13.09.2005
Eine neutrale Auslegung der Bibel gibt es nicht
Dr. Herbert Klement: Historisch-kritische Forschung ist ideologisch verzerrt
Eine neutrale Auslegung der Bibel gibt es nicht
Dr. Herbert Klement: Historisch-kritische Forschung ist ideologisch verzerrt
B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Die Vorstellung, daß ein Mensch mit seiner kritischen Vernunft einen Bibeltext neutral und objektiv wahrnehmen und ihn allgemeingültig auslegen kann, hat sich als Illusion erwiesen. Das erklärte der Theologische Referent des Arbeitskreises für evangelikale Theologie (AfeT), Herbert Klement (Sprockhövel bei Wuppertal), bei der AfeT-Studienkonferenz, die vom 11. bis 14. September im Allianzhaus in Bad Blankenburg (Thüringen) stattfindet. Es gebe kein voraussetzungsloses Forschen. Evangelikale Theologen hätten seit den sechziger Jahren darauf hingewiesen, daß auch die historisch-kritische Theologie theorieabhängig und ideologisch verzerrt sei. Beim Versuch, die Bibel auszulegen, hätten historisch-kritische Forscher mitunter das zerstört, was sie erforschen wollen. Als Beispiel nannte Klement den Versuch, in Bibeltexten innerhalb weniger Verse mehrere Quellenschichten zu erkennen, die vermeintlich von mehreren Bearbeitern aus verschiedenen Jahrhunderten stammen. Solche Rekonstruktionen blieben spekulativ und widersprächen mitunter dem gesunden Menschenverstand. Entstanden sei dabei eine esoterisch anmutende, kaum noch nachvollziehbare Hypothesenwelt, die den Bezug zur Realität verloren habe.
Biblischen Texten nicht Dummheit unterstellen
Das Bekenntnis zur Einheit und Klarheit der Heiligen Schrift stelle für evangelikale Theologen kein Hindernis für wissenschaftliches Arbeiten dar. Sie seien der Überzeugung, daß die Bibel nicht nur menschliche Autoren habe, sondern daß zugleich Gott Autor der Heiligen Schrift sei. Während der einzelne biblische Autor nicht immer den vollen Sinn seines Beitrags gekannt habe, könne mit Gott als Autor die ganze Bibel als Einheit wahrgenommen werden. Die Bibel sei kein fiktives Buch, sondern enthalte historische und geographische Daten, die den vollen Respekt des Lesers verdienten. Klement: „Bevor den biblischen Texten eine gewisse Dummheit, Unaufmerksamkeit, Chaos, Durcheinander, eine unpassende Aussage oder Reihenfolge unterstellt wird, sind Texte auf einen möglichen Sinn der Auffälligkeiten hin zu befragen.“ Dabei sei die Andersartigkeit der antiken und altorientalischen Welt zu bedenken. Evangelikale Forscher sollten literarische, historische und theologische Forschungsergebnisse nicht als gegensätzlich, sondern als zusammengehörig verstehen.