06.08.2005
Christliche Gemeinden als Motor für eine wertorientierte Erneuerung
Fritz Hähle bei Allianz-Konferenz: Prinzipienfestigkeit kommt an
Christliche Gemeinden als Motor für eine wertorientierte Erneuerung
Fritz Hähle bei Allianz-Konferenz: Prinzipienfestigkeit kommt an
B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Christliche Gemeinden können Motoren für eine wertorientierte Erneuerung der Gesellschaft sein. Dieser Ansicht ist der Vorsitzende der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag, Fritz Hähle (Dresden). Die Gesellschaft brauche Christen, die moralische Werte im Alltag glaubwürdig umsetzten, sagte der Politiker bei der Jahrestagung der Deutschen Evangelischen Allianz, die vom 3. bis 7. August im thüringischen Kurort Bad Blankenburg stattfand. Bei einer Veranstaltung über „die gesellschaftliche Verantwortung von Christen“ wies er auf den Widerspruch hin, daß einerseits sämtliche Werte infrage gestellt würden, und es andererseits eine intensive Suche nach ethischer Orientierung gebe. Dies zeige sich an Fernsehsendungen zu religiösen Themen, dem Erfolg von Peter Hahnes Bestseller „Schluß mit lustig“ und der Popularität des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. Dessen Prinzipienfestigkeit habe Millionen fasziniert, auch wenn sie seine Auffassungen nicht teilten. „Was für die katholische Kirche der Papst ist, sollte für uns Protestanten die Ortsgemeinde sein“, sagte Hähle im Blick darauf, daß nach evangelischer Auffassung jeder einzelne Christ ein Zeuge für die biblische Wahrheit sein soll. Dazu zählte der Politiker außer den Zehn Geboten auch den Brief des Apostels Paulus an die Römer, mit dem sich die Allianz-Konferenz unter dem Motto „Gott ist für uns“ fünf Tage lang beschäftigt hatte. Er enthalte zahlreiche Überzeugungen, die die Bevölkerungsmehrheit als wünschenswert betrachte. Dazu gehöre die Aufforderung, Frieden zu allen Menschen zu halten, einander mit Ehrerbietung zu begegnen, Böses nicht mit Bösem zu vergelten und Gastfreundschaft zu üben. Mit Gottes Hilfe sollten Christen in der Lage sein, solche Verhaltensweisen zu praktizieren, so Hähle. Damit nähmen sie gesellschaftliche Verantwortung wahr.
Kann eine „christliche Regierung“ biblische Forderungen umsetzen?
Die Hoffnung, daß Glaubensprinzipien von christlichen Parteien in praktische Politik umgesetzt würden, ist nach Ansicht der Theologin Ulrike Lieberknecht (Neuhaus bei Sonneberg) von der Partei „Bündnis '90/Die Grünen“ gescheitert. In Deutschland bezeichneten sich acht von 35 Parteien als christlich, von denen die meisten aufgrund geringer Größe und einseitiger Programmatik nicht viel bewirken könnten. Hinsichtlich der von CDU/CSU jahrelang geführten „christlichen Regierung“ müsse man fragen, ob in dieser Zeit biblische Forderungen wie Gerechtigkeit zwischen arm und reich, Nächstenliebe gegenüber den Ländern der Dritten Welt und Bewahrung der Schöpfung realisiert worden seien. Christliche Politiker würden kaum an Eigenschaften wie Bescheidenheit, Wahrhaftigkeit und Demut erkannt. Christliches Engagement, so Frau Lieberknecht, zeige sich vielmehr daran, daß man sich für die Demokratie als christlichste aller Staatsformen einsetze, für Politiker bete, Politikverdrossenheit nicht teile und der schlechten Stimmung im Land widerspreche. Christen sollten Werte wie Dankbarkeit, Zufriedenheit, Bescheidenheit, Zuversicht und Gottesfurcht in die Gesellschaft hineintragen.
Wahlprüfsteine: „Christen wählen Werte“
Für die Bundestagswahl im September schlug ein Mitglied im Allianz-Arbeitskreis Politik, Dieter Boy (Berlin), vor, die Entscheidung unter das Motto „Christen wählen Werte“ zu stellen. Als Grundlage könnten die „Wahlprüfsteine“ der Allianz dienen, mit denen man Kandidaten auf ihre Haltung zu christlichen Werten befragen könne. Der ehemaligen thüringischen Bundestagsabgeordneten Johannes Selle (Sondershausen), ebenfalls Arbeitskreis-Mitglied, empfahl christlichen Kandidaten, keine Angst zu haben, sich öffentlich zu ihren Glaubensüberzeugungen zu bekennen. Wähler hätten einen Anspruch zu erfahren, was ihre Vertreter beispielsweise über den gesellschaftlichen Stellenwert von Ehe und Familie denken. Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) rief die Christen auf, zehn Prozent ihrer Zeit für gesellschaftliches Engagement einzusetzen.