17.01.2005

Betende Christen gehen immer mehr in die Öffentlichkeit

In diesem Jahr viele außergewöhnliche Aktionen bei Gebetswoche<br />

Betende Christen gehen immer mehr in die Öffentlichkeit

In diesem Jahr viele außergewöhnliche Aktionen bei Gebetswoche

(idea/dea) - Während der diesjährigen Gebetswoche der Evangelischen Allianz haben Christen vielerorts ihre Kirchenräume verlassen, um an öffentlichen Orten Gott zu danken und für Verantwortliche in Politik und Gesellschaft zu bitten. Treffpunkte waren unter anderem Rathäuser, Stadthallen und Betriebe. Auf diesen Trend hat der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), aufmerksam gemacht. Nach seinen Schätzungen haben sich wie in den Vorjahren rund 400.000 Christen an 1.250 Orten in Deutschland an den Gebetstreffen vom 9. bis 16. Januar beteiligt. Zum Gebet an „weltlichen“ Orten sagte Steeb gegenüber idea: „Es macht schon einen mentalen Unterschied in der inneren Anteilnahme, ob man für die Stadtregierung in der Kirche betet oder vor dem Rathaus, für die Wirtschaftsführer in der Kirche oder im Betrieb.“

"Vaterunser" war zugleich eine "Intensiv-Gebetsschule"

Nach seinen Angaben stieß das Vaterunser als Gebetsthema auf sehr positive Resonanz. Gerade angesichts mancher Sprachlosigkeit sei es wichtig, von und mit Jesus beten zu lernen. Gerade dass wir zu Gott "Vater" sagen dürfen, unmittelbaren Zugang zu ihm haben und nicht "auf Terminvereinbarungen und Sprechstunden" angewiesen seien, sei Grund zum Staunen. Gott, der König aller Könige und Herr aller Herren "macht nicht nur dann und wann einen Tag der offenen Tür" sondern habe ständig ein "offenes Ohr" für uns.

Beten erleben und beten in der Öffentlichkeit

Interessierte konntein der Solinger Stadtkirche einen „Gebetsparcours“ durchlaufen, um sich die Bedeutung des Vaterunsers an 27 Stationen bewußt zu machen. Täglich kamen bis zu 100 Besucher, darunter auch Schulklassen. In der Stadt im Bergischen Land unternahmen Christen außerdem Gebetsspaziergänge. An verschiedenen Orten baten sie Gott um Segen für die Bürger. Vor einem Polizeigebäude beteten sie unter anderem für Frieden in Schulen und Familien. „Wir gehen mit offenen Augen durch die Straßen, lernen die Nöte der Menschen besser kennen und können dadurch intensiver beten“, sagte die Koordinatorin der Aktion, Ruth Hoffmann. In Hannover zogen über 50 Beter durch die Innenstadt. Am Portal des Niedersächsischen Landtags beteten sie für Regierung und Opposition und sangen den Choral „Großer Gott wir loben dich“. Bei der Aktion kam es auch zu Gesprächen mit Passanten über den christlichen Glauben, berichtete der Vorsitzende der Allianz, Pastor Michael Olfermann. An der Marktkirche betete die Gruppe unter anderem für den Deutschen Evangelischen Kirchentag Ende Mai in Hannover und für geistliche Einheit unter Christen. Auch in München beteten die Christen an Schaltstellen öffentlicher Wirksamkeit. In Bielefeld und Marburg versammelten sich 200 bzw. 160 Christen im Rathaussaal, um für Kommunalpolitiker zu beten.

Abschlussgottesdienste

Zum Schluß der Gebetswoche trafen sich Tausende Christen zu Gottesdiensten. In Stuttgart sprach der württembergische Bischof Gerhard Maier vor rund 800 Besuchern. Allianz-Generalsekretär Steeb sagte im Bremer Dom vor rund 700 Gästen, das „grauenvolle Geschehen“ der Flutkatastrophe in Südostasien gebe dem Menschen nicht das Recht, an Gottes Macht zu zweifeln: „Er ist und bleibt der Souverän, der alle und alles in der Hand hat.“ Ein weiterer Höhepunkt in Bremen war ein zentraler Gebetsabend für alle christlichen Gemeinden. Die rund 600 Besucher gingen dabei buchstäblich auf die Knie, um Gott um einen geistlichen Aufbruch in der Hansestadt zu bitten.

Wenn Leid die Kraft zur Anbetung nimmt

Knapp 900 Christen versammelten sich zum Abschluß der Gebetswoche in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis. Dabei sagte der theologische Leiter des Jugendverbandes „Entschieden für Christus“ (EC), Pfarrer Rudolf Westerheide (Kassel), in Lobpreisliedern dürfe es nicht nur um ein „Gott-ist-toll-Gefühl“ gehen. Der christliche Glaube könne auch in leidvolle Situationen führen, in denen man nicht mehr die Kraft zur Anbetung habe, sondern auf die Fürbitte anderer angewiesen sei. Nach Angaben der Hamburger Allianz trafen sich in der Hansestadt insgesamt rund 3.000 Christen zum Gebet. In der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche forderte Pastor Hans-Peter Pache vom Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden die rund 400 Teilnehmer des Schlußgottesdienstes auf, Spannungen innerhalb der Christenheit auszuhalten und sich um geistliche Einheit zu mühen. „Wir müssen entdecken, daß wir alle einander brauchen“, so Pache. Der Direktor der Berliner Stadtmission, Hans-Georg Filker, sprach in Görlitz. Der Gebetsschluss des Vaterunser - „Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ - relativiere die menschlichen Reiche, Kräfte und Stars.

Gebet auch rund um die Uhr

In Chemnitz bot die Allianz einen „Gebetsmarathon“ rund um die Uhr an. Daran beteiligten sich rund 100 Personen, vorwiegend Jugendliche. Die Allianz in Nürnberg veranstaltete einen internationalen Gebetsgottesdienst mit 180 Teilnehmern aus etwa 20 Nationen. Auch in München wurde ein Gebetsfest mit den ausländischen Gemeinden gefeiert.