17.03.2005
Seelsorgeleiter praktizieren Einheit in der Verschiedenheit
Petersen: Atmosphäre deutlich verbessert
Unterschiedliche Konzepte und Ansätze sollte die christlichen Seelsorger und ihre Werke nicht trennen. Diese Ansicht vertrat der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Präses Peter Strauch (Witten), bei einer Konferenz christlicher Seelsorge-Initiativen in Marburg. In der Zugehörigkeit zu Jesus Christus sei die Einheit begründet, die auch von den Seelsorgern praktiziert werden könne. Dazu brauche es die Annahme des anderen und es sei ein von Gott gewollter Umgangsstil erforderlich. In der Vergangenheit war es innerhalb der evangelikalen Bewegung zu teilweise öffentlichen Auseinandersetzungen um das biblische Konzept der Seelsorge und über Fachfragen gekommen.
Daraufhin war im März 2001 der "Arbeitskreis Seelsorge" der DEA gegründet worden mit der Aufgabe die unterschiedlichen evangelikalen Seelsorgekonzepte stärker zusammenführen und die Zusammenarbeit der Werke verbessern. Vorsitzender ist seitdem der Leiter der Seelsorgeabteilung des Evangeliums-Rundfunks (ERF), Pastor Harald Petersen (Wetzlar). Nach Petersens Angaben hat sich die Atmosphäre zwischen den Seelsorgeinitiativen spürbar verbessert. Erstes Ergebnis der Gespräche war im Jahr 2003 eine Konferenz für christliche Seelsorgeinitiativen.
Der frühere Dozent am Theologischen Seminar der Freien evangelischen Gemeinden in Ewersbach (Mittelhessen)und KSA-Supervisor, Willy Weber, wies bei der Tagung mit 19 Vertretern von Seelsorge-Initiativen darauf hin, dass sich das Bild der Seelsorge in der Kirchengeschichte mehrfach gewandelt habe. Zunächst habe sie dem Kampf gegen die Sünde in der Auseinandersetzung mit dem Heidentum gegolten. Im Mittelalter verdichtete sie sich zum Beichtsakrament. In der Reformationszeit entdeckte man das Trostamt der Seelsorge. Die Schweizer Reformatoren legten stärkeren Wert auf den "Hirtendienst" des Seelsorgers. Im Pietismus sei ihr die Aufgabe der Erbauung und Seelenpflege zugeteilt worden, in der Aufklärung um Bildung und Lebenshilfe. Die letzten Jahrzehnte seien bestimmt worden von der Kooperation der Seelsorge mit verschiedenen therapeutischen Konzepten. Inzwischen gehe es in der Seelsorge nicht immer nur um das Arbeiten in der Tiefe, sondern es geschehe viel Alltagsseelsorge, die kleinen Hilfen im Alltäglichen bietet in Verbindung mit einer neu aufbrechenden Spiritualität.