzigen Lebensstandard sichern zu können. Die Folge sei, daß große Teile der Bevölkerung Angst vor Reformen hätten. Gegenwärtig werde zu viel geredet und zu wenig getan, stellte Althaus vor 110 Delegierten von rund 1.250 örtlichen Allianzen und etwa 300 evangelikalen Werken fest. Er appellierte an die Christen, sich wie zu Zeiten der friedlichen Revolution wieder stärker am politischen Geschehen zu beteiligen. Ihr Glaube beinhalte die Grundpfeiler einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Zu den christlichen Prinzipien, die laut Althaus die Soziale Marktwirtschaft garantierten, gehörten die Überzeugung, daß jeder einzelne für sein Leben verantwortlich ist, die Solidarität der Gesellschaft mit den Schwachen und die Orientierung am Gemeinwohl. Alle drei Prinzipien seien jedoch pervertiert worden. Große staatliche und private Organisationen beeinflußten heute das individuelle Leben mehr als natürliche Sozialbeziehungen wie Familien, Kommunen und Betriebe. Aus Solidarität sei Gleichmacherei geworden, ohne daß die Leistungsfähigkeit einzelner geprüft werde. Statt am Gemeinwohl orientierten sich viele Menschen am „Meinwohl“.
Während man seine Energie früher dafür eingesetzt habe, daß Kinder es besser haben sollten, sorge man sich heute darum, daß es für einen selbst noch reiche. „Wir haben weitgehend die Quellen vergessen, aus denen unser Land lebt“, sagte Althaus.

Kein Verständnis für nostalgischen Rückblick auf 40 Jahre DDR

Die Wiedervereinigung selbst bezeichnete Althaus als Erfüllung eines Traums. Für einen nostalgischen Rückblick auf 40 Jahre DDR habe er kein Verständnis.Man dürfe nicht vergessen, daß die Denk- und Bewegungsräume der Menschen bis 1989 stark eingeschränkt gewesen seien. Das SED-Regime sei nicht an der Unfähigkeit der Funktionäre gescheitert, sondern an ihrer Ideologie, das Kollektiv wichtiger als die Würde des einzelnen zu erachten. Auch der Allianzvorsitzende, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, mahnte, sich das „riesige Geschenk der Einheit“ nicht durch politische, wirtschaftliche und soziale Probleme schlecht reden zu lassen.