20.09.2005
Evangelikale und ökumenische Dachverbände fordern Abbau der Armut
Weltkirchenrat enttäuscht über UN-Gipfel – Weltallianz trauert um die Ärmsten der Armen<br />
Evangelikale und ökumenische Dachverbände fordern Abbau der Armut
Weltkirchenrat enttäuscht über UN-Gipfel – Weltallianz trauert um die Ärmsten der Armen
N e w Y o r k / G e n f (idea) – Die ökumenischen und evangelikalen Welt-Dachorganisationen ermahnen die Staatengemeinschaft, die Millenniumsziele zur Halbierung der Armut bis 2015 nicht aus den Augen zu verlieren. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Samuel Kobia (Genf), ist enttäuscht über die Ergebnisse des Jubiläumsgipfels der Vereinten Nationen. Die größte Zusammenkunft von Staatsführern Mitte September in New York sei hinter den Erwartungen der Kirchen weit zurück geblieben. Es habe sich gezeigt, daß die 191 UN-Mitglieder ihren Verpflichtungen zum Abbau von Armut und Rüstung nicht gerecht würden, erklärte Kobia anläßlich des internationalen Gebetstags für Frieden, der am 21. September begangen wird. Die Kirchen verfolgten die Vision von einer Welt, in der das Leben jedes Menschen geschützt sei, in der alle Völker in Frieden und Gerechtigkeit leben könnten und in der Armut nicht mehr hingenommen werde, so Kobia. Der ÖRK umfaßt 347 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit über 560 Millionen Mitgliedern in etwa 120 Ländern.
Weltallianz: Der entscheidende Zeitpunkt ist jetzt
Auch die Weltweite Evangelische Allianz (WEA), die rund 400 Millionen Evangelikale in 123 Ländern repräsentiert, drängt die Staaten zum Einhalten der Millenniumsziele. „Wir trauern um die 800 Millionen unterernährten Menschen und die mehr als eine Milliarde, die weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben und täglich um ihr Überleben kämpfen müssen“, sagte der Internationale Direktor der WEA, Geoff Tunnicliffe (Markham/Kanada), in einem Gedenkgottesdienst in Washington. Der WEA-Vorsitzende, der südafrikanische Baptistenpastor Ndaba Mazabane (Durban), erklärte, die Welt stehe an einem entscheidenden Zeitpunkt. Wenn man jetzt handele, um die Armut zu bekämpfen, könne man noch etwas bewegen. Die Bibel gebe den Weg vor – nämlich Gott und den Nächsten zu lieben.
Micha-Kampagne fordert USA zum Handeln auf
Der Internationale Koordinator der evangelikalen Micha-Kampagne, Michael Smitheran, begrüßte es, daß sich US-Präsident George W. Bush in seiner Rede am 14. September vor den Vereinten Nationen zu den Millenniumszielen bekannt habe. „Wir wollen jetzt sehen, daß die USA diese Ziele umsetzt“, so Smitheran. Die Micha-Kampagne wurde 2004 unter Beteiligung der WEA ins Leben gerufen und bezieht sich auf ein Wort des alttestamentlichen Propheten Micha (Micha 5,8): „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Nach einem UN-Bericht werden die Millenniumsziele verfehlt, wenn die Entwicklung weitergeht wie bisher. Im Jahr 2002 hatten sich die Industrienationen vorgenommen, mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, wenn es die Wirtschaftslage zulasse. Dieses Ziel haben bisher fünf Staaten erreicht: Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden. (20.09.05/15:00)