13.07.2005

Kommt nach dem Ende die Wende?

Was ist jetzt für Evangelikale dran?<br />Hartmut Steeb hat für idea, die Lebendige Gemeinde und das Magazin Eins die zurückliegende Regierungszeit analysiert und zeigt, was jetzt dran ist, damit es zu einer Wende kommt.

Kommt nach dem Ende die Wende?

Was ist jetzt für Evangelikale dran?
Hartmut Steeb hat für idea, die Lebendige Gemeinde und das Magazin Eins die zurückliegende Regierungszeit analysiert und zeigt, was jetzt dran ist, damit es zu einer Wende kommt.

Wenn nicht alles täuscht, hat die rot-grüne Bundesregierung ausgedient. Sie hat das in sie von der Wählermehrheit 1998 und 2002 gesetzte Vertrauen verwirkt. Ihre herben Wahlniederlagen haben es auch für den Letzten an den Tag gebracht: Ihre Tage sind gezählt. Der rot-grüne Spuk ist dann zu Ende. Und wir Evangelikalen fragen mit vielen Anderen: Kommt nun nach dem Ende die Wende?

Wir wollen es nicht vergessen: Uns geht es 2005 im allgemeinen zwar etwas schlechter als noch im Jahr 2000; aber fast alle Nationen dieser Welt, und vor allem der so genannten Zwei-Drittel-Welt, würden unsere Probleme mit Handkuss gegen ihre Probleme eintauschen. Denn selbst wer im unteren Drittel des gesellschaftlichen Wohlstandes in unserem Land angekommen ist, lebt noch im oberen Drittel der Weltgemeinschaft. Es wäre gut, wenn wir im Zeitalter der Globalisierung auch dafür einen globaleren Blick bekämen, der uns neu zur gut pietistischen Frömmigkeitsweisheit führt: „Es gibt jeden Tag mehr Grund zum Danken als zum Klagen“. In vielem haben wir Deutschen ja unsere Spitzenstellung längst eingebüßt: Arbeitsfleiß, Bildung, Erfindergeist, Kultur, Sport, Wirtschaft, Wissenschaft und noch mehr. Nun könnten wir doch ohne Not auch noch den letzten Weltmeistertitel abgeben, der uns ohnehin nicht so gut ansteht: Unseren Weltmeistertitel des Klagens!

Wir wollen es nicht vergessen: Schon einmal versprach uns eine Regierung eine geistig-moralische Wende. Ich getraue es mir auszusprechen: Sie kam nicht! Wir haben auch schon zu Zeiten einer schwarz-gelben Regierung auf manche Wende vergeblich gewartet: Der Schuldenberg wuchs; der Lebensschutzstandard für ungeborene Kinder schmolz; die Familien wurden – so hat es das Bundesverfassungsgericht ein halbes Dutzend mal beurteilt – verfassungswidrig benachteiligt. Und eine Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat auch schon in diesen Zeiten ethische Maßstäbe zerstörende Schriften herausgebracht. Und trotz vieler Fortschritte nach der politischen Wende der Jahre 1989/1990: Natürlich wurde politisch zwar vieles, aber nicht alles richtig gemacht.

Aber die letzten sieben Jahre haben uns vor Augen geführt, wie schnell es weiter bergab gehen kann:

1. Wir haben jetzt eine Schuldenlast, die eine soziale Ungerechtigkeit erster Ordnung für die nachfolgenden Generationen darstellt. Wer mehr Geld ausgibt, als er einnimmt und noch nicht einmal einen Plan hat, wie er diese Schulden in absehbarer Zeit aus normalen Einnahmequellen wieder zurückzahlen kann und will, handelt verantwortungslos. Ach würden unsere Finanzminister doch auf den Rat des Josefs gehört haben: In guten Jahren zurücklegen für die schlechten. Stattdessen haben wir in den guten Jahren über die Verhältnisse gelebt und sind noch nicht einmal bereit uns in den schlechteren auf das Maß des Notwendigen zurückzuziehen. Ich leiste mir den Luxus, mir die meisten Pressemeldungen der Bundesregierung zustellen zu lassen. Und deshalb sage ich: Wöchentlich, wenn nicht sogar täglich, werden weiterhin Millionen unnötig verpulvert. Wir leben über unsere Verhältnisse. Und darum wäre es das falsche Signal, daraufhin mit Steuererhöhungen zu reagieren, und sei es die Mehrwertsteuer. Nein, in Zeiten knapper Kassen ist Sparen dran, konsequentes Sparen. Und da müssen dann auch unbequeme Entscheidungen getroffen werden. Man darf sich dann eben nur noch das Notwendige leisten.

2. Die Würde des Menschen ist ausgehöhlt. Die Abtreibungsquote steigt unaufhörlich an. Bei den ständigen ansteigenden Teenagerschwangerschaften werden mehr als die Hälfte durch die Tötung des Kindes abgebrochen. Das Wertebewusstsein hat Schwindsucht. Anstelle einer positiven Unterstützung von Ehe und Familie als der Keimzellen einer gesunden Gesellschaft hat rot-grün die dekadente Lebensweise gleichgeschlechtlicher Paare hoffähig gemacht. Praktizierte Homosexualität und Lesbentum läuten schon – weil sie nicht auf das biblische Gebot „Seid fruchtbar und mehret euch“ angelegt sind - von Natur aus die Totenglocke der Gesellschaft ein. Wer ihre Förderung betreibt – und sei es auch nur mit dem Stichwort Toleranz oder Antidiskriminierung - zementiert Mangel an Zukunftswillen.

3. Die Familie wurde nicht gestärkt sondern ausgehöhlt. Nicht der zukunftsträchtige Beruf „Mutter und Hausfrau“ (meinetwegen auch Vater und Hausmann) hat eine gesellschaftliche Anerkennung gefunden; stattdessen hat aber die organisierte Unzucht der Prostitution den Status eines „Berufs“ erlangt. Und die „Lufthoheit über den Kinderbetten“ wird mit unseren Steuergeldern durch eine völlig einseitige Bevorzugung der nicht-familiären Kinderbetreuung den Familien entzogen, weil die Frauen ja anscheinend „arbeiten müssen und wollen“. Damit wird so getan, als ob die Arbeit in der „wichtigsten Werkstatt des Atomzeitalters, in der die Zukunft gestaltet wird und die Gegenwart ihren Gehalt gewinnt“, nämlich dem familiären Zuhause, keine Arbeit wäre. „KKK ist out. www ist in“ (KKK steht für Kinder, Kirche, Küche, www für world-wide-web, das Internet) hat diese Bundesregierung ungestraft als frauenfördernde Zukunftsinitiative ausgegeben.

Kommt nach dem Ende die Wende?

In der allgemeinen politischen Landschaft geht man davon aus, dass die Wirtschaft unter einer erwarteten schwarz-gelben Regierung wieder flotter wird. Die Börse reagiert schon allein auf diese Möglichkeit hin mit kräftigen Ausschlägen. Es wird schon stimmen! Und es wäre gut für unser Land, wenn die Leistungskraft gestärkt, die Arbeitslosigkeit gesenkt, die Lohnnebenkosten vermindert, das Steuersystem vereinfacht, die Bürokratie abgebaut, das Sozialversicherungssystem entschlackt, die Ausbildungszeit verkürzt, die Arbeitszeit verlängert und dann auch die Politikverdrossenheit gesenkt würde. „Arbeit war sein Leben“ ist aber die geeignete Grabaufschrift für einen Esel und nicht für einen Menschen. Weil der Mensch nicht vom Brot allein lebt, brauchen wir noch viel mehr als alles andere eine Wende hin zur Verantwortung vor Gott, wie es in der Präambel unseres Grundgesetzes unübertroffen formuliert ist. Und das heißt: Klarheit über das, was in Gottes Augen Recht und was Unrecht ist.

Jeremia hat dem Volk Israel den Auftrag gegeben: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn es ihr gut geht, geht es euch auch gut“ (Jeremia 29). Und er hat auch dazu aufgefordert, trotz Gefangenschaft, trotz Sklaverei, nicht in Pessimismus zu verfallen, ja sogar zu heiraten und Kinder zu gebären. Das „Gericht beginnt am Hause Gottes“ (1. Petrus 4,17). Ich glaube, dass auch die Wende im Hause Gottes beginnt. „Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt“.

Darum lasst uns

1. für alle Politiker und Kandidaten für die Bundestagswahl beten; auch für diejenigen, die wir nicht wählen und nicht wollen. Sie haben ein Amt. Wir helfen ihnen am allerbesten durch tägliche Fürbitte.

2. unseren Mund auftun – das heißt auch unseren Füller bedienen oder die Tasten schlagen – und den Kandidaten sagen, was wir wollen: Ja zu Gottes Wegen und Nein zu menschlichen Irrwegen. Lasst uns ihnen schreiben und sagen, dass es nicht nur um Wirtschaft und Arbeit sondern um Ehrfurcht vor Gott und darum konsequenten Schutz des menschlichen Lebens geht; nicht um staatliche „Lufthoheit über den Kinderbetten“, sondern um wirkliche Förderung von Ehe, Familie, biblischen Werten.

3. selbst vorbildlich leben. „Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr mit guten Taten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft“ (1. Petrus 2,15). Lasst uns deshalb Vorbild sein
- in der Treue – am Arbeitsplatz und in der Ehe
- in der Wahrheit – bei Anträgen für Sozialleistungen und bei der Steuererklärung
- im Engagement – bei der Pflege Älterer, der eigenen Kindererziehung und im Elternbeirat der Schule.

Kurz gefasst: „Gebt der Demokratie, was der Demokratie und Gott was Gott gehört“ (zeitgemäße Übertragung von Matthäus 22,21): Mitwirkung im Gebet, mit Herzen, Mund und Händen und Gott allein die Ehre geben. Nur so kann es zu einer nachhaltigen Wende kommen. Und die brauchen wir – dringend!