07.11.2005

Seit 100 Jahren für die Einheit der Christen engagiert

Politiker und Kirchenvertreter würdigen die Evangelische Allianz Heilbronn<br />

Seit 100 Jahren für die Einheit der Christen engagiert

Politiker und Kirchenvertreter würdigen die Evangelische Allianz Heilbronn

H e i l b r o n n (dea/idea) - Führende Vertreter aus Politik, Kirche und evangelikaler Bewegung haben die Evangelische Allianz Heilbronn am 7. November anläßlich ihres 100jährigen Bestehens gewürdigt. Angeregt durch die Bad Blankenburger Allianzkonferenz 1902 und die Gründung der Nürnberger Allianzkonferenz 1904 hatte der Methodistenpastor Robert Möller im November 1905 erstmals zu einer Allianzkonferenz in Heilbronn eingeladen. Der Leitungskreis unter Vorsitz des Liebenzeller Predigers Helmut Geggus umfaßt heute 19 Vertreter aus zwölf Kirchen und Gemeinschaften. Die Staatssekretärin im Stuttgarter Sozialministerium, Johanna Lichy (CDU), gratulierte der Allianz zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Während die evangelische Staatskirche Methodisten, Baptisten und andere Freikirchen rigoros verfolgt habe, sei es der Allianz vor 100 Jahren gelungen, Brücken zwischen verfeindeten Gruppen zu schlagen. Solche Hoffnungszeichen brauche die Gesellschaft auch heute: „Nur wer sich einmischt, kann verändern.“ Nach Ansicht der Politikerin sollten Christen ihre Überzeugungen mutig in der Öffentlichkeit bekennen. An die Bildungseinrichtungen appellierte Frau Lichy, die christlichen Fundamente der Gesellschaft zu vermitteln, bevor sie über andere Religionen aufklärten. Prälat Paul Dieterich (Heilbronn) dankte der Allianz für ihr Bemühen, die geistliche Einheit der evangelischen Gruppen und Gemeinschaften deutlich zu machen. Ihre verschiedenen Ausprägungen böten die Chance, das Evangelium auf unterschiedliche Weise weiterzusagen. Ihr einigendes Band sei die reformatorische Erkenntnis, daß es im Christentum allein auf Christus, den Glauben, die Gnade und die Bibel ankomme. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, warnte davor, die eigene Tradition zum Maßstab für die Echtheit des Glaubens zu machen. Alle Christen stünden vor der gemeinsamen Herausforderung, die biblische Botschaft in die Gesellschaft hineinzutragen. Deutschland sei wie ein klassisches Missionsland, in dem die meisten Menschen noch nie etwas von einer Beziehung zu Gott gehört haben.

Ohne Zehn Gebote und Bergpredigt kann man nicht regieren

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), charakterisierte die Allianz als eine Einheits-, Gebets-, Evangelisations- und Bibelbewegung, die auch zur Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung gegründet worden sei. Die Heilige Schrift sei das wichtigste Buch der Kulturgeschichte. Wenn vielfach gesagt werde, dass man mit der Bergpredigt und den Zehn Geboten kein Volk regieren könne, könne man dem zustimmen. Zugleich müsse dann aber gesagt werden, dass man ohne "die Zehn Gebote und die Bergpredigt erst recht kein Land regieren" könne. Zahlreiche Generationen hätten mit Hilfe der Bibel lesen und schreiben gelernt. Deshalb gehöre die Bibel in den Schulunterricht. „Was ist das für eine Bildung, wenn man Abitur machen kann, ohne jemals dieses wichtigste Buch der Weltgeschichte und Weltliteratur ganz gelesen zu haben?" fragte Steeb.

Verbesserung der Lebensrechtssituation muss in die Koalitionsvereinbarung eingebunden werden

Im Hinblick auf die derzeitigen Koalitionsverhandlungen forderte Steeb auf, den "schlimmsten Rechtsskandal", nämlich die Verweigerung des Lebensrechtes für ungeborene Kinder, zu thematisieren. Es sei dringend nötig, endlich die hinter den finanziellen und wirtschaftlichen Problemen liegende Wertefragen aufzunehmen.
Die Heilbronner Allianzkonferenz findet in diesem Jahr bis zum 10. November statt. Einer der Hauptredner ist Präses Peter Strauch.