27.05.2005
Weil sich der Kirchentag nicht entscheidet, bewirkt er auch nicht das Entscheidende
Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, kommentiert den Deutschen Evangelischen Kirchentag
Weil sich der Kirchentag nicht entscheidet, bewirkt er auch nicht das Entscheidende
Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, kommentiert den Deutschen Evangelischen Kirchentag
Der Kirchentag hat große Anziehungskraft, Ausstrahlung und er ist ein Podium der Meinungen und auch vieler Meinungsführer. Er hat sich von früheren Einseitigkeiten erfreulich gelöst. Man ist (fast) nicht mehr auf einem Auge blind. Nicht mehr nur der Linksprotestantismus, der Kulturprotestantismus und der tolerante säkulare auch nach Werten Ausschauende hat seinen Platz – auch evangelikale Positionen, bekennende Christen, evangelistisch-missionarische Verkündigung sind gewollt, können sich einbringen, ja werden sogar geschätzt. Der Ausschluss messianischer Juden freilich bleibt ein Skandal, so als ob es nicht messianische Juden gewesen wären, die den christlichen Glauben nach Europa brachten.
Erfreuliche Positionierung in manchen Bischofs- und Politikervoten – wenn etwa Bischöfin Käßmann unüberhörbar auf 130.000 jährliche Schwangerschaftsabbrüche als nicht hinnehmbar hinweist und der Ratsvorsitzende den reformatorischen Grundtenor des vierfachen „Allein“ anschlägt – gehörten für mich zu den Höhepunkten des 30. Deutschen Evangelischen Kirchentages.
Aber die Not bleibt: Der Kirchentag scheint nur eine Position zu haben: Möglichst Viele sollen kommen; es ist ein freies Podium des Alles und Nichts. Wider Göttliches, wider Biblisches, wider Christliches bekommt ebenbürtig auch Platz, Zeit und Raum – von Fliege bis zur werbenden Darstellung für homosexuellen und lesbischen Lebensstil. In unserer Zeit der neuen Sehnsucht nach verlässlichem Glauben und unveräußerlichen Werten hätte der Kirchentag aber die Chance gehabt, Entscheidendes zu bewirken. Doch wer Entscheidendes bewirken will, muss sich zuvor entscheiden, aus welcher Quelle er sich speisen lässt. Wer außerhalb von Bibel und Bekenntnis steht, dürfte nicht gleich wertig und gleich berechtigt das Wort führen dürfen. So steht Führung und Verführung für viele unerkennbar nebeneinander. Man kann doch nicht Wege zum Glauben und Wege weg vom Glauben gleichermaßen fördern. Solche „Neutralität“ ist eines Kirchentages nicht würdig. Schade, dass das immer noch nicht begriffen wird.