29.06.2005

Italienischer Theologe: Evangelikale im Umgang mit „Rom“ naiv

Vizepräsident der Evangelischen Allianz Italiens: Keine gemeinsame Evangelisation möglich<br />

Italienischer Theologe: Evangelikale im Umgang mit „Rom“ naiv

Vizepräsident der Evangelischen Allianz Italiens: Keine gemeinsame Evangelisation möglich

R e i s k i r c h e n (idea) – Naivität im Umgang mit der katholischen Kirche wirft ein führender Evangelikaler Italiens der internationalen evangelikalen Bewegung vor. Viele Evangelikale seien nicht in der Lage, das System des Katholizismus und seine Pläne zu durchschauen, erklärte der Vizepräsident der Italienischen Evangelischen Allianz, Leonardo De Chirico (Padua), in einem Interview mit der Zeitschrift „Bekennende Kirche“ (Reiskirchen bei Gießen). Man dürfe sich nicht ein paar Aspekte des Katholizismus herausgreifen, die einem gefallen, und darüber die unbiblischen Lehren der Kirche übersehen. Als Beispiel nennt er das katholische Bemühen um eine Neu-Evangelisierung Europas. Im Gegensatz zu Evangelikalen, die darunter verstärkte missionarische Anstrengungen verstünden, strebe die katholische Kirche eine Ausweitung ihres Machtbereiches an. Laut De Chirico kann es angesichts schwerwiegender theologischer Unterschiede keine „echte geistliche Gemeinschaft“ zwischen Protestanten und Katholiken geben. Es gebe kein gemeinsames Verständnis des Evangeliums. „Deshalb können wir auch nicht zusammen evangelisieren“, so der Theologe. Auf die Frage, ob sich die italienische Allianz-Sicht von der der Weltweiten Evangelischen Allianz und der Deutschen Evangelischen Allianz unterscheide, antwortete De Chirico, er respektiere andere theologische Positionen. Sein Anliegen sei, der weltweiten evangelikalen Gemeinschaft theologische Einsichten und Erfahrungen von Evangelikalen zugänglich zu machen, die sich täglich mit dem römischen Katholizismus auseinandersetzen müßten.

Katholiken und Evangelikale sehen Bibel unterschiedlich

Kritik übt der freikirchliche Theologe insbesondere an US-amerikanischen Evangelikalen. Sie hätten zusammen mit katholischen Theologen ein gemeinsames Bekenntnis zur Bibel veröffentlicht, obwohl die Heilige Schrift von beiden Seiten unterschiedlich gesehen werde. Für Evangelikale sei die Bibel das unverfügbare Wort Gottes, während es nach katholischem Verständnis dem kirchlichen Lehramt nachgeordnet sei. De Chirico verfaßte 1999 die „Padua-Erklärung“, die zu einem offiziellen Dokument der Italienischen Evangelischen Allianz wurde. Darin heißt es, die Distanz, die den heutigen Katholizismus vom evangelikalen Glauben trenne, sei nicht geringer als zur Zeit der Reformation.