09.05.2005

Missionarische Dienste vor großen Herausforderungen

AMD-Generalsekretär: Religiöse Sehnsucht und „aufgeklärter Atheismus“ spürbar

Missionarische Dienste vor großen Herausforderungen

AMD-Generalsekretär: Religiöse Sehnsucht und „aufgeklärter Atheismus“ spürbar

H o f g e i s m a r (idea) – Die evangelistischen Bewegungen in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen. Das sagte der Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD, Pfarrer Hartmut Bärend (Berlin), in seinem Bericht auf der AMD-Jahrestagung, die vom 9. bis 11. Mai in Hofgeismar bei Kassel stattfindet. So sei einerseits eine wachsende religiöse Sehnsucht spürbar, wie das bisher einmalige Medienecho auf den Tod des Papstes Johannes Paul II. und die Amtseinführung seines Nachfolgers Benedikt XVI. zeige. Andererseits gebe es einen „aufgeklärten Atheismus“. Zeichen dafür sei etwa die geplante Einführung eines verpflichtenden staatlichen Werteunterrichts durch den rot-roten Senat in Berlin, ohne den Religionsunterricht gleichzustellen. Angesichts einer vielfach diffusen Religiosität komme es darauf an, im Dialog mit den Menschen verständlich und klar von der christlichen Botschaft zu reden. Kritisch äußerte sich Bärend zu einem inflationären Gebrauch des Begriffs „Mission“ in den Kirchen. Häufig werde darunter lediglich verstanden, zu den Menschen zu gehen oder zu einer „allgemeinen Gottgläubigkeit“ einzuladen. Mission im biblischen Sinne bedeute jedoch, zu einem persönlichen Glauben an Jesus Christus zu rufen.
In manchen Landeskirchen werden missionarische Dienste geschwächt
Besorgt äußerte sich Bärend darüber, daß teilweise Ämter für missionarische Dienste im Zuge landeskirchlicher Umstrukturierungen in andere Arbeitsbereiche eingegliedert oder ganz aufgelöst würden. Man könne nicht einerseits sagen, der missionarische Auftrag werde immer wichtiger, und zugleich die missionarischen Dienste schwächen oder bis zur Unkenntlichkeit verändern. Beispiele für diese Entwicklung wollte Bärend nicht nennen. Er würdigte jedoch Landeskirchen wie Baden, Rheinland und Westfalen, die über gut ausgestattete Ämter verfügten.
Mission bei der Fußball-WM: „Lasset die Kicker zu mir kommen“
Als große missionarische Chancen wertet der Theologe die Evangelisation ProChrist im März 2006 und die Fußball-Weltmeisterschaft im gleichen Jahr in Deutschland. „Lasset die Kicker zu mir kommen“, laute der Slogan für die geplanten missionarischen Aktivitäten. Bärend bedauerte, daß sich die beiden großen Kirchen bisher nicht zu einem gemeinsam Projekt mit der „Koalition für Evangelisation“ bereitgefunden hätten. Die Türen blieben aber offen: „Es geht ja um die Menschen, nicht um Kirchenpolitik.“ Erfreut äußerte sich Bärend über die Arbeit des neuen Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung an der Universität Greifswald. Theologen nutzten die Möglichkeit zur Promotion und zur Fortbildung. Bärend dankte den Landeskirchen in Pommern, Baden, Württemberg und Rheinland, daß sie das Institut durch personelle Unterstützung und Sachmittel ermöglicht haben.