16.05.2004
Eine zerstrittene Christenheit verdunkelt das Zeugnis von Jesus Christus
Bischof Maier würdigt Impulstour der Deutschen Evangelischen Allianz
Eine zerstrittene Christenheit verdunkelt das Zeugnis von Jesus Christus
Bischof Maier würdigt Impulstour der Deutschen Evangelischen Allianz
Der württembergische Landesbischof Gerhard Maier (Stuttgart) hat die Christen zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. Eine zerstrittene Christenheit verdunkele das Zeugnis von Jesus Christus, sagte das geistliche Oberhaupt von 2,4 Millionen Kirchenmitglieder beim Impulstag der Deutschen Evangelischen Allianz am 15. Mai in Stuttgart. Das Treffen, zu dem Veranstaltungen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder sowie ein Jugendgottesdienst und eine Musical-Aufführung mit zusammen rund 2.300 Besuchern aus landes- und freikirchlichen Gemeinden sowie pietistischen Gemeinschaften gehörten, hatte das Motto „Aufbruch zur Einheit„. Vor rund 500 Teilnehmern des „Tags für Erwachsene„ kritisierte Maier Gemeinden, die durch Rechthaberei und Mißtrauen verhinderten, daß die christliche Botschaft bei den Menschen ankomme. Zu den freikirchlichen Besonderheiten, an denen sich landeskirchliche Gemeinden orientieren könnten, zählte Maier die aktive Mitarbeit der meisten Mitglieder. Predigten ermutigten Zuhörer in der Regel, sich für den Glauben zu entscheiden. Der Bischof, der regelmäßig an der Allianz-Gebetswoche teilnimmt, würdigte auch die vielfältige Arbeit des Dachverbandes der evangelikalen Bewegung. Der Generalsekretär der Europäischen Evangelischen Allianz, Gordon Showell-Rogers (London), stellte Initiativen zur gesellschaftlichen Erneuerung der ehemals kommunistischen Ländern, das Engagement für verfolgte Christen in der Türkei und das Büro bei der Europäischen Union in Brüssel vor. Als Modell für die Zusammenarbeit unterschiedlicher geistlicher Traditionen wurde das „Stadtgebet„ in Weinstadt bei Stuttgart präsentiert, zu dem sich monatlich katholische, evangelische und freikirchlich-charismatische Christen treffen.
Parzany: „Laßt uns die Gestalt gewordene Erhörung von Jesu Gebet sein„
Nach Ansicht des Generalsekretärs des CVJM-Gesamtverbandes, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), hat eine weltweit zu beobachtende Angst vor Globalisierung auch die Christenheit erfaßt. Viele Menschen fürchteten sich vor einer grenzenlos offenen Welt und errichteten deshalb schützende Mauern zur Bewahrung ihrer Identität. Christliche Gruppen grenzten sich voneinander ab, anstatt die Einheit zu suchen, um die Jesus Christus im Hohepriesterlichen Gebet (Joh 17) gebetet habe. „Laßt uns die Gestalt gewordene Erhörung von Jesu Gebet sein und uns so verhalten, daß Menschen Jesus erkennen„, appellierte Parzany an die Besucher. Er warnte vor dem Verlust der Jesus-Beziehung als Konsequenz aus der Weigerung, Versöhnung zu praktizieren.
Weniger Besucher als erwartet - Großes Lob von Besuchern
Stuttgart war die vierte von acht Stationen der Impulstour, mit der die Deutsche Evangelische Allianz die geistliche Einheit unter den 1,3 Millionen Evangelikalen in Landes- und Freikirchen stärken will. Laut Generalsekretär Hartmut Steeb (Stuttgart) kamen bisher 6.900 Besucher. Beim Auftakt in Hannover am 24. April seien es 1.200 gewesen, in Hamburg 2.000 und in Essen 1.400. Dies seien wesentlich weniger als erwartet, sagte Steeb gegenüber idea. Offensichtlich bereite es große Probleme, die Basis zu erreichen. Nicht alle im Netzwerk der Evangelischen Allianz sonst mitwirkenden Gruppierungen hätten die Tour in dem erhofften Maß unterstützt. Der Vorsitzende, Präses Peter Strauch (Witten) vom Bund Freier evangelischer Gemeinden, sprach gegenüber idea von einer enttäuschenden Teilnehmerzahl. Das Bewußtsein für die Einheit unter den Christen sei noch wenig ausgeprägt. „Wenn die Christen von der Notwendigkeit überzeugt wären, gemeinsam ihren Glauben zu bekennen, würden sie kommen„, ist Strauch überzeugt. Ermutigend seien die Reaktionen der Besucher. 99 Prozent dankten für die Horizonterweiterung und neue Anregungen zur Gestaltung der örtlichen Allianzarbeit. Dies sporne ihn an, noch mehr für die Einheit unter den Christen zu werben. Die nächsten Stationen der Impulstour sind am 5. Juni in Chemnitz, am 12. Juni in Berlin, am 19. Juni in München und am 3. Juli in Frankfurt am Main.