17.02.2005
Die eigene Denomination ist dem Herzen Gottes nicht näher
Grußwort des Allianzvorsitzenden Peter Strauch bei einem Empfang von Willow Creek Deutschland am 18. Februar 2005 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle
Die eigene Denomination ist dem Herzen Gottes nicht näher
Grußwort des Allianzvorsitzenden Peter Strauch bei einem Empfang von Willow Creek Deutschland am 18. Februar 2005 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle
"Ca. 14 Jahre war ich alt, als amerikanische Christen in meine Heimatstadt Wuppertal kamen, um die gute Nachricht von Jesus Christus weiterzusagen. In den Jahren davor hatte man vieles versucht, um vor allem junge Leute mit dem Evangelium zu erreichen - doch ohne wirklichen Erfolg. Die Veranstaltungen dieser amerikanischen Missionare waren dagegen sehr einfach. Sie predigten in einem Deutsch, dass nicht leicht zu verstehen war und sangen Lieder, über die so mancher Kirchenmusiker die Nase rümpfte. Aber viele junge Leute kamen damals zum Glauben an Jesus Christus. Es entstand eine geistliche Bewegung unter Jugendlichen, die auch vor Schulen und Klassenzimmern nicht Halt machte. Fragt man, was das Geheimnis war, so gibt es darauf keine unmittelbar schlüssige Antwort. Schließlich ist es immer ein Wunder, wenn Menschen Christen werden. Und doch war da etwas, das mich tief beeindruckte. Es war die Liebe dieser Amerikaner, ihre Liebe zu Gott und ihre Liebe zu den Menschen. Ihre Liebe zu Gott zeigte sich in ihrem unmittelbaren Umgang mit Jesus. Er schien ihnen konkurrenzlos wichtig zu sein. Und sie liebten ganz offensichtlich uns Deutsche, was in der 50er Jahren nach dem von uns angezettelten schrecklichen Krieg keine Selbstverständlichkeit war.
Die Liebe scheint mir auch eines der Geheimnisse von Willow Creek zu sein. Da ist eine Liebe zu Gott, die niemand unberührt lässt. Jesus Christus ist für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieser amerikanischen Gemeinde ganz offensichtlich nicht nur eine historische Person, sondern lebendige Wirklichkeit. Ihn lieben sie so sehr, dass sie von ihm reden und singen müssen. Sie können ihre Erfahrungen mit ihm nicht für sich behalten. Das bekommen auch die Teilnehmer an den deutschen Willow-Creek-Kongressen zu spüren. Ich erinnere mich an den Leitungskreis einer Gemeinde, der vor einigen Jahren zum ersten Kongress nach Hamburg fuhr, um neue Methoden für die missionarische Gemeindearbeit zu lernen, aber vor allem mit einer intensiven geistlichen Erfahrung zurückkehrte, die zur Versöhnung untereinander führte.
Und da ist die Liebe zu den Menschen, die kulturelle Barrieren überwindet und das Evangelium so weitergibt, dass auch kirchenfremde Menschen verstehen, um was es dabei geht. Hin und wieder wird bei uns befürchtet, die Leute von Willow Creek stülpten uns eine amerikanische Kultur über, die uns Deutschen wesensfremd sei. Aber die Angst ist unbegründet. Eine Bewegung wie Willow Creek, die sich in ihrem dritten Grundwert der kulturellen Relevanz verschrieben hat, würde damit gegen ihr eigenes Prinzip verstoßen. Kirchenfremde Menschen so sehr lieben, dass man ihren Lebensraum, ihre Ängste und Sorgen versteht, darum geht es. Nur wer sich darum ernsthaft bemüht, kann ihnen das Evangelium so weitergeben, dass es nicht schon an der Übermittlung scheitert. Die Liebe zu den Menschen öffnet den Weg zu ihren Herzen. Auch diese Erkenntnis gehört unmittelbar zu Willow Creek.
Und da ist noch etwas, das mich vor allem als Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz bewegt: Menschen, die durch die Arbeit von Willow Creek Gottes Anliegen für unser Land verstanden haben, werden eher die trennenden Zäune der eigenen Gemeindezugehörigkeit überwinden können. Wer entdeckt, dass auch in anderen Kirchen die Sehnsucht lebt, Gottes Liebe weiterzugeben, kann nicht länger so tun, als sei seine eigene Denomination dem Herzen Gottes näher als andere. Er wird sich hinein geben in die große Bewegung des Volkes Gottes, damit Menschen zum Glauben an Jesus Christus und damit zum Leben kommen. Es gibt nichts, was wichtiger wäre."