03.08.2005
Abseits vom modischen Zeitgeist - Auf dem Kongress der Evangelischen Allianz geht es den Teilnehmern um verlässliche Werte
Bad Blankenburg (epd). Für Maria, Sarah und Tabea ist Bad Blankenburg im Terminkalender eine feste Größe. Seit Jahren schon kommen sie alljährlich im Sommer in die Thüringer Kurstadt, um sich auf der Jahreskonferenz der Evangelischen Allianz vier Tage lang mit biblischen Themen und Glaubensfragen zu befassen. Sie sei schon als Kind dabei gewesen, sagt die 18-jährige Sarah aus Thüringen. Auch für ihre beiden Freundinnen, die in Bayern zur Ausbildung sind, hat das Treffen schon Tradition.
Bad Blankenburg ist seit 1886 regelmäßiger Tagungsort für die Bibel- und Glaubenskonferenzen des konservativ geprägten überkirchlichen Zusammenschlusses. Auch in diesem Jahr werden bis Sonntag wieder rund 3.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland erwartet. Drei Viertel davon sind unter 30 Jahre alt. Während die großen Kirchen seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen registrieren, geht dieser Trend an den Treffen in der lauschigen Umgebung des Thüringer Waldes offenbar vorbei. Zudem zeigt der anhaltend hohe Anteil junger Teilnehmer, dass Nachwuchssorgen kein akutes Problem sind.
"Wir kommen hierher, weil es einfach Kult ist", bekennt Maria (21) freimütig. Dabei ist das Ambiente nicht unbedingt das, was junge Menschen landläufig mit Ferien und Freizeit verbinden. Die Tagungsorte heißen "Haus des Glaubens" oder "Haus der Treue", in der knapp hundertjährigen Allianzhalle mit 1.700 Plätzen überlebte trotz Modernisierung der Charme großer Versammlungshallen des vorigen Jahrhunderts. Und auf dem Zeltplatz sorgen jugendliche Wärter für die Trennung zwischen männlichen und weiblichen Zeltern sowie für die Einhaltung des Verbots von Alkohol und Zigaretten.
"Kult" habe für die jungen Leute in Bad Blankenburg nichts mit einem oberflächlichen Zeitgeist zu tun, sind die drei Freundinnen überzeugt. Neben dem Zusammentreffen mit Gleichgesinnten seien ihnen vor allem Seminare und Vorträge wichtig. In diesem Jahr gehören dazu Themen wie der Umgang mit persönlichem Leid oder Fragen der Mission im 21. Jahrhundert. Erörtert werden soll aber auch die Situation in internationalen Krisengebieten wie dem Nahen Osten oder Ruanda. Zudem geht es auch um das Verhältnis zwischen Christen und Staat.
Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, sieht in dem anhaltenden Zulauf junger Leute nach Bad Blankenburg die Suche vieler Menschen nach verlässlichen Werten bestätigt. "Wir brauchen die Orientierung am Wort Gottes, wenn wir in dieser großen Auswahlgesellschaft den richtigen Weg finden wollen", betont er. Für den Leiter des Allianzhauses, Reinhard Holmer, ist nicht zuletzt der Reformator Martin Luther ein Beispiel für die "Sprengkraft" der Bibel zur Veränderung der persönlichen Lebenssituation und der Gesellschaft.
Auf dem Gelände des Allianzhauses ist immer häufiger auch die "Konkurrenz" vertreten. Jugendliche in T-Shirts der "Jesus-Freaks" weisen unübersehbar darauf hin, dass sich in den vergangenen Jahren mit dem "Freakstock"-Festival nur wenige Kilometer entfernt ein zwar schrilles, aber ernst zu nehmendes Kontrastprogramm etabliert hat. Dagegen halten Maria, Sarah und Tabea die inhaltlichen Angebote in Bad Blankenburg für wichtiger als die Musik der christlichen Punk-Bands.
"Gute Musik gibt es auch anderswo", sagt Sarah. Gleichwohl verliere die Allianzkonferenz jährlich rund 200 Teilnehmer an die "Freaks", räumt Steeb ein. "Aber ich denke, wir haben den längeren Atem", fügt der Generalsekretär hinzu. (08694/4.8.2005)