22.09.2004

Deutsche Evangelische Allianz und die CDU stimmen in wesentlichen ethischen Fragen überein

Der Hauptvorstand sprach mit der CDU-Vorsitzenden über Fragen des Lebensrechts, der Familienpolitik, des Rechtsradikalismus und der Glaubwürdigkeit der Politik

Deutsche Evangelische Allianz und die CDU stimmen in wesentlichen ethischen Fragen überein

Der Hauptvorstand sprach mit der CDU-Vorsitzenden über Fragen des Lebensrechts, der Familienpolitik, des Rechtsradikalismus und der Glaubwürdigkeit der Politik

 

B e r l i n (idea) – Übereinstimmung in wesentlichen ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen hat ein Gespräch des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel in Berlin ergeben. Aus Anlaß der Herbsttagung des Bundes von etwa 1,3 Millionen theologisch konservativen Christen aus Landes- und Freikirchen fand die etwa einstündige Begegnung am 22. September im Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Zentrale, unter Leitung des stellvertretenden Allianz-Vorsitzenden, des Generalsekretärs des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Theo Schneider (Kassel), statt. Der Allianzvorsitzende, Präses Peter Strauch (Witten), konnte wegen Krankheit an der Zusammenkunft nicht teilnehmen. Der evangelikale Bund stimmte mit der CDU-Vorsitzenden darin überein, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Türkei nicht reif für eine EU-Mitgliedschaft sei. Zuvor müßte der islamisch geprägte Staat beispielsweise die Diskriminierung von Christen beenden, Minderheiten achten und die Benachteiligung der Frau beenden. Die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher (Bonn) sagte bei dem Gespräch, viele Bürger hätten Angst vor einem Beitritt der Türkei. Die CDU-Vorsitzende bezeichnete es als einen „Schaden in der tiefen Mitte der CDU-Mitgliedschaft, wenn die Partei in ihrer Ablehnung eines jetzigen EU-Beitrittes wackeln“ würde. Die CDU habe in früheren Jahren zu wenig Druck auf ausländische Mitbürger ausgeübt, die deutsche Sprache zu lernen. Leider setze die türkische Regierung zu wenig auf Integration der Türken in Deutschland. Das gesamte kulturelle Leben von Türken spiele sich fast ausschließlich in Moscheen ab. Gleichzeitig würden jedoch auch immer mehr Türken Mitglieder der CDU, weil sie sich mit ihren Werten identifizieren könnten.

Allianzdirektor: Warum so viele PDS oder NPD/DVU wählten

Der Direktor des Zentrums der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg, Pfarrer Reinhard Holmer, äußerte zu den Gewinnen radikaler Parteien von links und rechts in den neuen Bundesländern. Sie hätten ihre Ursache auch darin, daß die beiden großen Parteien für viele Bürger keine „echten Alternativen“ mehr darstellten. In Sachsen und Brandenburg hätten so viele außer PDS die DVU bzw. NPD gewählt, „nicht weil sie rechtsextrem sind, sondern weil sie hoffen, aufgrund dieser Wahlentscheidung mit ihren Anliegen endlich gehört zu werden.“ Er forderte die CDU auf, deutlicher für das „C“ im Parteinamen einzutreten. Wie Frau Merkel daraufhin sagte, gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den Parteien in ethischen Fragen. Man wolle versuchen, dies wieder stärker deutlich werden zu lassen.

Merkel zu Spätabtreibungen: SPD geht leider „keinen Millimeter auf CDU und CSU zu“

Die CDU-Vorsitzende und die Repräsentanten der Allianz sprachen sich gegen Änderungen am Embryonenschutzgesetz aus. Allianzgeneralsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) appellierte an die CDU, intensiver gegen die Abtreibungen vorzugehen. Man dürfe sich nicht damit abfinden, daß jährlich laut Statistischem Bundesamt mehr als 130.000 Kinder „umgebracht“ würden. Frau Merkel zufolge bemüht sich die CDU um ein Verbot der sogenannten Spätabtreibungen. Es sei schade, daß hier die SPD „keinen Millimeter auf CDU und CSU zugehe“. Steeb forderte weiter, die Politik solle ermöglichen, daß Mütter finanziell so gut gestellt werden, daß sie auf eine andere Erwerbstätigkeit verzichten könnten. Ein Erziehungsgehalt wäre für den Staat preisgünstiger als eine Ganztagsbetreuung durch fremde Personen. Frau Merkel plädierte dafür, daß man jeder Frau die Wahl lassen solle, entweder allein für die Kinder da zu sein, oder eine Erwerbstätigkeit mit dem Muttersein zu vereinbaren.

Allianz: Warum sollten bekennende evangelische Christen CDU wählen?

Wenn Mütter sich vollzeitlich für ihre Kinder entschieden, müsse es ihnen aber besser als bisher ermöglicht werden, noch eine Karriere machen zu können, wenn ihre Kinder außer Haus sind. So sollten Institutionen und Parteien bereit sein, Frauen über 40 noch in Ämter zu berufen. Auf die Frage nach den Gründen, warum bekennende evangelische Christen die CDU wählen sollten, meinte Frau Merkel: Ihre Partei habe das klarste Wertekonzept, indem sie beispielsweise die Forschung an Embryonen ebenso verboten wissen wolle wie jede Form der Euthanasie.