03.03.2005

Wie würde Deutschland aussehen, wenn Jesus Kanzler wäre?

US-Evangelikaler fordert ganzheitliche Mission: Für Arme beten und engagieren <br />

Wie würde Deutschland aussehen, wenn Jesus Kanzler wäre?

US-Evangelikaler fordert ganzheitliche Mission: Für Arme beten und engagieren

R e h e (idea) – Für eine stärkere Verknüpfung von Evangelisation und sozialem Engagement in der evangelikalen Missionsarbeit hat sich der bisherige Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, der US-Amerikaner Gary Edmonds (Seattle), ausgesprochen. Nach wie vor stehe bei vielen Evangelikalen die „Rettung von Seelen“ im Vordergrund, während das Eintreten für das irdische Wohl der Menschen vernachlässigt werde. Beides müsse jedoch eine Einheit bilden. Jesus Christus wolle seine Botschaft nicht nur im Leben des Einzelnen zur Geltung bringen, sondern auch in Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien. „Wie würde Deutschland aussehen, wenn Jesus der Kanzler wäre“, fragte Edmonds auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), die vom 1. bis 3. März in Rehe (Westerwald) stattfand. Er war Hauptreferent des Treffens zum Thema „Ganzheitliche Mission“. Der 55jährige plädierte für Veränderungen in der Missionarsausbildung. Es reiche nicht aus, für Arme und Unterdrückte zu beten. Missionare müßten auch wissen, wie man die Lebensverhältnisse Notleidender verbessern könne.

Auswirkung von Mission in Albanien: Korruption ging zurück

Nach Einschätzung von Edmonds wirkt sich ein ganzheitliches Missionsverständnis positiv auf die Entwicklung eines Landes aus. So habe dadurch in Albanien die Korruption deutlich abgenommen. In afrikanischen Gemeinden wachse die Bereitschaft, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen oder Aids-Kranken zu helfen. In Ländern, wo der Glaube der Christen keine gesellschaftlichen Auswirkungen habe, könne dies verheerende Folgen haben. So sei in Ruanda ein Völkermord an den Tutsi mit 800.000 Toten geschehen, obwohl 80 Prozent der Einwohner Kirchen angehörten. Simbabwe gehe derzeit gesellschaftlich „den Bach herunter“ trotz eines Bevölkerungsanteils der Christen von 70 Prozent.

Edmonds riet Politikern vom Irak-Krieg ab

Edmonds äußerte sich auf idea-Anfrage auch zum Irak-Krieg. Er habe im Vorfeld die politisch Verantwortlichen gebeten, nach Alternativen zu suchen. Ihm sei klar gewesen, daß sich die Lage der Christen im Irak durch einen Krieg verschlechtern würde. „Ich bete täglich zu Gott für Frieden und für die Kirche im Irak, die zerstreut worden ist.“ Mit Tränen in den Augen fügte er hinzu: „Ich stehe vor Ihnen als Bürger der USA, aber auch als Bürger des Reiches Gottes.“ Es werde nicht mit dem Schwert ausgebreitet, sondern mit Liebe und Wahrheit. Edmonds ist jetzt Direktor der Organisation „Churches together“ (Kirchen gemeinsam). Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Kampf gegen Aids Partnerschaften zwischen nordamerikanischen und afrikanischen Kirchen zu bilden.

Entwicklungsprojekt kann Türöffner für Evangelisation sein

Die Teilnehmer der Tagung waren sich einig, daß die AEM-Mitgliedswerke fast durchweg die Verkündigung der christlichen Botschaft mit sozialdiakonischen Projekten verbinden. Wie es hieß, könne ein Entwicklungsprojekt der Türöffner sein, um evangelistisch zu wirken. Der Vorsitzende der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO), Klaus Strub (Nierstein), sagte, vielen Missionaren fehle bisher die fachliche Qualifikation für die Projektarbeit. Deshalb müsse die Ausbildung entsprechend verändert werden.

Zahl der AEM-Mitgliedswerke auf 89 gestiegen – Fast 2.900 Mitarbeiter ausgesandt

Fünf neue Missionswerke wurden in die AEM aufgenommen, deren Mitgliederzahl sich damit auf 89 erhöhte. Es handelt sich um die Aktion Nehemiah (Bendorf/Rhein), den Evangeliumsdienst für Israel (Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart), das Missionswerk „Kreuz des Südens“ (Waldenbuch bei Stuttgart) und den Sozialdienst des Missionswerkes der Freikirche „Gemeinde Gottes“. Ein weiteres Werk will nicht genannt werden, um seine Arbeit in für die Mission verschlossenen Ländern nicht zu gefährden. Die AEM-Mitgliedswerke entsenden 2.871 Missionare.