03.07.2005

In ihrer 100-jährigen Geschichte hatte die Bibelschule Wiedenest 4.000 Absolventen

B e r g n e u s t a d t (idea) – Mit einer Glaubenskonferenz unter dem zweisprachigen Motto „Bewegt von Jesus – Empowered by Jesus“ hat das Missionshaus Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt bei Gummersbach) vom 1. bis 3. Juli sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Der Vorstandsvorsitzende des Werkes, der Unternehmer Joachim Loh (Haiger), und der Leiter Gerd Goldmann wiesen darauf hin, daß „Wiedenest“ zwar ein Werk innerhalb der Bewegung der Brüdergemeinden sei, daß man aber auch anderen Gemeinden dienen wolle. Der überkonfessionelle Charakter sei schon immer ein Kennzeichnen der Arbeit gewesen. So sei die Bibelschule 1905 als „Allianz-Bibelschule für Innere und Äußere Mission“ gegründet worden. Seit 1919 ist das Werk in Bergneustadt-Wiedenest ansässig.

Große Nachfrage unter Studierenden

Insgesamt 4.000 Studierende haben in den 100 Jahren die ein- bis dreijährige Ausbildung durchlaufen, um sich für den haupt- oder ehrenamtlichen Dienst in Gemeinden, in der Jugendarbeit oder der Mission vorzubereiten. Derzeit sind 140 Studierende an der Bibelschule eingeschrieben. Die Nachfrage ist nach Angaben der Leitung groß. Jährlich müsse man etwa genau so vielen Bewerben absagen wie man aufnehmen könne. Wie Goldmann sagte, gehen etwa ein Drittel aller Absolventen in den Gemeindedienst in Deutschland, ein weiteres Drittel engagiere sich in freien christlichen Werken oder in der Weltmission, und die übrigen kehrten in ihren Beruf zurück.

Neue Ausbildung zum Evangelisten

Um auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen noch besser reagieren zu können, will die Bibelschule ab dem kommenden Jahr eine besondere Ausbildung zum Evangelisten und auch zum Jugenddiakon anbieten. Neben der Bibelschule gehört ein Missionshaus zum Gesamtwerk. Es unterstützt 140 Missionare in 18 Ländern. Zusätzlich gehört ein „Wiedenester Gemeindeforum“ zum Werk, das Freizeiten, Schulungen und Fachkonferenzen anbietet.

Bibel schützt vor Materialismus

Vor den 550 Besuchern der Konferenz bedauerte der Hauptredner, der britische Mathematiker Prof. John Lennox (Oxford), daß auch unter evangelikalen Christen das Bibelwissen immer mehr abnehme. Der christliche Glauben biete aber in der Bibel Antworten auf alle Grundfragen der Menschheit, wie sie auch der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) gestellt habe: „Was kann ich wissen, worauf kann ich hoffen, was muß ich tun?“ Wer die Bibel kenne, brauche keine Angst vor der Postmoderne und dem Materialismus zu haben. Den Materialismus bezeichnete Lennox als „kleine, armselige Philosophie“: „Er will uns glauben machen, daß wir hier 70 Jahre leben – und dann nichts mehr kommt.“ Die Menschen seien nicht mehr als „ein Ekzem im Gesicht des Alls“. Dabei sei die Unendlichkeit des Alls ein Hinweis auf die noch viel größere Größe Gottes.

Mission durch Gemeindegründung

Im Vorfeld der Konferenz fand unter dem Motto „Vision für Europa“ ein Europäischer Brüdertag statt. Die 150 Delegierten verabschiedeten dabei eine „Wiedenester Erklärung“. Sie unterstreicht die Notwendigkeit der Mission: „Aus der Kraft der Liebe Gottes setzen wir uns dafür ein, daß in unseren Heimatländern, in Europa und der ganzen Welt Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen; Gemeinden tiefer gegründet werden und wachsen; neue Gemeinden entstehen“. Wie es weiter heißt, sei die Gründung neuer Gemeinden „langfristig eine sehr effektive Form der Evangelisation“. Die Brüderbewegung setzt sich in Deutschland aus drei unterschiedlichen Strängen zusammen: aus der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, aus freien Brüdergemeinden und aus exklusiven Brüdergemeinden, die Kontakt zu anderen Kirchen und Freikirchen ablehnen. Ingesamt repräsentiert die Brüderbewegung etwa 38.000 Angehörige in über 600 Gemeinden.