03.08.2005

Für den Pietisten-Präses ist der Glaube „ein Gesamtpaket des Guten“

Morgner: Christliche Botschaft hat ihren Praxistest bestanden

Für den Pietisten-Präses ist der Glaube „ein Gesamtpaket des Guten“

Morgner: Christliche Botschaft hat ihren Praxistest bestanden

B a d B l a n k e n b u r g (idea) – Christen sollen die Bedeutung von Jesus Christus für einzelne, Familien und die Gesellschaft wiederentdecken. Dazu hat der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes (Vereinigung Landeskirchlicher Gemeinschaften), Pfarrer Christoph Morgner (Siegen), am 3. August im thüringischen Bad Blankenburg aufgerufen. Vor rund 1.700 Besuchern der Eröffnungsveranstaltung zur 110. Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz sagte er, die christliche Botschaft habe in den zurückliegenden 2.000 Jahren ihren Praxistest bestanden, auch wenn die Kirchen viele Schwächen aufwiesen. Jesus Christus befreie von den Fesseln der Vergangenheit, schaffe Vergebung, tröste und rette aus dem Teufelskreis des Hasses, wie er in Israel, Afghanistan und dem ehemaligen Jugoslawien blutigen Terror hervorbringe. „Der Glaube an Jesus ist ein Gesamtpaket des Guten“, so Morgner. Für Christen sollte es wieder selbstverständlich sein, sich öffentlich zu Jesus Christus als dem Herrn zu bekennen, der das letzte Wort über Tod und Leben hat. Allerdings habe sich selbst in evangelikalen Kreisen eine große Scheu breit gemacht, Gott als Herrn zu bezeichnen. Man spreche statt dessen vom „guten Gott“ oder der „ewigen Allmacht“, ohne zu begreifen, daß man damit auch die Autorität Gottes bestreite. Wer aber Jesus mißachte, komme nicht in den Himmel.

Römerbrief ist keine Beruhigungspille für Christen

Im Mittelpunkt der fünftägigen Veranstaltungen stehen Bibelarbeiten über Ausschnitte aus dem Römerbrief unter dem Thema „Gott ist für uns“. Das Motto sei allerdings keine Beruhigungspille für Christen, hieß es in den ersten Auslegungen dieser zentralen Zusammenfassung des christlichen Glaubens. Es gebe eine „fromme Tarnung von Gottlosigkeit“, warnte die Diakoniebeauftragte des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Astrid Giebel (Berlin). Anstatt Gott anzubeten betreibe man Personenkult oder sorge sich um Geld, Sex, Macht und Ruhm. Viele Christen wüßten, was Gottes Willen entspreche, ohne ihn auch zu tun. Sie lehnten Wahrheit, Moral und Ethik als Spaßkiller ab und förderten damit die Ungerechtigkeiten in der Welt, etwa zunehmende Verelendung in Entwicklungsländern, Umweltverschmutzung und Tötung von Ungeborenen.
„Raffen, was das Zeug hält“ sei nicht nur ein Problem von Nichtchristen, sagte Frau Giebler. Die Konsequenz sei, daß Christen wie alle anderen Menschen unter dem Gericht Gottes stünden. Auch der Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien, Jürgen Mette (Marburg), mahnte, die im Römerbrief beschriebene Chance zum Neuanfang Gottes nicht nur auf Christen zu beziehen.
Es gebe eine weit verbreitete Sehnsucht nach Gott. Christlicher Glaube dürfe nicht mit bestimmten Frömmigkeitstraditionen verwechselt werden. Kritik übte Mette an Evangelikalen, die sich über Randthemen entzweiten, anstatt gemeinsam in der Gesellschaft für Gott einzutreten. Er forderte die bibeltreuen Gruppen auf, in der Öffentlichkeit nur noch Gutes übereinander zu sagen.

Delegationen aus Österreich, Schweiz, Luxemburg, Rußland und Ukraine

Die 110. Allianz-Konferenz dauert bis zum 7. August. Es werden rund 3.000 Gäste erwartet. Damit gehört die traditionsreiche Bibel- und Glaubenskonferenz zu den am stärksten besuchten regelmäßigen kirchlichen Veranstaltungen in den neuen Bundesländern. Wie in den Vorjahren kommen etwa 20 Prozent der Teilnehmer aus den alten Bundesländern. Rund 70 Prozent der Besucher sind jünger als 30 Jahre. Delegationen kommen auch aus Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Ungarn, Polen, Rußland und der Ukraine. Während der Konferenz informiert eine Ausstellung über die diakonischen, pädagogischen, publizistischen und missionarischen Aktivitäten der mehr als 300 mit der Deutschen Evangelischen Allianz verbundenen Werke.
(04.08.2005)