01.02.2004
Der Pastor, der Honecker „Asyl“ gewährte: Uwe Holmer wird 75
Der Pietist gilt als ein überzeugendes Beispiel für gelebte Feindesliebe
Der Pastor, der Honecker „Asyl“ gewährte: Uwe Holmer wird 75
Der Pietist gilt als ein überzeugendes Beispiel für gelebte Feindesliebe
S e r r a h n (idea) – Das wohl ungewöhnlichste „Kirchenasyl“ in der deutschen Geschichte machte ihn bundesweit bekannt: Pfarrer Uwe Holmer nahm Anfang 1990 den obdachlos gewordenen Ex-DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (1912-1994) und dessen Frau Margot in seinem Pfarrhaus in Lobetal bei Berlin auf. Der pietistische Theologe, der im Ruhestand im mecklenburgischen Serrahn lebt, vollendet am 6. Februar sein 75. Lebensjahr. Er leitete von 1983 bis 1991 die diakonische Einrichtung Hoffnungsthaler Anstalten in Lobetal, die Friedrich von Bodelschwingh (1831-1910) 1905 für obdachlose Berliner gegründet hatte. Weil Holmer und seine erste Ehefrau Sigrid – sie starb 1995 – dem Ehepaar Honecker für zweieinhalb Monate Gastfreundschaft gewährte, kam es zu Anfeindungen aus der Bevölkerung – bis hin zu Bombendrohungen. Trotz der Kritik blieb der Pastor bei seiner Ansicht, daß es richtig war, die beiden aufzunehmen: „Wir können als Christen nicht nur über Vergebung predigen, wir müssen sie auch leben.“ Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU würdigte das Handeln Holmers 1990 als ein überzeugendes Beispiel für Feindesliebe. Der Pastor hätte Grund zum Zorn auf das Ehepaar Honecker gehabt. Die DDR-Behörden verwehrten acht seiner zehn Kinder trotz bester Zeugnisse den Besuch der Oberschule – aus ideologischen Gründen. Die verantwortliche Bildungsministerin war Margot Honecker.
Ein Mann der Diakonie und der Evangelisation
Holmer wurde 1929 in Wismar geboren. Die geistliche Prägung erhielt er durch die Jugendbünde für entschiedenes Christentum (EC). Von 1948 bis 1954 studierte er Theologie in Rostock und Jena. Es folgten zwölf Jahre Pfarrdienst in Mecklenburg. Von 1967 bis 1983 leitete er die Bibelschule Falkenberg bei Berlin. Nach seiner Tätigkeit in Lobetal war er bis zum Eintritt in den Ruhestand Leiter eines diakonischen Suchtkrankenzentrums in Serrahn. Der Theologe bekleidete auch führende Ämter in der evangelikalen Bewegung. In der DDR wurde er 1988 zum Vorsitzenden der Evangelistenkonferenz gewählt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands war er Mitglied des Hauptvorstandes der Deutschen Evangelischen Allianz. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Evangelistenkonferenz. Holmer heiratete 1997 zum zweiten Mal. Drei seiner sechs Söhne sind Pfarrer. Der jüngste Sohn steht vor dem theologischen Examen. Zum Geburtstag werden dem Pastor außerdem 43 Enkel gratulieren.