28.04.2005

Informationsdienst fragt: Wird Rußland evangelisch?

Ulrich Materne: Die Evangelische Allianz Russlands beurteilt die Situation zurückhaltender

Informationsdienst fragt: Wird Rußland evangelisch?

Ulrich Materne: Die Evangelische Allianz Russlands beurteilt die Situation zurückhaltender

M o s k a u (idea) – Wird Rußland evangelisch? Das fragt der Internet-Informationsdienst „Rußland aktuell“ (Moskau). Nach seinen Angaben schätzen die protestantischen Kirchen und Gemeinschaften, daß sie etwa zwei Millionen Mitglieder haben. Die Russisch-Orthodoxe Kirche mit etwa 35 Millionen Mitgliedern ist die größte Religionsgemeinschaft unter den 145 Millionen Einwohnern Rußlands. Zur katholischen Kirche gehören etwa 1,5 Millionen Personen. Laut „Rußland aktuell“ gibt es in manchen Städten mehr registrierte evangelische als orthodoxe Gemeinden. Einige führende Protestanten behaupteten, die Zahl der „wirklich religiösen Protestanten und Orthodoxen“ sei fast gleich groß. Merkmal von Protestanten sei eine aktive Teilnahme am Gemeindeleben und regelmäßiger Gottesdienstbesuch, während die Kirchenzugehörigkeit in der orthodoxen Kirche eher formal sei. Besonders Pfingstler und Baptisten hätten großen Zulauf. Orthodoxe Kirche und staatliche Stellen stuften sie als „Neoprotestanten“ wie Zeugen Jehovas, Scientology und Hare Krishna als unerwünschte Sekten ein. Ausländische Missionare würden argwöhnisch beobachtet.

Westliche Beobachter: Nur eine Million Protestanten

Westliche Beobachter halten die Angaben über den Protestantismus für übertrieben. Der stellvertretende Direktor des Ostkircheninstituts „Glaube in der 2. Welt“ (G2W) in Zollikon bei Zürich, Gerd Stricker, rechnet mit etwa einer Million Protestanten. Über missionarische Aufbrüche gebe es keine Statistiken. Der Vergleich zwischen protestantischen und orthodoxen Gemeinden sei nicht aussagekräftig. Orthodoxe Gemeinden hätten meist mehrere tausend Mitglieder, während protestantische Gemeinden sich ab 100 Mitgliedern häufig teilten, um wirkungsvoller evangelisieren zu können. Auch der Osteuropa-Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz, Pastor Ulrich Materne (Wittenberge), äußerte sich skeptisch. Er verwies auf Angaben der Russischen Evangelischen Allianz, die nach eigenen Schätzungen etwa 30.000 Lutheraner, 100.000 Evangeliumschristen-Baptisten, 20.000 unabhängige Baptisten, 100.000 Mitglieder von Pfingstkirchen, 70.000 Adventisten, 5.000 Methodisten und 20.000 Mitglieder von US-Freikirchen vertritt. Keinen Kontakt zur Allianz hätten rund 150.000 Charismatiker, 30.000 staatlich nicht-registrierte Baptisten und 20.000 ebenfalls nicht-registrierte Pfingstler.