08.01.2005

O GOTT, UNSER VATER

Gedanken zur Allianzgebetswoche von Herbert Reber, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz und Inspektor des Thüringer Gemeinschaftsbundes

O GOTT, UNSER VATER

Gedanken zur Allianzgebetswoche von Herbert Reber, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz und Inspektor des Thüringer Gemeinschaftsbundes

Vom Helfen war in diesen Tagen sehr viel die Rede. Und nicht nur das. Bilder zeigten das apokalyptische Ausmaß der Not, die nach Hilfe schreit. Sie zeigten Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen helfen. Und sie zeigten auch Menschen, die inmitten der Zerstörung beten. - Als noch kein Mensch an eine solche Katastrophe denken konnte, wurde für die kommende Woche festgelegt: Es findet wieder die alljährliche weltweite Gebetswoche der evangelischen Allianz statt, und zwar mit dem wohl bekanntesten Gebet, dem „Vaterunser“, als Hauptthema.
Es mag mancher sich mit der Frage plagen, wie er den Gedanken an Gott, den Vater, mit dem Ausmaß der Not zusammen bringen kann. Andere finden gerade darin ihren Halt, dass sie wissen: In dieser Welt ist zwar nicht nur paradiesische Freude, sondern auch bei-ßende Not zu Hause. Aber doch hält Gott sie in der Hand und bewahrt sie vor dem end-gültigen Absturz. Aber doch hat Gott mich in der Hand und ist in dieser Zeit bis in alle Ewigkeit an meiner Seite. - Deshalb reden Christen sowohl in Zeiten des unbeschwerten Glückes als auch während erschütterndster Not Gott als ihren Vater an. So haben sie es von Jesus gelernt. So buchstabieren sie es voller Vertrauen nach. So entspricht es letztlich ihrer innersten Überzeugung.
Doch nicht nur Vertrauen und Halt kommen in den Blick, wenn Menschen Gott als „unse-ren Vater“ anreden. Das Wörtchen „unser“ schließt mit anderen zu „einer Familie“ zu-sammen, weckt Verantwortung und Hilfe füreinander. Dieses Zusammengehörigkeitsge-fühl, das sich in einer grandiosen Hilfsaktion manifestiert, beflügelt aktuell Menschen in der ganzen Welt, ganz gleich ob sie das „Vaterunser“ beten oder nicht. Hier ist die Saat guter Gedanken in einer Art und Weise aufgegangen, die nur beglücken kann. Jesus, der seine Anhänger dieses Gebet lehrte, hatte in seinem Gleichnis vom „Barmherzigen Samariter“ die Hilfsbereitschaft von den Schranken gelöst, die durch Nationalität, Religion und gesellschaftlichen Stand aufgerichtet werden können. Er hat stattdessen Hilfsbereitschaft auf die Bedürftigkeit dessen orientiert, der „unter die Räuber gefallen“ ist.
Sorgen wir mit dafür, dass hilfsbereites Einstehen füreinander zur permanenten Selbstver-ständlichkeit in Familie, Gesellschaft und Weltgemeinschaft wird! Lassen wir uns einla-den, bei Gott, unserem Vater, Halt zu suchen und Halt zu finden. Und: Wir laden ein, während der Allianzgebetswoche über das Vaterunser nachzudenken und für uns und unsere Welt laut oder leise mit zu beten.