29.08.2005

Wie die Kirchen der Reformation zu reformieren sind

Rezepte gegen den Abwärtstrend: Experten zu Theologie, Gottesdienst und Evangelisation

Wie die Kirchen der Reformation zu reformieren sind

Rezepte gegen den Abwärtstrend: Experten zu Theologie, Gottesdienst und Evangelisation

Trotz des beeindruckenden Kölner Weltjugendtages, an dessen Schlussmesse 1,1 Millionen Menschen teilgenommen haben, hilft es nichts, wenn Protestanten neidisch auf die katholische Kirche sehen. Sie müssen sich selbst in Landes- und Freikirchen fragen: Was muss sich ändern, damit die eigene Situation besser wird? idea hat dazu einige Experten gebeten, sich zu den Themen Theologie, Gottesdienst und Evangelisation zu äußern. Unter anderem hat dazu Dr. Rolf Hille, Mitglied des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz und Vorsitzender des Arbeitskreis für evangelikale Theologie Stellung genommen. Wir dokumentieren seinen Beitrag.

Studenten in geistlichem Leben einüben

Es ist mit Händen zu greifen: Die Kirchen der Reformation brauchen eine grundlegende Reform. Das heißt nicht zuletzt eine Erneuerung der Theologie und der theologischen Ausbildung. Wie kann die geschehen?
1. Es fängt bei den Fundamenten an. Mit der kritischen Geschichtswissenschaft hat der neuzeitliche Protestantismus die Bibel behandelt als ein Buch wie jedes andere; eben als ein Stück antiker Religionsgeschichte. Das führte zu einer tief greifenden Grundlagenkrise. Die Glaubenslehre löste sich in einen unüberschaubaren Pluralismus auf. Die Freude am Evangelium kam vielen Christen abhanden. Die evangelische Kirche braucht ein neues Grundvertrauen: Gott redet in der Heiligen Schrift, sein Wort ist verläßlich.
2. Das geht mit den architektonischen „Konstruktionsprinzipien“ der Theologie weiter. Die Erkenntnis des Glaubens ist nicht technokratisch, sondern auf das Gottesverhältnis und die praktische Lebensgestaltung ausgerichtet. Die Theologie war in der Vergangenheit zu sehr an formalen Methoden orientiert. Ihre eigentliche Bedeutung besteht aber nicht in einem sich immer weiter ausdifferenzierenden Wissen von Einzelfakten, sondern in der Vermittlung von Lebenssinn und Lebensweisheit, die der Glauben schenkt.

Evangelikale Ausbildung anerkennen!

3. Damit hängt die „Inneneinrichtung“ des Hauses der Theologie zusammen, wenn sie Heimat und Geborgenheit schenken soll. Es geht um die Einübung in das geistliche Leben. Evangelische Theologie muß ihre Wurzeln im Gebet haben und zum Gebet hinführen. Sie sollte zum Meditieren der Schrift anleiten und zeigen, wie gemeinsames Leben in der Nachfolge Jesu gestaltet werden kann. Bei Theologiestudierenden findet man hierfür eine große Sehnsucht und Offenheit.
4. Das „Dach“ der Theologie gehört ausgebaut, um einen weiten Horizont zu erschließen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Auseinandersetzung mit dem säkularen Denken. Die Frage nach missionarischen Anknüpfungspunkten bei den anderen Religionen muß intensiv bedacht werden. Es gilt im ökumenischen Gespräch zwischen den Konfessionen das voneinander zu lernen, was biblisch fundiert und geistlich bewährt ist.
Hat die Kirche der Reformation den Mut für umstürzende Reformen in der Theologie? Ist sie bereit, bestehende evangelikale Alternativen in der Ausbildung aufzunehmen und zu fördern?“