28.04.2005

Chancengleichheit beim Elterngeld verwirklichen

Steeb bittet Kanzlerin um Beendigung der Diskriminierung des Mutterberufs

Chancengleichheit beim Elterngeld verwirklichen

Steeb bittet Kanzlerin um Beendigung der Diskriminierung des Mutterberufs

Im Vorfeld der Beratungen des Koalitionsausschuss am 1. Mai zum Elterngeld hat sich der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Er habe „große Sorge“ angesichts der in der öffentlichen Diskussion befindlichen Vorschläge zur Ausgestaltung des Elterngeldes. Die Planungen, wonach die Höhe des Elterngeldes entscheidend vom bisher erzielten Gehalt abhängen soll, würden „nämlich jene noch mehr benachteiligen und ins sozial-materielle Abseits stellen, die sich schon in jungen Jahren für Kinder entscheiden, die sich für den Beruf Mutter oder den Beruf Vater entscheiden und die Mehrfacheltern sind und um des Wohles der Kinder auf eine außerfamiliäre berufliche Tätigkeit verzichten“. Außerdem werde eine solche Regelung gerade die ohnehin problematische Verschiebung des Kinderwunsches auf spätere Jahre noch mehr fördern. Stattdessen bat Steeb die Kanzlerin allen Eltern eine „gleiche Gehaltszahlung für ihre Kinder“ zukommen zu lassen.

Die Diskriminierung des Mutter- und Vaterberufs beenden

Die Kanzlerin solle sich für eine „ehrliche Chancengleichheit für verschiedene Modelle familiären Lebens“ einsetzen. Es dürfe nicht sein, dass „die staatlichen Subventionen noch mehr einseitig in die außerfamiliäre Betreuung fließen und jene, die sich für die Karriere Kinder, Vollzeitmutter und Vollzeitvater entscheiden wollen, nicht das gleiche Maß an Unterstützung erfahren.“ Schon jetzt finanzierten hauptberufliche Mütter mit ihrer unentgeltlichen Arbeit die Altersbezüge Dritter. „Sie selbst gehen im Vergleich dazu leer aus.“ Erst wenn diesem Personenkreis in gleicher Höhe pro Kind staatliche Subventionen gewährt würden, könne das „dazu führen, dass viele junge Menschen die Option überhaupt erst ehrlich für sich prüfen“ könnten. Auch solle die Kanzlerin der „täglichen Diskriminierung des Mutter- und Vaterberufs entgegentreten. Denn das ständige Gerede von der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ signalisiere, dass „z.B. eine Mutter mit vier Kindern keinen Beruf hätte, obwohl sie doch ihrer Berufung nachgeht“, so Steeb weiter.

Trendwende bei der Kinderarmut nötig


Die jetzigen Planungen würden gewiss zu keiner „signifikanten Umkehrung des Trends zur Kinderlosigkeit“ führen. Um eine solche zu erreichen, sei stattdessen die Anerkennung der eigenen Kindererziehung als Beruf nötig, dürfe „der Weg zur hauptamtlichen Familientätigkeit nicht mehr zu einem sozialrechtlichen und materiellen Totalabsturz“ führen und solle der Staat die Familien stärken, auch, in dem er die Familien so honoriere, „wie wenn sie ihre Kinder in außerfamiliäre Obhut geben“ würden.
Der Brief von Hartmut Steeb, der in ähnlicher Weise auch an die anderen Mitglieder des Koalitionsausschuss ging, stützt sich auf die Thesen zur Familienpolitik, die die Deutsche Evangelische Allianz erstmals 1994 im Internationalen Jahr der Familie erarbeitet und seither verschiedentlich aktualisiert hat.

Bad Blankenburg, 29. April 2006
Hartmut Steeb