13.04.2005
ProChrist 2006 in München ohne offizielle Beteiligung der Katholischen Kirche
Domkapitular: Theologische Bedenken
ProChrist 2006 in München ohne offizielle Beteiligung der Katholischen Kirche
Domkapitular: Theologische Bedenken
M ü n c h e n (idea) – Die katholische Erzdiözese München und Freising lehnt eine offizielle Beteiligung an der Evangelisation ProChrist 2006 ab. An den Vorbereitungen für die Veranstaltungsreihe, die vom 18. bis 26. März per Satellit von München europaweit ausgestrahlt wird, nimmt kein katholischer Vertreter mehr teil. Auf Anraten des Seelsorgereferenten des Erzbischöflichen Ordinariats, Domkapitular Josef Obermaier (München), zog sich der Dekan der katholischen Innenstadtgemeinden von München, Pater Augustinus Bauer, aus dem örtlichen ProChrist-Vorstand zurück. Laut Obermaier gibt es „grundsätzliche, vor allem theologische Bedenken gegen Aktionen, die das Evangelium ohne eine klare kirchliche Identität verkünden wollen“. Aus katholischer Sicht sei es nicht möglich, „Christus ohne die Kirche zu verkünden“. Hinter ProChrist stünden Vorstellungen von Kirche, „die mit dem katholischen Verständnis von Kirche nicht zusammengehen“. Skeptisch beurteilt Obermaier auch den „kurzfristigen Ansatz“ von ProChrist. Glaubensverkündigung gehöre in die langfristige seelsorgerliche Praxis. „Was in Amerika vielleicht praktikabel und üblich ist, muß deswegen nicht auch in Bayern schon ein Erfolgsrezept sein“, so Obermaier. Die Erzdiözese stehe aber nicht in Gegnerschaft oder Feindschaft zu den Organisatoren von ProChrist. Sie werde auch kein striktes Verbot aussprechen.
„Weiter offen für Christen, denen die den Glauben ausbreiten wollen“
Der Vorstand von ProChrist München bedauert die Erklärung des Erzbistums. Der Trägerkreis bleibe offen für alle Christen, denen die Ausbreitung des Glaubens am Herzen liege. Gegenüber idea bekräftigte Pressesprecher Hans-Joachim Vieweger das Interesse an guten Beziehungen zu allen Kirchen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern unterstütze ProChrist als eine Möglichkeit, das Evangelium in die Öffentlichkeit zu bringen. In einer katholisch geprägten Großstadt sei selbstverständlich, daß man sich auch um Kontakte zur katholischen Kirche bemühe. Erneuerungsbewegungen beider Kirchen arbeiteten seit vielen Jahren zusammen.
Bisher keine offizielle Mitwirkung eines katholischen Amtsträgers
Nach Angaben des Geschäftsführers von ProChrist-Deutschland, Frieder Trommer (Kassel), gab es bisher keine offizielle Mitwirkung eines katholischen Amtsträgers an einer ProChrist-Vorbereitung. Die 1993 begonnenen Veranstaltungsreihen wurden von Mitgliedern evangelischer Landes- und Freikirchen getragen. An mehreren der jeweils über 1.000 Übertragungsorte hätten Katholiken mitgearbeitet, manchmal auch mit Unterstützung ihrer Kirchenleitung. Die Entscheidung der Münchener Erzdiözese mache es bayerischen Katholiken schwer, sich im Rahmen von ProChrist für die Verbreitung des Evangeliums einzusetzen, bedauerte Trommer. Vorsitzender und Hauptredner von ProChrist ist der Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel). Als Vorsitzender amtiert Raimund Utsch (Marl).