12.09.2005

Christen mahnen Staaten: Was wird aus Halbierung der Armut?

Evangelikale Micha-Kampagne unterstützt die Milleniumsziele<br />

Christen mahnen Staaten: Was wird aus Halbierung der Armut?

Evangelikale Micha-Kampagne unterstützt die Milleniumsziele

W a s h i n g t o n (idea/dea) – Die Kirchen drängen die Staatengemeinschaft, ihre vor fünf Jahren vereinbarten Millenniumsziele in die Tat umzusetzen. Noch sind die 191 Mitgliedsländer der UN weit entfernt von dem Ziel, die extreme Armut bis 2015 zu halbieren, für Zugang zu sauberem Trinkwasser zu sorgen, die Kindersterblichkeit zu verringern, AIDS, Malaria und andere Krankheiten zu bekämpfen, allen Kindern eine Grundschulbildung zu garantieren, eine nachhaltige Umweltpolitik zu betreiben und Gleichberechtigung für Frauen zu erreichen. Vor dem Jubiläumsgipfel zum 60jährigen Bestehen der Vereinten Nationen, der am 14. September in New York beginnt, haben sich über 30 führende Vertreter der Kirchen aus aller Welt in Washington zu einer Studientagung versammelt, die die Verwirklichung der Millenniumsziele in einer Resolution erneut anmahnen wird. An der Versammlung unter Vorsitz des südafrikanischen anglikanischen Erzbischofs Njongonkulu Ndungane (Kapstadt) nehmen auch der Vorsitzende und der Internationale Direktor der Weltweiten Evangelischen Allianz, Baptistenpastor Ndaba Mazabane (Durban/Südafrika) und Geoff Tunnicliffe (Markham/Kanada), teil. Die Allianz repräsentiert rund 400 Millionen Evangelikale in 123 Ländern. Die dreitägige Kirchentagung begann am 11. September mit einem Gottesdienst in der anglikanischen Kathedrale von Washington. Die Kirchen verfügten weltweit über eine einzigartige Infrastruktur, erklärte Pfarrer John Peterson, Leiter des Zentrums für Globale Versöhnung an der Kathedrale. Die Kirchen wollten in Partnerschaft treten mit den Vereinten Nationen, Regierungen und Hilfsorganisationen. Die Teilnehmer repräsentieren nach eigenen Angaben ein Drittel der Weltbevölkerung. Erzbischof Ndungane wies darauf hin, daß in der Bibel die Verkündigung des Heils und das Eintreten für soziale Gerechtigkeit Hand in Hand gingen.
Micha-Kampagne: Freier Handel ist nicht fair
Der Direktor des US-amerikanischen Zweigs der internationalen evangelikalen Micha-Kampagne, Peter van der Meulen, sagte, Christen im reichen Westen sollten demütig auf das hören, was Christen aus dem Süden zu sagen hätten, etwa daß der freie Handel kein fairer Handel sei. Die Kampagne wurde im vorigen Jahr unter Beteiligung der Weltallianz und des Baptistischen Weltbunds ins Leben gerufen und bezieht sich auf ein Wort des alttestamentlichen Propheten Micha (Micha 5,8): „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
Werden die Millenniums-Ziele verfehlt?
Nach einem UN-Bericht werden die Millenniumsziele verfehlt, wenn die Entwicklung weitergeht wie bisher. Zwischen der angestrebten Halbierung der Armut bis 2015 und den nach jetzigem Stand zu erwartenden Ergebnissen klaffe eine Lücke von rund 380 Millionen Menschen, die mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen müßten. 47 Millionen Kinder hätten in zehn Jahren immer noch keine Grundschulausbildung. Am meisten Sorgen machten die kriegerischen Konflikte, besonders in Afrika. In neun der zehn am wenigsten entwickelten Staaten habe es seit den neunziger Jahren Krieg gegeben. Im Jahr 2002 haben sich die Industrienationen vorgenommen, mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts in Entwicklungszusammenarbeit zu investieren, wenn es die Wirtschaftslage zulasse. Dieses Ziel haben bisher fünf Staaten erreicht: Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden. (12.09.05/14:00)