14.09.2005

Beyerhaus: Dialog suchen, ohne Mission zu vernachlässigen

B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Christliche Mission steht in der Gefahr, den interreligiösen Dialog an die Stelle der zur Bekehrung aufrufenden Predigt zu setzen. Für Evangelikale komme es jedoch darauf an, den Dialog zu suchen, ohne die Mission zu vernachlässigen. Diese Auffassung vertrat der Präsident des Theologischen Konvents der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen, Prof. Peter Beyerhaus (Gomaringen bei Tübingen), bei der Studienkonferenz des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT) in Bad Blankenburg (Thüringen). Den Missionsauftrag zu mißachten, schade der Kirche. Christliche Verkündigung dürfe nicht populärem Erwartungsdruck nachgeben, sondern müsse das biblische Evangelium unverkürzt weitergeben. Zahlreiche liberale Theologen wiesen jedoch die Botschaft vom Opfertod Jesu als Zumutung ab. Es sei unvermeidlich, so Beyerhaus, daß Christen auch auf Ablehnung stoßen. Jesus verheiße keinen evangelistischen Erfolg, nehme aber die Verantwortung für die Wirkung des Evangeliums auf sich, um seinen Missionaren Enttäuschungen zu ersparen.

Evangelium verständlich und unverkürzt formulieren

Die wichtigste Aufgabe für Missionare sei, das Evangelium so zu formulieren, daß es vom Hörer verstanden werde, ohne daß der biblische Gehalt Schaden erleide. Eine völlige Verweigerung, das Evangelium fremden Kulturen nahezubringen, führe zur Unverständlichkeit biblischer Texte. Jedoch müsse man bei der Übersetzung des Evangeliums darauf achten, daß man nicht fremdreligiöse oder ideologische Konzepte übernehme, die mit dem Evangelium unvereinbar sind. Es bestehe zudem die Gefahr, daß das berechtigte Eingehen auf soziale Nöte zu einer Verkürzung der biblischen Botschaft führe.

Preis für Schweizer freikirchlichen Theologen

Der Johann-Tobias-Beck-Preis des AfeT wurde während der Studienkonferenz an Jürg Buchegger, Pastor der Freien evangelische Gemeinde in Buchs bei St. Gallen, verliehen. Er erhielt die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine Doktorarbeit über die „Erneuerung des Menschen“ in den Briefen von Paulus. Buchegger studierte an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel und promovierte 2001 an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Löwen (Belgien). Der 1987 vom AfeT gestiftete Preis ist nach dem Tübinger Theologieprofessoren Johann Tobias Beck (1804-1878) benannt.

Nächste AfeT-Konferenz über Verhältnis von Juden und Christen

Der AfeT-Vorsitzende und Rektor des Albrecht-Bengel-Studienhauses, Rolf Hille (Tübingen), wurde in seinem Amt für weitere vier Jahre bestätigt; ebenso seine Stellvertreter, der Rektor der Freien Theologischen Akademie, Helge Stadelmann (Gießen), und der Rektor des Theologischen Seminars der Freien evangelischen Gemeinden, Wilfrid Haubeck (Dietzhölztal bei Dillenburg). Die nächste AfeT-Konferenz 2007 in Bad Blankenburg tagt voraussichtlich zusammen mit der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz zum Verhältnis von Juden und Christen sowie der Verkündigung des Evangeliums an das Volk Israel. (14.09.05/16:05)