17.10.2004
Weiße Kreuze in Berlin: Trauermarsch über die Tötung ungeborener Kinder
Feministinnen stören Kundgebung für Lebensrecht von Ungeborenen<br />
Weiße Kreuze in Berlin: Trauermarsch über die Tötung ungeborener Kinder
Feministinnen stören Kundgebung für Lebensrecht von Ungeborenen
B e r l i n (idea/dea) - Im Gedenken an die rund 1.000 ungeborenen Kinder, die an jedem Werktag in Deutschland durch Abtreibung getötet werden, marschierten über 800 christliche Lebensrechtler am 16. Oktober schweigend durch Berlin. In strömendem Regen trugen sie weiße Holzkreuze und als Todesanzeigen gestaltete Plakate. Einige feministische Gegendemonstrantinnen traten mit einem Plakat mit der Aufschrift „Mein Bauch gehört mir“ für ein Recht auf Abtreibung ein und bewarfen die Lebensrechtler mit Farbbeuteln. Organisiert wurde der Schweigemarsch vom Bundesverband Lebensrecht, einer Dachorganisation von 17 christlichen Lebensrechtsgruppen. Dessen Vorsitzende, die Medizinerin Claudia Kaminski (Köln), beklagte, daß der gefährlichste Aufenthaltsort für ein Kind der Mutterleib sei. Jährlich gebe es 130.000 gemeldete Abtreibungen; hinzu komme eine etwa gleich hohe Dunkelziffer. Kaminski: „Jedes Jahr entvölkern wir zwei Städte von der Größe Potsdams.“ Abtreibungen würden pro Jahr mit etwa 45 Millionen Euro subventioniert, obwohl die Geburtenzahl in Deutschland weiter sinke. Es sei „unglaublich“, daß kein Spitzenpolitiker dies kritisiere. In jeder Schwangerschaftskonfliktberatung müßten die psychischen Spätfolgen einer Abtreibung ein Thema sein, forderte Kaminski. Damit sich mehr Paare für Kinder entschieden, müsse es eine bessere Familienpolitik geben, zu der die Einführung eines Familiengeldes gehören sollte.
Bundestagsabgeordneter: Krieg gegen den eigenen Nachwuchs
Keine Friedhofsruhe über dem Unrecht der Abtreibungen
Auch zwei Bundestagsabgeordnete nahmen an der Kundgebung und dem Trauermarsch teil. Hubert Hüppe, stellvertretender Vorsitzender der „Christdemokraten für das Leben“, nahm mit seiner Familie teil. „Es ist wichtig, auf das Unrecht der Abtreibungen aufmerksam zu machen, und dafür zu sorgen, daß um dieses Thema keine Friedhofsruhe entsteht“, so der stellvertretende Vorsitzende der Bundestags-Enquete-Kommission „Recht und Ethik in der modernen Medizin“ gegenüber idea. Es sei erstaunlich, daß bei der Förderung behinderter Menschen „munter gespart“ werde, bei der Finanzierung von Abtreibungen hingegen nicht. Der Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann (Neuhof bei Fulda), erklärte, die Folgen der Abtreibungspraxis in Deutschland hätten schon mehr Opfer gefordert als gefallene deutsche Soldaten und Bombenopfer im Zweiten Weltkrieg. „Deutschland muß den Krieg gegen den eigenen Nachwuchs beenden, den Wert und die Heiligkeit eines jeden menschlichen Lebens wiederentdecken und zu einem Leben nach Gottes Geboten zurückkehren“, sagte Hohmann.
Christen sollten für eine Kultur der Lebensbejahung eintreten
Im Schlußgottesdienst der Anti-Abtreibungsdemonstration in der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale erklärte Pater Gerold Jäger, der dem Berliner Zweig der charismatisch-ökumenischen Gemeinschaft Chemin Neuf (Neuer Weg) vorsteht, die Menschen müßten immer wieder „die Freude über den Sieg von Christus empfangen“. Nur so könne man ohne Resignation der vermeintlichen Aussichtslosigkeit des Lebensschutzes entgegentreten. Der Geschäftsführer des christlichen Netzwerks „Gemeinsam für Berlin“, Pfarrer Axel Nehlsen, sagte, Christen sollten für eine Kultur der Lebensbejahung eintreten. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), erklärte gegenüber idea, er sei froh, daß sich Christen aller Konfessionen für den Lebensschutz engagieren: „Mittlerweile ist die Not so groß, daß wir eine große Koalition der Christen zum Lebensschutz brauchen.“