10.10.2004
Wie überzeugt man den postmodernen Menschen?
Kongreß der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation: Von der Zweidrittelwelt lernen
Wie überzeugt man den postmodernen Menschen?
Kongreß der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation: Von der Zweidrittelwelt lernen
Die Lausanner Bewegung für Weltevangelisation hat das Verständnis der Mission in zahlreichen Kirchen maßgeblich geprägt. Die Missionskongresse in Lausanne (Schweiz) im Jahr 1974, Pattaya 1980 und Manila (Philippinen) 1989 waren hier Meilensteine. Vor 30 Jahren wurde in Lausanne mit der „Lausanner Verpflichtung“ die bis heute für viele Christen, Kirchen und Werke gültige Grundlage für Mission und Evangelisation formuliert: „Die ganze Kirche ist aufgerufen, der ganzen Welt das ganze Evangelium zu bringen.“
Vom 29. September bis 5. Oktober fand nun in Pattaya (Thailand) ein weiterer Kongreß für Weltevangelisation statt, zu dem rund 1.600 Delegierte aus mehr als 120 Ländern zusammengekommen waren. Das Forum für Weltevangelisation, wie die Veranstalter den Kongreß nannten, wollte die Herausforderungen für die Mission im 21. Jahrhundert angehen: Wie kann das Evangelium unter den Menschen der postmodernen Gesellschaft verkündet werden? Welche Auswirkungen hat die fortschreitende Globalisierung auf die weltweite Mission? Wie können sich Christen verstärkt mit dem Schicksal der unterdrückten Christen befassen und konkret helfen? Welchen Einfluß haben die wachsenden Gemeinden aus der „Zweidrittelwelt“ – also Afrika, Südamerika und Asien – auf Christen in den westlichen Staaten?
Gegen „Überbringer der westlichen Glaubenspraxis“
Daß mehr als die Hälfte der Teilnehmer des Forums in Pattaya aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa stammten, hat der Verantwortliche des Forums – der US-Amerikaner Roger Parrott - gleich zu Beginn des Kongresses erfreut bekanntgegeben. Diese Christen stellen am Beginn des 21. Jahrhunderts die Mehrheit der Christenheit. Sie sind es, die das größte Wachstum erfahren. Sie bieten die nötigen Erfahrungen für die Mission und deshalb muß die „christliche Globalisierung“ von ihnen – der Zweidrittelwelt – ausgehen. Die rund 70 Delegierten der Pattaya-Konferenz aus Deutschland haben sich die praktische Umsetzung auf die Fahnen geschrieben. „Wir sollten in Deutschland mehr Christen aus der Zweidrittelwelt in unsere Gemeinden einladen, um nicht nur von ihnen zu lernen, sondern auch um Evangelisationen unter Ausländern in Deutschland durchzuführen“, zieht etwa Horst Engelmann vom Missionshaus Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt) als Fazit.
Christenverfolgung nicht ignorieren
Ein großes Thema des Forums in Pattaya war auch die Situation der verfolgten Christen: 200 Millionen werden in China, Nordkorea, Indonesien oder Pakistan verfolgt, verhaftet oder ermordet. Der württembergische Kirchenrat i.R. Albrecht Hauser, einer der Leiter der Arbeitsgruppe des Forums „Die verfolgte Kirche“, fordert zu recht, die „leidende Gemeinde stärker auf die Tagesordnung unserer Gemeinden zu setzen und das Gebet und die praktische Hilfe zu erweitern“. Beschämend war es denn auch für viele deutsche Delegierte, vom Mut und Engagement von verfolgten Christen in der Mission zu erfahren. Christen in den von Verfolgung freien westlichen Staaten stehen jedoch vor ganz anderen Herausforderungen. Vor allem der: Wie überzeuge ich Menschen, die sich dem postmodernen Denken verschrieben haben? „Der postmoderne Mensch weiß zwar, daß die Vernunft keine Antwort auf alle Fragen des Lebens geben kann, wehrt sich aber gegen eine einzig gültige Wahrheit“, erläutert Rolf Hille, Rektor des Tübinger Albrecht-Bengel-Studienhauses und Leiter der Arbeitsgruppe „Die Einzigartigkeit Christi in der postmodernen Gesellschaft“ – die Zielgruppe von Evangelisation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wer wirkungsvoll evangelisieren will, muß seine Zielgruppe kennen. „Christen müssen den postmodernen Menschen sagen, daß das Evangelium eine Botschaft ist, die alle Vernunft übersteigt und nicht von Menschen ausgedacht ist.“ So Rolf Hille.
Die Lausanner Bewegung hat in den vergangenen Jahren zudem erkannt, daß eine bessere Koordination ihrer Tätigkeit nötig ist. Erstmals wurden regionale Leiter für die ganze Welt ernannt. Regionalleiterin für Westeuropa wurde Elke Werner (Marburg), weitere Leiter sind in Rußland, Nordasien, Südkorea, Osteuropa oder Lateinamerika für die länderübergreifende Koordination zuständig. Außerdem wurde in Pattaya ein Generationenwechsel eingeleitet. Der frühere Vorsitzende der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation, Paul Cedar (66), gab sein Amt an den 51jährigen US-amerikanischen Missionar Doug Birdsall ab. In Anerkennung an die wachsende Christenheit in Asien berief die Lausanner Bewegung erstmals einen Repräsentanten aus dieser Region in ihr Leitungsgremium: den Japaner Tetsunao Yamamori.
Andreas Dippel